Kernen

Wohngruppe der Diakonie Stetten in Kuchen: Nach drei Jahren haben sich Bewohner gut eingelebt

Philipp Kurfess und Elisa Elmer
Philipp Kurfess (23) ist gerne mit seiner Betreuerin Elisa Elmer und ihren Tieren unterwegs. © Diakonie Stetten

Vor rund drei Jahren hat die Diakonie Stetten in Kuchen im Landkreis Göppingen eine Wohngemeinschaft für Menschen mit Behinderungen eröffnet, die einen hohen Unterstützungsbedarf haben. Jetzt hat die Diakonie in einer Pressemitteilung die Geschichte des 23-jährigen Bewohners Philipp Kurfess erzählt: Dieser wohnt von Anfang an in der Wohngemeinschaft und fühlt sich dort sehr wohl.

Seine Mutter ist froh, dass sich der 23-Jährige dort so gut eingelebt hat. Für sie selbst bedeutet die professionelle Betreuung ihres Sohnes wieder ein Stück mehr Freiheit. „Es vergeht natürlich kein Tag, ohne dass ich an Philipp denke. Aber ich habe das Gefühl, dass es der richtige Weg für ihn ist“, erzählt Simone Kurfess. Die 54-Jährige ist berufstätig und zog ihren Sohn, der Autist ist, alleine groß.

Es wurde Zeit, dass der Sohn auszog 

Philipp Kurfess kann nicht sprechen, er braucht strukturierte, sich wiederholende Tagesabläufe und hat insgesamt einen hohen Unterstützungsbedarf in seinem Alltag. Tagsüber geht er in den Förder- und Betreuungsbereich der Lebenshilfe in Eschenbach. In der kleinen Wohngemeinschaft mit fünf Mitbewohnern kommt der junge Mann gut zurecht. „Der Auszug von Philipp vor drei Jahren war der richtige Zeitpunkt. Es ist einfach nicht mehr gegangen, da Philipp mir gegenüber auch aggressiv wurde. Seither ist nie mehr etwas vorgefallen“, berichtet Simone Kurfess, die ihn zweimal pro Woche anruft und auch regelmäßig besucht. „Wenn ich ihn besuche, merke ich nach einer Weile, dass es ihm dann auch recht ist, wenn ich wieder gehe“, schmunzelt die Mutter.

Elisa Elmer, Mitarbeiterin der Diakonie Stetten, betreut Philipp Kurfess in der Wohngemeinschaft und auch sie empfindet es so, dass der junge Mann sich in seiner neuen Heimat wohlfühlt: „Herr Kurfess verständigt sich mit Mimik und Gestik. Er ist oft im Garten und wir gehen viel mit ihm raus in die Natur, da er einen großen Bewegungsdrang hat“.

Der 23-Jährige liebt Tiere

Die Sozialpädagogin hat mehrere Tiere und nimmt Philipp Kurfess öfter zu ihnen mit. „Er streichelt dann immer das Pferd und man merkt, dass ihm der Kontakt mit Tieren guttut“, sagt die Sozialpädagogin. Auch die Interaktionen mit den anderen Bewohnerinnen und Bewohnern seien mehr geworden. Vor allem am Abend suche Philipp Kurfess regelmäßig die Gemeinschaft mit den anderen und er nehme im Rahmen seiner Möglichkeiten am Gruppenleben teil. So unterstützen die Mitarbeitenden der Diakonie Stetten die Bewohnerinnen und Bewohner beim Kochen, Putzen, Wäschewaschen und den alltäglich im Haushalt anfallenden Aufgaben. „Herr Kurfess geht oft mit zum Einkaufen und er lässt sich allgemein gerne für verschiedene Unternehmungen begeistern“, berichtet Elisa Elmer. Zweimal pro Woche holen ihn die Mitarbeitenden des Sozialen Friedensdienstes der Diakonie Stetten (dsfd) ab und machen mit ihm längere Spaziergänge.

Zwischen den Mitarbeitenden der Diakonie Stetten und Simone Kurfess besteht ein enger Austausch. „Frau Elmer schickt mir regelmäßig Fotos und Videos. Das ist gerade jetzt in der Coronazeit besonders wertvoll für mich“, sagt Simone Kurfess. Für sie war es anfangs nicht leicht, als ihr Sohn ausgezogen war: „Ich habe jahrelang versucht, alles unter einen Hut zu bekommen. Die Betreuung von Philipp und meine Berufstätigkeit. Eigentlich hatte ich mir immer gesagt, dass Philipp bei mir bleibt, bis ich nicht mehr kann. Aber im Nachhinein ist es für uns beide besser so.“ So sei das erste Jahr für sie schwierig gewesen, da sie seinen Tagesablauf völlig verinnerlicht hatte. Daneben habe sie erst einmal wieder lernen müssen, mit der neuen freien Zeit zurechtzukommen.

Auch Elisa Elmer merkt bei ihrem Umgang mit Philipp Kurfess, dass die Wohngemeinschaft für ihn wohl die richtige Entscheidung war: „Aufgrund der kleinen Gruppengröße können wir hier individuell auf die besonderen Bedürfnisse der Bewohner eingehen und der Alltag kann bedarfsgerecht gestaltet werden“.