Korb

Die Fahrschule "A.B.-Company" aus Korb setzt wegen Corona auf Online-Unterricht

Fahrschule  AB Company
Die Fahrschulbetreiber Stefan Ade (links) und Gerd Baumholzer vor der Filiale in Korb. © Benjamin Büttner

Seit dem 1. März dürfen Fahrschulen wieder praktische Fahrstunden anbieten. Für die Fahrlehrer, die rund sieben Wochen lang die Autos stehen lassen mussten, bedeutet das wenigstens ein Stückchen Normalität. Stefan Ade und Gerd Baumholzer betreiben die Fahrschule „A.B.-Company“, die in Korb, Kernen und Waiblingen mehrere Filialen hat. Sie haben in mehreren Jahrzehnten im Beruf schon so einiges erlebt – durch Corona seien auch Verbesserungen entstanden, finden die Fahrlehrer.

Seit Beginn der Corona-Pandemie standen die Autos in den Fahrschulen immer wieder still: Insgesamt etwa sechs Monate Ausfall hätte seine Fahrschule zu beklagen, rechnet Gerd Baumholzer vor. Zeitweise seien die Fahrlehrer zu 100 Prozent in Kurzarbeit gewesen. „Aber Fahrlehrer sind Arbeitstiere“, fügt Stefan Ade hinzu. Bis zum Beginn des zweiten Lockdowns im November hätten er und seine Kollegen das meiste wieder aufgeholt gehabt. Dann ging wieder für sieben Wochen nichts.

Corona-Regeln sind Routine geworden

„Jetzt sind wir einfach froh, dass wir wieder unterrichten dürfen“, sagt Ade. Zwar sind die Abläufe durch die Hygiene-Regeln komplizierter geworden: Regelmäßig müssen die Fenster aufgemacht werden zum Lüften, die Fahrlehrer müssen zwischen den verschiedenen Fahrschülern das ganze Auto desinfizieren, es darf kein zweiter Schüler mehr mitfahren und sich zum Beispiel nach Hause bringen lassen, wie das sonst gang und gäbe war. „Aber das ist längst Routine“, sagt der Fahrlehrer.

Das Masketragen beim Fahren sei zwar für die Schüler und die Lehrer anstrengend, aber es klappe erstaunlich gut: „Ich habe noch keinen einzigen Fahrschüler gehabt, der seine Maske vergessen hätte.“ Dem kann sein Geschäftspartner zustimmen: „Die sind da wirklich sehr diszipliniert.“

Theorieunterricht: Teilnahme wird kontrolliert

Auch der Theorieunterricht laufe super. Dieser findet schon länger ausschließlich online statt. „Wir haben da höhere Anforderungen als in der Schule“, erklärt Stefan Ade. Die Teilnehmer sind dazu verpflichtet, jederzeit ihre Kamera anzuhaben, die Anwesenheit wird am Anfang und am Ende kontrolliert. Durch Zwischenfragen an einzelne Schüler soll sichergestellt werden, dass auch immer alle dabei sind. Schließlich ist die Teilnahme an diesen Stunden verpflichtend.

Die acht Fahrlehrer der „A.B.-Company“ wechseln sich ab im Unterrichten, während der Online-Kurse sitzen sie dabei vor gleich drei Bildschirmen: Auf einem läuft die Video-Konferenz, auf einem zweiten das Lernprogramm und ein dritter Bildschirm hat eine Whiteboard-Funktion, ersetzt also die Tafel. Bei den Schülern komme dieses Format richtig gut an, berichten die beiden Fahrlehrer. Die Anfahrtszeiten fallen weg, dafür kann online eine zusätzliche Unterrichtseinheit drangehängt werden, die Fahrschüler haben so schneller den Theorieteil abgeschlossen – manchmal schon nach einer Woche.

Außerdem falle oft auf, dass Schüler, die im Präsenzunterricht eher zurückhaltend seien, sich online besser beteiligten, erzählen Ade und Baumholzer. Klar, der menschliche Aspekt fehle ein wenig. Trotzdem glauben beide Lehrer, dass der Online-Theorieunterricht auch noch nach Corona fortgeführt wird – und dass das auch richtig so und zeitgemäß ist.

