Korb

Ein Jahr nach schwerer Corona-Erkrankung: Wie geht es Hausarzt Dr. Issa Garfami heute?

Dr. Issa Garfami
Dr. Issa Garfami spürt bis heute die Folgen seiner Corona-Infektion. © ALEXANDRA PALMIZI

„Ich lag letztes Jahr zu dieser Zeit im Krankenhaus“, sagt Dr. Issa Garfami. Der Facharzt für Allgemeinmedizin mit Schwerpunkt Akupunktur und Schmerztherapie hatte sich im März 2020 mit dem Coronavirus infiziert, lag sechs Wochen im Koma und musste künstlich beatmet werden – und als sich seine Situation nicht besserte, wurde er an eine Herz-Lungen-Maschine namens ECMO (extrakorporale Membran-Oxygenierung) angeschlossen. Aus Sicht der Mediziner sei das die letzte und beste Chance, sagt der Korber Arzt.

Noch heute hat der Arzt „Restbeschwerden“, wie er es selber nennt: „Eine muskulöse Einschränkung des Belastungsapparats.“ Zwar könne der Mediziner problemlos acht Stunden arbeiten, weil er sich zwischendurch hinsetzen und ausruhen kann. In seiner Freizeit hingegen ist der Familienvater eingeschränkt. „Ich kann mit meinem Sohn nicht Fahrrad fahren“, sagt er. Auch Wanderungen mit der Familie fallen wegen seiner Einschränkung weg. Dr. Garfami hat „neuromuskuläre Beschwerden“ im Ober- und Unterschenkel. Aber: „Mit meinem bisherigen Gesundheitszustand bin ich zufrieden“, sagt der Facharzt für Allgemeinmedizin. Es gibt sichtbare Erfolge: Während er vor etwa einem halben Jahr beim Gehen auf eine Krücke angewiesen war, kann er sich inzwischen frei bewegen.

Folgen der Corona-Infektion und der Herz-Lungen-Maschine

Die Beschwerden seien zum einen die Folgen der Corona-Infektion und zum anderen die der Komplikationen, die das ECMO-Gerät verursacht hat. „Das ist die Regel, nicht die Ausnahme“, sagt Dr. Garfami. Aber eine andere Lösung hätte es in seinem Fall nicht gegeben. „Man musste das machen und man musste diese Komplikationen in Kauf nehmen“, sagt er. Froh ist er, dass er den schweren Krankheitsverlauf überstanden hat und „so glücklich“ darüber, dass er wieder seiner Tätigkeit nachgehen kann.

Zu seiner Genesung habe auch die Arbeit beigetragen, die er nach einer sechsmonatigen Pause wieder aufgenommen hat, findet er. „Das war eine gute Entscheidung, ich bereue es nicht“, sagt Dr. Garfami. „Beim Post-Covid-Syndrom spielen biopsychosoziale Faktoren eine wichtige Rolle“, sagt er. Dazu gehören unter anderem soziale Kontakte und gute Arbeitsbedingungen.

Seit vergangenen Oktober ist Dr. Garfami wieder im Einsatz und seit einem Monat impft der Mediziner Menschen gegen das Coronavirus. Den Fortschritt innerhalb eines Jahres und dass auch Fachärzte bei der Corona-Impfung miteinbezogen werden, findet er „faszinierend“. Obwohl Impfungen in einer Arztpraxis an sich nichts Außergewöhnliches seien, sei es „in Bezug auf Corona ein richtiger und wichtiger Schritt zur Bekämpfung der Pandemie“. Eine Maßnahme, die seiner Meinung nach auch schon Früchte trägt: „Die Impfquote im Rems-Murr-Kreis steigt, die Inzidenz sinkt.“

"Die Gefahr nach einer Corona-Infektion ist größer als die Nebenwirkungen der Corona-Impfung"

Dennoch gebe es Menschen, die einer Corona-Impfung skeptisch gegenüber stehen. „Ich kann nur aufklären“, sagt der Arzt aus Korb. „Ich betone immer, dass die Gefahr nach einer Infektion größer ist als die Nebenwirkungen der Corona-Impfung“, sagt Dr. Issa Garfami, der aus eigener Erfahrung spricht. Auch wenn die Corona-Impfungen für ihn und sein Team zusätzlichen organisatorischen Aufwand kosten, mache es ihm und seinem Team nichts aus. „Es ist zusätzliche Arbeit, aber die machen wir gerne“, sagt er. Die Patienten kommen so, wie sie in die Praxis bestellt wurden – gegebenenfalls auch in der Mittagspause.

In der Praxis von Dr. Garfami, die er bis März 2020 mit Dr. Eberhard Berg leitete, werden zunächst die eigenen Patienten geimpft. Die Warteliste ist lang. Später erhalten auch Nicht-Patienten die Möglichkeit, sich dort impfen zu lassen. Patienten, die mobil eingeschränkt sind, stattet Garfami auch Hausbesuche ab.

Geimpft werden die Menschen entweder mit dem Impfstoff Biontech oder Astrazeneca. Dr. Garfami selbst wurde einmalig mit dem Vakzin Astrazeneca geimpft. „Die Leute, die eine Infektion durchgemacht haben, brauchen nur eine Impfung“, sagt er. Der Mediziner beobachtet eine große Impfbereitschaft, die er auch sehr begrüßt. „Die Schutzimpfungen sind sehr wirkungsvoll und als Präventivmaßnahme am günstigsten.“

Vorbehalte gegenüber Astrazeneca

Im Bezug auf Astrazeneca seien manche Patienten verunsichert, beobachtet Dr. Garfami. Doch in der Regel helfe eine „gute Aufklärung“. Dennoch habe es etwa sechs Patienten gegeben, die sich nicht impfen lassen wollten. Er könne niemanden überreden, sagt der Arzt, sondern nur informieren. Wenn jemand sich nicht mit dem vorhandenen Impfstoff impfen lassen möchte, dann müsse er eben warten.

„Unser Ziel ist es, dass alle Leute sich impfen lassen“, sagt der Mediziner. „Nur so können wir ins normale Leben zurückkehren.“

„Ich lag letztes Jahr zu dieser Zeit im Krankenhaus“, sagt Dr. Issa Garfami. Der Facharzt für Allgemeinmedizin mit Schwerpunkt Akupunktur und Schmerztherapie hatte sich im März 2020 mit dem Coronavirus infiziert, lag sechs Wochen im Koma und musste künstlich beatmet werden – und als sich seine Situation nicht besserte, wurde er an eine Herz-Lungen-Maschine namens ECMO (extrakorporale Membran-Oxygenierung) angeschlossen. Aus Sicht der Mediziner sei das die letzte und beste Chance, sagt der

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