Kernen

Wohnraum nicht ausreichend: Wo plant Kernen, Ukraine-Flüchtlinge unterzubringen?

Flüchtlingscontainer
Auch in der Vergangenheit wurden Container in Kernen als Flüchtlingsunterkunft genutzt, etwa im Jahr 2020 in der Frauenländerstraße in Stetten. © ALEXANDRA PALMIZI

Der Krieg in der Ukraine dauert an, zahlreiche Menschen – insbesondere Frauen und Kinder – verlassen ihre Heimat und flüchten. Die Folgen des Krieges spürt mit großer Wahrscheinlichkeit inzwischen jeder. Insbesondere die Flucht von mehreren Millionen Menschen stellt Kommunen vor große Herausforderungen – auch die Gemeinde Kernen. Im Weinort leben derzeit etwa 60 Menschen, die in den vergangenen Wochen aus der Ukraine geflüchtet sind. Eine Zahl, die sich kontinuierlich ändert.

Viele private Wohnungen angemietet

Bereits Anfang März startete Bürgermeister Paulowitsch einen Aufruf nach Wohnraum für Ukraine-Flüchtlinge. „Die Gemeinde Kernen hat in den vergangenen Wochen zahlreiche private Wohnungen zur Unterbringung von Geflüchteten anmieten können, wofür diese den Anbietern sehr dankbar ist“, teilt Bürgermeister Benedikt Paulowitsch auf Anfrage unserer Redaktion mit. Fest steht: Diese Wohnungen werden nicht ausreichen, um das zu erwartende Aufnahmesoll für die Jahre 2022 und 2023 zu erfüllen, so der Kernener Rathaus-Chef. Deshalb führe kein Weg daran vorbei, zusätzlichen Wohnraum in Kernen zu schaffen.

Paulowitsch: Unterbringung in Sporthallen schlechteste Lösung

Während vielerorts Flüchtlinge in Sporthallen einquartiert werden, kommt diese Art der Unterbringung für die Gemeinde Kernen nicht infrage. Aus der Sicht von Bürgermeister Paulowitsch sei es die „schlechteste Unterbringungssituation“, die zudem „erhebliche Auswirkungen auf den Schul- und Vereinsbetrieb hätte“ und folglich dem Allgemeinwohl schaden würde.

Vielmehr hält die Gemeinde an der Option fest, „neben einem modernen Modulbau in integrierter Lage in Rommelshausen zusätzlich eine Containeranlage durch den Landkreis zu erhalten“. Die Containeranlage könnte sowohl als Gemeinschaftsunterbringung als auch als Anschlussunterbringung genutzt werden, so die Gemeindeverwaltung.

Grundstück an der Max-Eyth-Straße eignet sich am ehesten

Hierfür hat Kernen alle eigenen Grundstücke hinsichtlich deren Eignung unter die Lupe genommen und sie untersucht. „Tatsächlich ist das Grundstück an der Max-Eyth-Straße am ehesten geeignet für die Anlage mit bis zu 100 Plätzen“, so der Bürgermeister. Die Prüfungen und Überlegungen stünden noch relativ am Anfang.

Dennoch habe die Verwaltung im Sinne der Transparenz die unmittelbaren Nachbarn sowie jene Anwohner informiert, die zwar mehr als hundert Meter entfernt wohnen, jedoch vom Fenster oder Balkon aus auf das Areal blicken, so die Gemeinde. Dies sei aus ihrer Sicht auch deshalb erforderlich gewesen, um mögliche Gerüchte und falsche Informationsverbreitungen zu unterbinden. Die Baurechtsbehörde des Landratsamts werde im Rahmen der Untersuchungen auf der Fläche noch alle relevanten Aspekte prüfen, auch zu Umweltthemen, so die Gemeinde.

Es bleibt dabei, dass eine solche Anlage niemals eine wirklich gute Lösung darstellen kann, findet der Bürgermeister, insbesondere mit Blick auf Menschen, die wegen Krieg und Leid ihre Heimat verlassen mussten. Doch eine Neubebauung ohne Belastungen von einzelnen Nachbarn oder der Umwelt könne es nicht geben. Es sei ebenfalls keine Option, Geflüchtete in schwer zugänglichen Randgebieten anzusiedeln. „Angesichts der Alternativen sowie der Lage der Geflüchteten und der Gemeinde ist eine solche Anlage auf dem benannten Grundstück nach aktuellem Stand die beste verfügbare Option oder anders ausgedrückt: die am wenigsten schlechte“, findet der Bürgermeister.

Auch was die Versiegelung von Gemeindegrundstücken angehe, sei weder die Verwaltung noch der Gemeinderat darüber erfreut. Der Wohnraumbedarf durch die Aufnahmeverpflichtungen sei jedoch ohne neue Gebäude nicht zu decken. Auch existieren in Kernen nicht bereits versiegelte Grundstücke, die verfügbar und für die Anlage geeignet wären, so die Gemeinde.

Auch unterstreicht die Gemeinde, dass die Container keine endgültige Flächenversiegelung bedeuteten. Der Abbau der Anlage zu einem späteren Zeitpunkt würde die Flächen in Zukunft wieder nutzbar machen.

Nach welchem Prinzip werden Flüchtlinge in Deutschland verteilt?

Auf die Frage, wie Geflüchtete in Deutschland verteilt werden, teilt die Gemeinde Kernen mit, dass die Menschen nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel verteilt werden. Dabei würden die Einwohnerzahl und die Wirtschaftskraft berücksichtigt. „Auch unsere Gemeinde ist zur Aufnahme von Menschen verpflichtet – rechtlich, aber auch moralisch. Je 250 000 Flüchtlinge, die in Deutschland verteilt werden, muss unsere Gemeinde knapp 50 Menschen aufnehmen.“ Bei potenziell einer Million Menschen, die realistischerweise nach Deutschland kommen könnten, so die Gemeindeverwaltung, macht dies fast 200 Personen, die unterzubringen sind. Hinzu kämen jährlich weitere Geflüchtete aus anderen Regionen, die ebenfalls aufzunehmen sind. „Es geht hierbei um die Solidarität mit den geflüchteten Menschen, aber auch um die Solidarität innerhalb unseres Landes sowie des Landkreises bei der gleichmäßigen und fairen Verteilung von Flüchtlingen.“

Der Krieg in der Ukraine dauert an, zahlreiche Menschen – insbesondere Frauen und Kinder – verlassen ihre Heimat und flüchten. Die Folgen des Krieges spürt mit großer Wahrscheinlichkeit inzwischen jeder. Insbesondere die Flucht von mehreren Millionen Menschen stellt Kommunen vor große Herausforderungen – auch die Gemeinde Kernen. Im Weinort leben derzeit etwa 60 Menschen, die in den vergangenen Wochen aus der Ukraine geflüchtet sind. Eine Zahl, die sich kontinuierlich

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