Korb

Das gelbe Gift: Reiter aus Korb rufen zur Bekämpfung des Jakobskreuzkrautes auf

Jakobskreuzkraut
Die Kleinheppacher Pferdebesitzerinnen Isabell Utz (links) und Solveig Birg (rechts). © Gabriel Habermann

Der Aktivstall Illg liegt idyllisch am Ortsrand von Kleinheppach am Fuß der Weinberge. Rund ein Dutzend Pferde in einer kleinen Herde döst hier entspannt in der Sonne – die Tiere haben hier viel Platz, der Stall ist außerdem von großen Koppeln umgeben.

Diese machen den Stallbesitzern und Einstellern aber seit einigen Jahren ziemlich viel Arbeit. Sie kämpfen gegen die Ausbreitung des Jakobskreuzkrautes an, das sehr giftig ist und sich auch im Rems-Murr-Kreis immer stärker ausbreitet.

Ungepflegte Koppeln sind anfällig für eine Ausbreitung

Auf den Koppeln habe die Stallgemeinschaft das Problem ganz gut im Griff, sagt Pferdebesitzerin Solveig Birg: „Unsere Stallchefin ist da sehr dahinter her.“ Sie entferne die Pflanze, sobald sie eine finde, und spreche auch Nachbarn an, wenn sie auf deren Wiesen das giftige Kraut sehe. In der Stallgemeinschaft gebe es regelmäßig richtige Ausstechaktionen, um der tiefwurzelnden Pflanze beizukommen.

Auch prophylaktisch versuchen die Reiter, gegen die Ausbreitung vorzugehen. Das Jakobskreuzkraut wächst nämlich überall dort besonders gut, wo auf dem Erdboden durch Trockenheit oder Überweidung Kahlstellen entstehen. Besonders stark verbreitet sich die Pflanze außerdem, wenn die Blüten bis zur Samenbildung ungestört stehenbleibt – weil Weidetiere sie zum Beispiel nicht fressen – und sich die Samen über den Wind verteilen. „Weidepflege muss schon auch sein“, sagt Isabell Utz.

Auch sie hat ihr Pferd in Kleinheppach eingestellt. Im Stall würden sie deshalb sehr darauf achten, die Flächen nicht überzubeanspruchen, sondern regelmäßig abzuwechseln. „Kahlstellen werden nachgesät“, so die Reiterin.

Reiterinnen wollen für die Problematik sensibilisieren

Trotzdem sehen die beiden zurzeit das Kraut einfach überall sprießen. Und sie hätten es durchaus auch schon erlebt, dass sich Grundstücksbesitzer überhaupt nicht dafür interessieren, dass ihr Stückle vollsteht mit der Pflanze – und sie dadurch die Ausbreitung auf benachbarten Wiesen und Grünstreifen befeuern. Deshalb wollen die beiden Reiterinnen für das Thema sensibilisieren – und die Menschen in der Region dazu aufrufen, „Mitverantwortung zu übernehmen für andere.“

Denn die Pflanze ist nicht nur für Tiere gefährlich, sondern kann auch beim Menschen schwere allergische Reaktionen auslösen, wenn sie ohne Handschuhe angefasst wird. „Wenn zum Beispiel Kinder einen Strauß pflücken.“

Bekannte berichten von Vergiftungserscheinungen

Isabell Utz und Solveig Birg haben ihre Pferde schon seit der Eröffnung des Stalls in Kleinheppach eingestellt. Für sie war es damals ein Ankommen, nachdem in früheren Ställen immer irgendetwas nicht gepasst hatte. Bevor sie mit ihrem Pferd nach Kleinheppach kam, hat Solveig Birg auch mit giftigen Pflanzen schon schlechte Erfahrungen gemacht: Ihr Pferd vergiftete sich an Herbstzeitlosen, die im Heu enthalten waren.

Seine Leberwerte seien wirklich schlecht gewesen. Es habe nur knapp überlebt. Vergiftungen mit Jakobskreuzkraut haben die Reiterinnen hier im Kreis noch nicht miterlebt. Sie kennen aber Pferdebesitzer aus anderen Teilen Deutschlands, die davon berichtet haben.

