Kernen

Zwei Brüder aus Kernen und Fellbach wegen mehrfacher Körperverletzung verurteilt

Schlägerei
Mehrfach sind die Brüder gewalttätig geworden – wonach beide zu Bewährungsstrafen verurteilt wurden. © ALEXANDRA PALMIZI

Zwei Brüder, beide in Syrien geboren und großteils aufgewachsen, wurden vom Amtsgericht Waiblingen jeweils zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt, weil sie sich mehrfach handgreiflich gegenüber Dritten gezeigt haben, einmal sind sie dabei auch gemeinsam auf eine Person losgegangen. Zudem müssen beide mehrere Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Für die Verlesung der Anklageschrift benötigte die Staatsanwaltschaft mehr als zehn Minuten. Der Ältere der beiden, der 22 Jahre alt ist, soll im Januar einem Dritten mit einer vollen Getränkedose in Fellbach unweit einer Eisdiele gegen den Kopf geschlagen haben. Etwas später traf er erneut auf den Geschädigten zusammen mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder unweit des Alten Friedhofs in Fellbach. Zunächst schlug der 22-Jährige dem Geschädigten mit der Faust ins Gesicht. Als der Geschädigte am Boden lag, schlug er zusammen mit seinem 20-jährigen Bruder erneut auf ihn ein. Außerdem soll der 22-Jährige zu ihm gesagt haben, dass sie das nächste Mal ein Messer einsetzen wollten, und machte eine eindeutige Handbewegung am Hals.

Ex-Freundin ins Gesicht geschlagen

Der 20-jährige Bruder hat sich laut Anklageschrift deutlich häufiger aggressiv gezeigt. Einer damaligen Freundin hatte er ins Gesicht geschlagen und sie als „Hure“ beschimpft, nachdem sie ihm gesagt hat, dass sie mit seinem Freund zusammen sei. Einige Minuten später soll er sie außerhalb der Wohnung, wo sie sich getroffen hatten, erneut ins Gesicht geschlagen haben. Ein paar Tage später ging der Angeklagte erneut auf einen Geschädigten los, schlug mit Fäusten auf ihn, wobei er ihn unter anderem am Kopf und am Rücken traf.

Im Mai 2021 postete er auf Instagram in der Story ein Foto, auf dem eine antisemitische Äußerung zu lesen war. Ein Polizist, der wegen der Körperverletzung gegen den Angeklagten ermittelte, entdeckte das Foto und brachte es zur Anzeige. Das Bild war 24 Stunden lang für alle Nutzer sichtbar. Daraufhin filmte der Angeklagte den Brief mit dem Hinweis der Straftat ab, so dass der Name des Polizisten zu lesen war, und postete dies erneut in seiner Story auf Instagram. Dazu beleidigte er den Polizisten in einem Textfeld. Auch diese Nachricht war öffentlich für alle Nutzer lesbar. Der Angeklagte wohnt bei seinen Eltern in Kernen. Nach einem Durchsuchungsbeschluss fand man ein sogenanntes Butterfly-Messer, das als Waffe gilt und dessen Besitz deshalb nicht erlaubt ist.

In Syrien den Bürgerkrieg erlebt und geflohen

Die Brüder sind 2016 mit ihren Eltern und ihrer Schwester aus Syrien vor dem Bürgerkrieg geflohen. 27 Tage lang seien sie auf der Flucht gewesen. Die Zustände in ihrem Heimatland seien schlimm gewesen. „Als Kinder haben wir mit Granaten gespielt, weil wir nicht wussten, wie gefährlich das ist“, erinnert sich der 20-Jährige. Zunächst seien sie auch dort zur Schule gegangen, bis diese durch eine Bombe zerstört worden sei. Sein älterer Bruder machte dort noch einen Realschulabschluss. In Deutschland fasste die Familie Fuß. Sie fand eine Wohnung in Kernen. Da die Wohnung etwas klein sei, zog der 22 Jahre alte Angeklagte in ein WG-Zimmer nach Fellbach.

Beide Brüder besuchten von Anfang an eine Schule, als sie nach Deutschland kamen, der Ältere hat inzwischen den Hauptschulabschluss in der Tasche, der Jüngere strebt ihn an, wobei das nicht der erste Anlauf ist, wie sich vor Gericht herausstellt. Auch einen Ausbildungsvertrag hatte er bereits in der Tasche, den er aber nach Unstimmigkeiten mit dem Chef absagte. Mittlerweile hat er seine Erfüllung im Theater gefunden. Er spielt aktiv in einer Gruppe mit und kann sich vorstellen, das einmal beruflich zu machen. Der Ältere möchte im Herbst eine Ausbildung beginnen, die ihm bereits in einer Firma in Stuttgart in Aussicht gestellt wurde. Aktuell hilft er in einer Corona-Teststation aus.

Beide Brüder mit Vorstrafen

Da für den 20-Jährigen noch das Jugendstrafrecht gilt, war auch die Jugendgerichtshilfe anwesend. Sie sprach sich für eine „gute Prognose“ aus, auch wenn man den Angeklagten als jemanden kennengelernt habe, der unter Strom stehe und auf Kritik aggressiv reagiere. An seiner Aggression müsse er dringend arbeiten, lautete das Credo. Zumal er nicht zum ersten Mal straffällig ist. Bereits im Juni 2021 war er zu einer Jugend-Bewährungsstrafe wegen Raub, Nötigung und Körperverletzung verurteilt worden. Sein Bruder soll mit Betäubungsmitteln gehandelt haben, wonach er damals eine Geldstrafe erhielt.

Wären die Brüder nicht geständig gewesen, hätte das Verfahren nicht so schnell abgeschlossen werden können, waren sich alle Beteiligten im Sitzungssaal einig. Denn zwei geladene Zeugen waren zur Verhandlung nicht erschienen, wonach sie ein Ordnungsgeld von jeweils 150 Euro bezahlen müssen. Ein dritter Zeuge ist unauffindbar.

Am Ende wurde der 22-Jährige zu einer Bewährungsstrafe von elf Monaten unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt, außerdem muss er 40 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Sein jüngerer Bruder, für den noch das Jugendstrafrecht gilt, erhielt eine Gesamtbewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten unter anderem wegen mehrfacher Körperverletzung. Er muss 60 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Für den 20-Jährigen ist es die letzte Chance, wie Richter Luippold ihm verdeutlichte. Zettelt er nochmals eine Schlägerei an, müsse er damit rechnen, dass er in Haft käme. „Die Bewährungsstrafe heute war kein Selbstläufer“, betonte er.

Zwei Brüder, beide in Syrien geboren und großteils aufgewachsen, wurden vom Amtsgericht Waiblingen jeweils zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt, weil sie sich mehrfach handgreiflich gegenüber Dritten gezeigt haben, einmal sind sie dabei auch gemeinsam auf eine Person losgegangen. Zudem müssen beide mehrere Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Für die Verlesung der Anklageschrift benötigte die Staatsanwaltschaft mehr als zehn Minuten. Der Ältere der beiden, der 22 Jahre

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