Kernen

Wie gut ist Kernen auf große Stromausfälle vorbereitet?

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Symbolbild. © Laura Edenberger

Kernen. Bis zu sieben Stunden lang waren Teile Kernens am Montagabend ohne Strom. Zumindest eine Notsituation hatte die Feuerwehr zu entschärfen, als bei der Diakonie Stetten das Stromaggregat nicht ansprang. Der jüngste Blackout wirft die Frage auf: Wie gut ist die Gemeinde auf Stromausfälle vorbereitet, die möglicherweise sogar Tage andauern?

Zufälligerweise nur wenige Tage vor dem stundenlangen Stromausfall in Kernen am Montagabend ist in Winnenden über die Katastrophen-Vorsorge diskutiert worden (wir berichteten). Ein Experte stellte dem dortigen Gemeinderat das Szenario vor: Menschen bleiben in Aufzügen stecken, private Beatmungsgeräte versagen, Festnetztelefone bleiben stumm. Die Stadt hatte eine Firma beauftragt, zu überprüfen, wie gut sie auf einen längeren, womöglich mehrtägigen Stromausfall vorbereitet ist. Die Winnender bleiben dran, prüfen unter anderem die Anschaffung von Stromaggregaten und wollen einen ausführlichen Notfallplan erstellen lassen.

Und in Kernen? Der Stromausfall am Montag hat auch hier die Frage aufgeworfen: Wie gut ist die Gemeinde auf einen größeren Blackout vorbereitet?

Interner Krisenplan für die Verwaltung

Ordnungsamtsleiterin Marianne Rapp beschäftigt sich mit einem solchen Szenario jedenfalls nicht erst seit Montagabend. Sie hat einen internen Krisenplan für die Verwaltung erstellt, der greift, sollte es zum großen Blackout kommen. Das hatten die Gemeinderatsfraktionen von CDU, UFW und SPD bereits in den Haushaltsanträgen für das Jahr 2017 gefordert: „Vorrangig in der Notfallplanung ist die Sicherstellung der eigenen Handlungsfähigkeit unserer Gemeinde“, heißt es darin. Bei einem flächendeckenden Stromausfall sei davon auszugehen, dass alle verfügbaren Ressourcen in ihrem jeweiligen Bereich benötigt würden, sodass die Kommunen mit ihren eigenen Mitteln auskommen müsse.

Wenn nichts mehr geht, wird im Rathaus ein Krisenstab gebildet

Konkret sieht der Plan des Ordnungsamts vor, einen Krisenstab aus Mitgliedern der Verwaltung einzurichten, der sich in vier Bereiche gliedert: Der innere Dienst schafft die Infrastruktur für den Krisenstab, sorgt dafür, dass die Stabsräume mit Strom und Internet versorgt werden und regelt die interne Kommunikation sowie den Austausch mit der Katastrophenschutzbehörde des Landratsamts. Eng mit der Feuerwehr arbeitet der Bereich „Lage und Dokumentation“ zusammen – hier werden der aktuelle Stand der Dinge dokumentiert, Informationen zusammengetragen und ein Einsatztagebuch geführt. Ein weiterer Teil des Krisenstabs, dem natürlich auch Bürgermeister Stefan Altenberger angehört, informiert die Bevölkerung und die Medien. Der Bereich Sicherheit und Ordnung kümmert sich in Zusammenarbeit mit der Polizei um den Verkehr, aber auch um die Evakuierung und Unterbringung der Bevölkerung in den dafür vorgesehenen Gebäuden.

Notunterkünfte in Turnhallen und im Bürgerhaus

Denn sollte der Ernstfall eintreten und die Stromversorgung über Tage ausfallen, würden Notunterkünfte in der Turnhalle der Karl-Mauch- und der Rumold-Realschule sowie im Bürgerhaus eingerichtet. Dafür fehlt es momentan noch an der Infrastruktur – Stichwort: Stromaggregate. Bereits im Frühjahr hatte die Verwaltung nach nichtöffentlicher Beratung im Gemeinderat ein Expertenbüro beauftragt, ein Notstromkonzept für Kernen zu erstellen.

Notstromkonzept kostet 20 000 Euro

Die Planer haben auch die Feuerwehrhäuser und das Rathaus unter die Lupe genommen. Diese dienen im Krisenfall als erste Anlaufstellen für Bürger und dürfen nicht von der Stromversorgung abgeschnitten werden. Rund 20 000 Euro kostet die Erstellung des Notstromkonzepts, von dem sich Bürgermeister Stefan Altenberger ganz konkrete Handlungsanweisungen erhofft und „nicht nur schöne Worte“. Das Gutachten soll dem Gemeinderat Anfang des kommenden Jahres präsentiert werden. Fest stehe, sagt Bürgermeister Altenberger: Die Gemeinde gebe viel Geld aus, um für einen Krisenfall gerüstet zu sein – „der hoffentlich nie eintreten wird“.


Marodes Netz? Netze BW widerspricht

Nach dem Stromausfall am Montagabend hatte die Geschäftsführerin des Remstalwerks, Gabriele Laxander, die EnBW, beziehungsweise den konzerneigenen Netzbetreiber Netze BW kritisiert. Dieser habe nicht ausreichend in das Stromnetz investiert, es sei in keinem guten Zustand. Das Remstalwerk hat das Stromnetz von der EnBW übernommen.

Auf Anfrage wies eine Unternehmenssprecherin der Netze BW diese Vorwürfe zurück: „Wir haben die Netze regelmäßig überprüft, gewartet und gepflegt. Dafür sprechen unsere Ausfallzeiten.“ Ihr Unternehmen habe bei der Netzübergabe alles transparent offengelegt.

Die Situation des Remstalwerks, so die Sprecherin, sei nicht zu vergleichen mit der Situation der Netze BW, die ein viel größeres, überregionales Netz mit größeren Redundanzen betreibt. Das heißt: die EnBW habe bessere Möglichkeiten, den Ausfall einer Leitung zu kompensieren und die Stromversorgung bei einer Störung mithilfe von Umschaltungen im Netz rasch wiederherzustellen.

Am Montagabend war der Strom in Teilen Rommelshausens und Stettens bis zu sieben Stunden lang ausgefallen – weil die Suche nach dem Fehler bis in die Morgenstunden dauerte.