Korb

Eiscafé am Seeplatz: Urlaubsgefühle im Herzen von Korb

Korbseeplatzkiosk
Es ist angerichtet, doch das Wetter spielt in diesen Tagen – noch – nicht mit. Hristos Drisis, Geschäftsführer des Eiscafés am Seeplatz, ist trotzdem prächtiger Laune – und freut sich, „wenn die Leute an unserer ,Korbercabana’ bald wieder ein Urlaubsfeeling kriegen“. Foto: Schneider © Gaby Schneider

Das trübe, regnerische Wetter an diesem Mittwochvormittag sowie die auflagenreiche und kontaktarme Corona-Zeit müsste einem Gastronomen eigentlich die Laune gründlich vermiesen. Hristos Drisis, Geschäftsführer des Eiscafés am Seeplatz in Korb, strahlt trotzdem. Der Grieche grüßt die wenigen Menschen, die unterwegs sind, freundlich und gleich in mehreren Sprachen. „Mein Lebensmotto ist: Geben ist seliger als Nehmen“, sagt der 52-Jährige. „Dann bekommst du alles mehrfach zurück.“

Die Kraft hat ein bisschen nachgelassen

Früh ist der studierte Kosmetiker mit der Gastronomie in Berührung gekommen. Im Jahr 1991 pachtete Hristos Drisis’ Vater das Schlosshotel in Winnenden, sechs Jahre später übernahm der Sohn die Cocktail-Bar „Soul“, vormals „Oldtime“. Im „Soul“ gab’s auch Live-Musik. „Das hat großen Spaß gemacht“, sagt Drisis. „Es war aber auch sehr anstrengend.“ Seine Frau arbeitete zu der Zeit in Vollzeit, vor der Abendschicht in der Bar reichte es gerade einmal zu einem kurzen Hallo. „Vor fünf Uhr in der Früh kam ich nicht ins Bett, da hat die Familie schon darunter gelitten. Und die Kraft hat auch ein bisschen nachgelassen.“

Also beschloss die Familie 2006, sich eine gastronomische Auszeit zu nehmen. Zwei Jahre zuvor war sie von Winnenden nach Korb gezogen, sechs Jahre lang arbeitete Hristos Drisis als Logistikleiter in der Firma eines Freundes. Die Liebe zur Gastronomie hat ihn allerdings nie losgelassen. Die Idee, in Korb ein Eiscafé zu eröffnen, kam bei einem Spaziergang mit seiner Frau über den Seeplatz. Hier gab’s bereits ein Café. „Das Gebäude hat mir super gefallen. Damit habe ich geliebäugelt, falls es irgendwann frei wird.“

Viele haben nicht daran geglaubt, dass hier etwas entstehen kann

Während des Korber Bienenflugs im Jahr 2013 war’s so weit, Drisis eröffnete sein Café. „Viele haben nicht daran geglaubt, dass hier etwas entstehen kann“, sagt er. Schließlich sei er im Ort nicht bekannt gewesen. Drisis ließ aber nicht locker, die Akzeptanz stieg. Er durfte die Fußball-EM im Public Viewing zeigen, auch Live-Musik wurde – nach dem zweiten Antrag – genehmigt. „Die Leute auf dem Rathaus haben gemerkt, der kann etwas“, sagt er. Mittlerweile sei das Verhältnis sehr vertrauensvoll.

Anlaufschwierigkeiten gab’s dennoch, vor allem die Wintermonate machten Drisis zu schaffen. „In den ersten Jahren war tote Hose. Meine Vermieterin, die Frau Äckerle, ging mit der Miete runter, weil sie wollte, dass ich hierbleibe.“ Dafür sei er ihr heute noch sehr dankbar – wie auch seiner Frau und seinen beiden mittlerweile 17 und 24 Jahre alten Töchtern, die ihn immer unterstützt und ihm den Rücken freigehalten hätten.

