Korb

Bürgermeisterkandidat Manfred Heinrich stellt sich vor

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Bürgermeisterkandidat Manfred Heinrich vor den Häusern in der Korber Lindenstraße, bei denen er sich einen Drogeriemarkt vorstellen kann. Es sei falsch gewesen, die Verhandlungen mit den Eigentümern an die STEG zu delegieren, kritisiert er. © Schechinger / ZVW

Korb. Manfred Heinrich will da rein – ins Korber Rathaus. 17 Jahre saß der Fernsehtechnikermeister für die CDU im Gemeinderat. Er fiel als Querdenker auf, der das teure Bauprojekt Grundschule Urbanstraße als Fehlinvestition geißelte, lieber in der Brucknerstraße bauen würde, ohne den Standort Urbanstraße preiszugeben. Auch die Planung zum Dorfhaus Kleinheppach hält der Kommunalpolitiker für falsch. Sein Credo: „Ich fühle mich Korb verpflichtet.“

Im Video: Der Bürgermeisterkandidat für Korb Manfred Heinrich stellt sich vor.

Er sei nicht Querdenker, sondern Vordenker, sagt der 65-Jährige. Gegen den Mainstream im Gemeinderat musste der CDU-Mann mit seinen unkonventionellen Ideen aber wiederholt klein beigeben, da stand er quer. Zu viel habe der Korber Gemeinderat in den vergangenen Jahren abgesegnet, weil er nicht im Bilde war, beklagt Manfred Heinrich jetzt, der mittlerweile auch sein CDU-Parteibuch zurückgab.

„Postfaktische“ Kultur des Entscheidens

So würden in Korb das Gemeindehaus, die Feuerwehr, der Bauhof teuer saniert und zum Schluss noch angestrichen, ohne die Dachdämmung zu reparieren und die unisolierten Fenster auszutauschen. „Mietminderung!“, ärgert sich Heinrich. „Das alles hat der Gemeinderat beschlossen, weil er unzureichend und falsch informiert war.“ Diese nicht an den Gegebenheiten orientierte, für Heinrich daher „postfaktische“ Kultur des Entscheidens will er als Schultes beenden.

Ein weiteres Beispiel für mangelnde Faktenkenntnis sieht er im aktuellen Sanierungs- und Bauprojekt Grundschule Urbanstraße, dessen kalkulierte Kosten jetzt bei 8,6 Millionen liegen. Tendenz steigend. Es sei die „größte Fehlinvestition“ der Gemeinde Korb, wettert der Bewerber um den Korber Bürgermeisterstuhl.

Friedrich Zimmerle, Heinrichs früherer Fraktionschef, malte jüngst im Gemeinderat das Schreckgespenst „zehn Millionen“ an die Wand. „Die Sanierung der Urbanschule mit Anbau ist eine Übergangslösung, eine Notlösung aus Sparsamkeitsgründen und nicht zukunftsfähig“, behauptet Heinrich, der schon als Gemeinderat das Gremium zur Umkehr aufrief. „Die Sanierung wurde postfaktisch entschieden, auf falschen Annahmen basierend und ohne Weitblick.“

Manfred Heinrich setzt nicht auf den Schulcampus

Sein Gegenmodell heißt nicht Schulcampus. Er will keine komplette Zusammenfassung von Primar- und Sekundarstufe der Korber Gemeinschaftsschule an einem Standort. Manfred Heinrich plädiert für einen Neubau an der früheren Keplerschule für neun Klassenzimmer, so dass die Grundschule dort zweizügig gefahren werden kann.

Die „Urbanschule“ bliebe mit diesem Konzept als „heimelige Schule für 150 Kinder“ erhalten, wobei die Fenster sofort, Dach und Südfassade erst ab 2019 nach Fertigstellung des Neubaus Brucknerstraße gerichtet werden könnten.

„Eine billigere Mensa wie die da draußen gibt’s nicht“

„Die dann 450 Schüler in der Brucknerstraße hätten dort drei Sportplätze, drei Sporthallen und das Hallenbad zur Verfügung und könnten somit sehr günstig als Sportschule anerkannt werden“, glaubt der 65-Jährige. Auch die teure Mensa in der Urbanstraße erübrigte sich mit dem Schulneubau.

