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Weinlese mit Jochen Beurer in Stetten: Weniger Trauben, aber viel Aroma

Weinlese
Weinbauer Jochen Beurer erntet Spätburgunder in Stetten: Einzelne Trauben müssen ausgeschnitten werden. © Gabriel Habermann

Jochen Beurer steht in einem Weinberg mit Spätburgunder. Den baut das Stettener Öko-Weingut für sein „großes Gewächs“, einen besonders guten Wein, an. Gerade ist die Herbste, die Traubenernte, im vollen Gange. Für die Beurers und ihre fleißigen Erntehelfer bedeutet das viel Arbeit: Die Trauben werden ganz genau begutachtet, bevor sie in den roten Kisten landen und dann später in die Presse kommen.

Der Weinbauer zeigt, wonach man schauen muss: Er nimmt eine Traube in die Hand und begutachtet die einzelnen Weinbeeren. Auf den ersten Blick und für das Auge eines Laien sehen die kleinen dunklen Trauben gut und gesund aus. Jochen Beurer drückt jedoch ganz leicht auf eine einzelne Weinbeere – und siehe da: Sie ist ganz matschig und schlecht. Das matschige Fruchtfleisch riecht intensiv nach Essig. „Das macht die Kirschessigfliege“, erklärt der Winzer und wischt noch eine kleine Larve weg, die auf einer anderen Weinbeere sitzt. „Das ist kritisch, das muss man auslesen.“

Trauben werden von Hand ausgeschnitten

Deshalb werden aus jeder Traube von Hand die schlechten Beeren mit einer kleinen Schere herausgetrennt, bevor die Trauben weiterverarbeitet werden. Damit trotz dieser langwierigen Fleißarbeit dennoch der ganze Wengert Spätburgunder bis zum Mittag geschafft werden kann, sind neben den vier polnischen Saisonkräften, die auf dem Weingut beschäftigt sind, auch viele freiwillige Helfer gekommen.

Freunde und Bekannte sind dabei, aber auch Weinliebhaber aus Stuttgart. Die wollen das Herbsten einmal selbst miterleben, erklärt Jochen Beurer. Ein Freiwilliger ist sogar extra für dieses „Event“ aus München hergekommen. Beim Herbsten wird viel gescherzt, die Stimmung ist gut. Dass die Arbeit Spaß macht, sei schließlich immer noch das Wichtigste, betont der Weinbauer. Mittags gibt es ein warmes Essen für alle daheim im Weingut – coronakonform an der frischen Luft, betont Jochen Beurer.

Die Kirschessigfliege ist ein Problem

Der feuchte, kühle Sommer hat dafür gesorgt, dass sich die Kirschessigfliege gut vermehren konnte. Insgesamt gibt es deshalb auch etwas weniger Trauben als in den Vorjahren. Aber davon will sich Jochen Beurer nicht die Laune vermiesen lassen. „Man muss ja immer das Positive sehen“, sagt er. Positiv findet er, dass die Nächte jetzt schon recht frisch sind. „Das gibt viel Aroma“, freut sich der Winzer. Die Trauben bleiben bei diesem Wetter klein und locker beerig. Und bei Weinbeeren gelte: je mehr Schale, desto mehr Geschmack. „Das wird ein schöner Herbst“, so der Winzer optimistisch.

Auch von Corona hat sich der Stettener Familienbetrieb nicht unterkriegen lassen. „Wir konnten im Großen und Ganzen eigentlich relativ normal weiterarbeiten bei uns“, sagt Jochen Beurer. Klar, unter der Einhaltung besonderer Hygiene-Regeln. So sei zum Beispiel eine Desinfektionsstation für Werkzeug in Betrieb gegangen. „Und im Auto tragen wir Maske.“ Mittlerweile seien alle Mitarbeiter geimpft. Ansteckungen im Betrieb mit dem Coronavirus habe es bislang keine gegeben.

Sind die Trauben einmal geerntet, werden sie aufs Weingut in Stetten gebracht. Dort trennt eine Maschine die Weinbeeren von den Stielen. Erst dann werden die Trauben in einer modernen Presse gepresst. Der Saft fließt von dort direkt in den Weinkeller und sammelt sich im Kühlraum in großen Edelstahlbehältern.

Spontangärung statt Hefen zusetzen

„Dort wird dann alles in seine Bahnen geleitet“, erklärt Jochen Beurer. Für jede Rebsorte hat der Winzerbetrieb eine Gärungsart geplant: in verschiedenen Holzfässern oder im Edelstahlfass. Der Betrieb arbeitet biodynamisch ökologisch, auf herkömmliche Spritzmittel und auch auf kontrollierte Gärung durch die Zugabe von Hefen wird bei den Beurers verzichtet.

Bei der „Spontangärung“ bleibt der Traubensaft eben so lange im Behälter, bis er mit den von Natur aus im Weinberg enthaltenen Hefepilzen von sich aus zu Wein wird. Das gebe einen ganz besonderen und vom Erdreich geprägten Geschmack, so Jochen Beurer. Damit diese Methode funktioniert, muss das Lesegut aber eine sehr hohe Qualität haben. Deshalb muss der Saft „abgerochen“ werden, bevor er in die Fässer fließt.

Adrian Beurer eifert dem Vater nach

Danach lagert der neue Wein im Weinkeller. Weißwein macht den größten Prozentsatz der Beurer’schen Weine aus. Sohn Adrian hat frisch seine Ausbildung zum Winzer abgeschlossen. Bevor er an die Uni geht und dort Internationale Weinwirtschaft studieren will, hat er noch einen zusätzlichen Keller in Stetten eingerichtet. „Wir sind stark im Export, wir verkaufen unsere Weine eigentlich überallhin“, erklärt Jochen Beurer.

Mit der nächsten Generation soll diese internationale Ausrichtung noch weiter ausgebaut werden.

Jochen Beurer steht in einem Weinberg mit Spätburgunder. Den baut das Stettener Öko-Weingut für sein „großes Gewächs“, einen besonders guten Wein, an. Gerade ist die Herbste, die Traubenernte, im vollen Gange. Für die Beurers und ihre fleißigen Erntehelfer bedeutet das viel Arbeit: Die Trauben werden ganz genau begutachtet, bevor sie in den roten Kisten landen und dann später in die Presse kommen.

Der Weinbauer zeigt, wonach man schauen muss: Er nimmt eine Traube in die Hand und

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