Gift des Jakobskreuzkrauts reichert sich in der Leber an

Herbstzeitlose und Jakobskreuzkraut sind bei Haltern von Kühen und Pferden vor allem deshalb so gefürchtet, weil die Pflanzen auch in der Silage oder getrocknet im Heu giftig bleiben und die Tiere da kaum mehr die Chance haben, die Giftpflanzen zu erkennen und auszusortieren. Sie werden mitgefressen, was im frischen Zustand nur selten passiert. Das Gift der Herbstzeitlosen baut sich mit der Zeit im Körper wieder ab. Das aus verschiedenen Pyrrolizidinalkaloiden bestehende Gift des Jakobskreuzkrautes nicht.

„Die Giftstoffe reichern sich in der Leber langsam an und führen dann zu den chronischen Krankheitsprozessen“, schreibt die Landwirtschaftskammer über die Pflanze. „Die Gefahr ist erheblich, wenn man sich vor Augen führt, dass ein einzelner ausgewachsener Trieb im Mittel etwa 70 Gramm wiegt.“ 15 Triebe wiegen demnach zusammen bereits etwa ein Kilo. „Wird einer 700 Kilogramm schweren Kuh diese Menge einhundertmal angeboten, ist bereits die tödliche Dosis erreicht.“ Ähnlich sieht es bei Pferden aus.

Landratsamt Rems-Murr kennt die Problematik 

„Die Pflanze ist giftig in allen Bestandteilen“, bestätigt Alexandra Bäuerle, zuständig für Beratung zum Pflanzenbau und Pflanzenschutz beim Landwirtschaftsamt Rems-Murr. Das Amt setze sich bereits seit mehreren Jahren und gerade auch wieder ganz aktuell mit dem Thema Jakobskreuzkraut und der zunehmenden Ausbreitung der Pflanze auseinander.

„Man sieht die Zunahme in den letzten Jahren“, sagt Alexandra Bäuerle. Erst am vergangenen Montag hat demnach ein Termin mit der Straßenmeisterei und dem Naturschutz stattgefunden, bei dem besprochen wurde, wie man den Wildwuchs des giftigen Krautes im Rems-Murr-Kreis eindämmen kann.

Über Samenmischungen an die Straßenböschungen

Dabei gehe es selbstverständlich nicht darum, die Pflanze auszurotten. Immerhin ist das Jakobskreuzkraut eine einheimische Pflanze – auch wenn seine zunehmende Ausbreitung auf eine invasive Art schließen lassen würde. Diese wurde laut Landwirtschaftsamt aber auch dadurch befeuert, dass in den Samenmischungen für die Straßenböschungen mehrere Jahre lang wohl unabsichtlich Samen der Giftpflanze enthalten gewesen seien. Erst seit kurzem werde darauf speziell geachtet.

Das Jakobskreuzkraut lässt sich gar nicht so leicht zurückdrängen, hat es sich einmal ausgesät. So helfe es zwar, betroffene Wiesen während der Blüte zu mähen. Doch dürfe das Heu dann auf keinen Fall liegenbleiben, erklärt Alexandra Bäuerle. Sonst komme es zu einer Notreife und die Samen verbreiten sich durch den Wind. Bis zu 100 Meter könnten die Samen etwa fliegen, so Bäuerle. „Unter 50 Metern ist es eine große Gefahr.“

Immer Handschuhe tragen

Deshalb empfiehlt sie: Wer Jakobskreuzkraut auf seinem Grundstück findet, solle dieses ausstechen und dabei unbedingt Handschuhe tragen: „Lieber eines mehr als eines weniger ausreißen.“ Die ausgestochenen Pflanzen sollten dann am besten auch nicht auf dem Kompost landen – sonst geht der Ärger von vorne los.

Der Aktivstall Illg liegt idyllisch am Ortsrand von Kleinheppach am Fuß der Weinberge. Rund ein Dutzend Pferde in einer kleinen Herde döst hier entspannt in der Sonne – die Tiere haben hier viel Platz, der Stall ist außerdem von großen Koppeln umgeben.

Diese machen den Stallbesitzern und Einstellern aber seit einigen Jahren ziemlich viel Arbeit. Sie kämpfen gegen die Ausbreitung des Jakobskreuzkrautes an, das sehr giftig ist und sich auch im Rems-Murr-Kreis immer stärker

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