Mehr Motorrad-Führerscheine wegen Corona?

Noch eine andere Entwicklung sei durch Corona befeuert worden: „Die Motorrad-Ausbildung hat eine regelrechte Renaissance erlebt“, sagt Gerd Baumholzer. Motorrad-Fahrstunden waren nämlich auch während des Lockdowns möglich, da Fahrschüler und -lehrer hierbei ja genügend Distanz einhalten. Viele Menschen haben im Corona-Jahr Geld gespart, weil sie zum Beispiel keinen Sommerurlaub gebucht haben, glaubt Stefan Ade. Dieses Geld fließt jetzt in neue Möbel, ein neues E-Bike – oder eben in ein Motorrad.

Wer jetzt einen Motorrad-Führerschein machen will, muss aber auch gleich die volle Ausrüstung selbst kaufen. Das war vor Corona anders. „Früher hatten wir hier in der Garage so um die acht Helme, viele Paar Handschuhe und Schuhe“, sagt Stefan Ade. Die hat die Fahrschule den Motorrad-Schüler zur Verfügung gestellt. „Das ist jetzt natürlich strengstens verboten.“

Nicht alles in der Corona-Verordnung ist für sie logisch

Doch so sehr sich die beiden auch freuen, dass bei ihnen in der Fahrschule der Betrieb wieder angelaufen ist: Die ständige Unsicherheit macht ihnen zu schaffen. „Jede Woche kommen neue Regelungen“, beklagt Gerd Baumholzer. Und nicht jeder Punkt der Corona-Verordnung sei logisch nachvollziehbar. Wieso zum Beispiel dürfen Nachschulungen oder Seminare zum Punkte-Abbau noch nicht wieder stattfinden?, fragt sich Stefan Ade.

Auch auf anderer Ebene hakt es wegen Corona: Wer einen Führerschein machen will, muss dafür einen Antrag bei der Führerscheinstelle im Landratsamt stellen. Eigentlich keine große Sache. „Die Bearbeitungszeit liegt im Moment aber bei drei bis vier Monaten“, berichtet Ade. Wegen Corona sei das Landratsamt im Moment einfach heillos überfordert. Alles dauere länger als sonst.

Wann dürfen Fahrlehrer sich impfen lassen?

Gerd Baumholzer würde außerdem gerne wissen, wann er sich impfen lassen darf. Er sei schließlich über sechzig und habe im Auto regelmäßig wenig Distanz zu seinen Schülern – weniger, als in einem herkömmlichen Klassenzimmer. Trotzdem sind Fahrlehrer im Moment noch nicht impfberechtigt. Das ärgert Gerd Baumholzer: „Ich bin doch auch Lehrer.“

Bis jetzt gab es bei ihnen in der Fahrschule noch keine Ansteckungen mit Corona, darauf sind die beiden Betreiber sehr stolz. „Wir halten uns strikt an die Regeln, desinfizieren und tragen Maske!“, betont Stefan Ade. „Wir sind froh, dass wir wieder arbeiten dürfen.“

Die Fahrlehrer hoffen, dass es keinen dritten Lockdown geben wird. Nach diesem würden viele Fahrschulen nämlich nie wieder öffnen, befürchtet Stefan Ade.

Seit dem 1. März dürfen Fahrschulen wieder praktische Fahrstunden anbieten. Für die Fahrlehrer, die rund sieben Wochen lang die Autos stehen lassen mussten, bedeutet das wenigstens ein Stückchen Normalität. Stefan Ade und Gerd Baumholzer betreiben die Fahrschule „A.B.-Company“, die in Korb, Kernen und Waiblingen mehrere Filialen hat. Sie haben in mehreren Jahrzehnten im Beruf schon so einiges erlebt – durch Corona seien auch Verbesserungen entstanden, finden die Fahrlehrer.

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