Bereicherung und Erleichterung

Mittlerweile läuft’s auch im Winter deutlich besser im Café. Die Korber Vereine kommen, die Senioren treffen sich zu ihren Stammtischen. Im Innenbereich gibt’s Platz für 45 Gäste, draußen – seit dem Umbau des Seeplatzes im Sommer 2018 – für 70 bis 80. An Ostern vergangenen Jahres wurde das Außengebäude auf dem Seeplatz in Betrieb genommen, was für Drisis und sein Team eine große Bereicherung und Erleichterung ist. Sehr gefreut hat er sich, dass er den Zuschlag für den Neubau bekommen hat. „Der Platz ist mein Baby, das ich aufgezogen habe. Ich denke, das war auch ein Zeichen des Vertrauens.“

Alleine die Wegstrecke, die beim Bedienen im Außenbereich gespart wird, ist beträchtlich. 50 Meter einfacher Weg sind’s vom Café bis zu den Tischen. „Wenn ich einen Kaffee rausbringe und der Gast noch einen Zucker oder Milch möchte, komme ich auf 300 Meter bei einer Bestellung“, sagt Drisis und lacht. „Zehn Kilo habe ich im Sommer abgenommen.“ Mit der Inbetriebnahme des Kiosks wurden die Wege kürzer. Die beiden Magnesium-Tabletten, „damit ich nachts keine Krämpfe kriege“, nimmt er dennoch weiter. „Man wird ja auch älter.“

Die Stimmung ist momentan nicht ganz so brasilianisch

Längst hat sich das Café im Herzen Korbs etabliert, das Erfolgsrezept ist für Drisis klar: „Ich liebe meine Gäste, und sie spüren das“, sagt er. Das Ambiente müsse stimmen, die Produkte müssten hochwertig sein. „Es ist, als ob du an den Strand gehst, du kriegst ein Urlaubsfeeling und kommst immer wieder gerne zurück an unsere ,Korbercabana’.“ Zurzeit freilich sei die Stimmung wegen der Corona-Krise nicht ganz so brasilianisch ausgelassen. Fünf Wochen war das Café geschlossen, nach der anfänglichen Schockstarre kehre so langsam wieder „ein bissle“ Leben zurück. Auch wenn die großen Feste wie der Bienenflug und die 750-Jahr-Feier ausfallen werden. Live-Musik hat Drisis nicht geplant in nächster Zeit.

Natürlich mache er sich ein bisschen Sorgen um die Zukunft, seinen Humor und Optimismus hat er jedoch nicht verloren. „Ich hoffe nicht, dass wir künftig alle mit Sombreros herumlaufen müssen, damit der Mindestabstand gewahrt bleibt.“

Es fehlt nur noch eine Markise

Die Sehnsucht ist groß nach einem Normalbetrieb auf dem Seeplatz, auf dem künftig noch komfortabler gefeiert werden kann: Der Gemeinderat hat beschlossen, einen festen Wasser- und Stromanschluss zu installieren. Auslöser war das Straßenfest, das im Zuge der Remstal-Gartenschau neu konzipiert und auf den Seeplatz verlegt worden ist. Das soll nun auch so bleiben, was Hristos Drisis natürlich sehr freut. „Bisher haben die Leute immer irgendwelche Leitungen und Rohre zwischen den Füßen gehabt.“

Die permanenten Anschlüsse werteten den Seeplatz deutlich auf, sagt Drisis über den Ort, an dem er sich „superwohl“ fühle. Jetzt fehle eigentlich nur noch gutes Wetter. „Und vielleicht noch eine Markise vor der Eistheke, damit sich die Leute bei einem Regenschauer mal kurz unterstellen können.“

Das trübe, regnerische Wetter an diesem Mittwochvormittag sowie die auflagenreiche und kontaktarme Corona-Zeit müsste einem Gastronomen eigentlich die Laune gründlich vermiesen. Hristos Drisis, Geschäftsführer des Eiscafés am Seeplatz in Korb, strahlt trotzdem. Der Grieche grüßt die wenigen Menschen, die unterwegs sind, freundlich und gleich in mehreren Sprachen. „Mein Lebensmotto ist: Geben ist seliger als Nehmen“, sagt der 52-Jährige. „Dann bekommst du alles mehrfach zurück.“

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