Durch Einbeziehung der Sauna als Küche und durch den Anschluss des Eingangsbereichs an die bestehende Mensa in der Remstalhalle ließe sich die dortige Kapazität deutlich erhöhen. „Eine billigere Mensa wie die da draußen gibt’s nicht“, appelliert Manfred Heinrich. „Die kostet zwei Millionen in der Urbanschule und wir hätten dort außerdem noch jährliche Zusatzkosten für den Pächter.“


Der Korber ist fest überzeugt, dass er den Gemeinderat für das Kostenargument gewinnen kann. Vor allem jetzt, wo die aktuelle Hochrechnung für den Standort Urbanschule den früheren Ratskollegen kräftig auf den Magen schlug. „Das Land unterstützt Kommunen bei Schulneubauten“, schüttelt Heinrich ein altes Argument aus dem Ärmel, „ein Drittel der Kosten übernimmt es. Man muss nur glaubhaft machen, dass man den Bau braucht. Dann wären das nur noch vier Millionen bei neun Schulräumen.“ Mit Vorteilen für die Übergangsquote Grundschule/Sekundarstufe II.

"Ein weiteres finanzielles Pro-Argument"

„Wir hätten eine Entlastung in der Urbanschule, und die Übergangsrate von der Primarstufe zur Sekundarstufe würde steigen, wenn die Grundschüler dort draußen sind“, rechnet Heinrich vor. Das sei ein weiteres finanzielles Pro-Argument. Jeder Schüler, der nicht eine weiterführende Schule in Waiblingen besuche, spare der Gemeinde Geld: 890 Euro an Investitionskosten, die Korb pro Schüler an die Große Kreisstadt Waiblingen jährlich abführt.

Auf Heinrichs Investitionsplan für seine acht Jahre als Korber Rathauschef steht ganz oben die Hallenbadsanierung, die 3,5 Millionen Euro kosten soll. 2018 folgt für ihn der Grundschulneubau in der Brucknerstraße, 2019 das Dorfhaus Kleinheppach. Auch bei diesem Projekt hält der Kleinheppacher Ortschaftsrat die aktuelle Planung für „verrückt“, für verfehlt. Die Verkleinerung der Flächen im Anschluss an die Ausschreibung habe dazu geführt, „dass weder das Museum noch die Wohnungen den geforderten Ansprüchen genügen“.

Baukosten fürs Dorfhaus seien viel zu hoch

Die Baukosten fürs Dorfhaus seien für das Gebotene viel zu hoch, beklagt der Ex-Gemeinderat. Der Plan müsse radikal verändert werden. Von den ursprünglich geforderten 400 Quadratmetern Museumsfläche seien noch 226 übrig. Der Verzicht auf Fenster zur Straße, auf allen Etagen, verstärke das Risiko, dass die Kreisbau auf Wohnungen sitzenbleibt. „Wenn die Kreisbau ihre elf Wohnungen nicht verkauft, wird das Dorfhaus nicht gebaut.“ Teil der „irren“ Fehlplanung: die Dachterrasse. „Bei schweren Regengüssen läuft das Wasser in die Treppenhäuser hinein. Das wird keine Versicherung übernehmen.“

Der bekennende Quer- und Vordenker Manfred Heinrich würde einiges anders machen, säße er im Rathaus auf dem Chefsessel. „Die Verwaltung verschwendet Geld an vielen Stellen“, schimpft er. „Das E-Auto Kangoo wurde viel zu teuer eingekauft mit Einparkhilfe und Zusatzheizung. Das kostete 24 000 Euro plus 900 Euro Batteriemiete pro Jahr.“

„Die Römerstraße befindet sich in einem vergleichsweise sehr guten Zustand“

Der Kandidat hält auch die Sanierung der Römerstraße in diesem Jahr für falsch. Es sollte abgewartet werden, bis eine Planung für das dortige Neubaugebiet vorliegt. Dann könnten die für Wasser und Abwasser notwendigen Rohre nämlich gleich mitverlegt werden, was die Gemeinde finanziell günstiger käme. „Die Römerstraße befindet sich in einem vergleichsweise sehr guten Zustand“, sagt Heinrich. „Trotzdem wird aufgerissen.“

Jedes Jahr müsse in Korb eine Straße saniert werden, weil der Bauamtsleiter sonst nicht ausgelastet sei, frotzelt der alte kommunalpolitische Hase, der gerne „da rein möchte“, um Chef zu werden.

Zur Person

Manfred Heinrich ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Geboren und aufgewachsen ist der 65-Jährige in Korb.

Als Fernsehtechnikermeister hat er sich 1981 selbstständig gemacht.


ZVW-Podiumsdiskussion am 9. März

Die Waiblinger Kreiszeitung lädt für Donnerstag, 9. März, zu einer Wahlveranstaltung mit den drei Korber Bürgermeisterkandidaten Jochen Müller, Manfred Heinrich und Frank Riegler ein.

Die Podiumsdiskussion beginnt um 20 Uhr in der Remstalhalle.

Jeweils im Anschluss an die Fragerunden zu bestimmten Themen, die der Redakteur Hajo Schechinger mit den Bewerbern führt, dürfen und sollen unsere Gäste ihre Fragen stellen.