Korb

Gift im Klassenzimmer-Boden

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Der Unterricht läuft in der Gemeinschaftsschule am Standort Urbanstraße, trotz der großen Baustelle für den Neubau nebenan. © ZVW/Alexandra Palmizi

Korb. Hiobsbotschaft an der Urbanschule: Wie sich jetzt herausgestellt hat, steckt im Fußboden der Klassenräume der gesundheitsgefährdende Stoff Naphthalin. Ihn zu beseitigen treibt die Sanierungskosten in die Höhe.

Wer einen Altbau renoviert, muss mit bösen Überraschungen rechnen. Das wissen auch die Korber, die derzeit ihre Gemeinschaftsschule am Standort Urbanstraße erweitern. Nun hat sie eine solche böse Überraschung schon früh ereilt – bevor überhaupt mit der Sanierung begonnen wurde. Während der Neubau nebenan Gestalt annimmt, wird in der alten Urbanschule noch regulär unterrichtet. Das macht die Sache brisant.

Denn im Fußboden der Urbanschule, den die Gemeinde eigentlich belassen wollte, steckt der gesundheitsgefährdende Stoff Naphthalin. Das haben Luftmessungen in mehreren Klassenzimmern jetzt ergeben. Der Stoff war in teerhaltigen Parkettklebern enthalten, die in den 60er und 70er Jahren verwendet wurden. Zwar besteht laut Gesundheitsamt des Rems-Murr-Kreises wegen der geringen Werte keine akute Gefahr für Lehrer oder Schüler (siehe Infokasten). Die Experten empfehlen aber, Vorsorgemaßnahmen zu ergreifen.

Den Boden zu ersetzen wird rund 250 000 Euro zusätzlich kosten

Der giftige Stoff wird die Kosten auf der Baustelle Urbanschule also in die Höhe treiben. Auch wenn die Messungen nur eine sehr geringe Konzentration an Naphthalin in der Luft ergeben haben, soll das Parkett herausgerissen, entsorgt und durch einen neuen Boden ersetzt werden. Das wird die Korber voraussichtlich eine Viertelmillion Euro kosten. Angesetzt ist die Sanierung des Altbaus auf den Jahresbeginn 2021, wenn der Neubau fertig ist.

In der jüngsten Gemeinderatssitzung informierte die Verwaltung öffentlich über das Problem. Dabei wurde auch zur Diskussion gestellt, den Boden zu versiegeln – für deutlich weniger Geld. Das sei, erläuterte Kämmerer Stefan Obenland, zeitnah im laufenden Betrieb möglich. Statt 250 000 Euro für einen komplett neuen Linoleumboden würde die Versiegelung nur 105 000 Euro kosten. Sie wäre aber keine dauerhafte Lösung, schließlich würde die Ursache des Problems nicht beseitigt. Auch die Abdichtung des Bodens mit einer Folie und der Aufbau eines neuen Bodens für rund 160 000 Euro wären eine Option, aber ebenfalls keine dauerhafte Lösung.

Nur dafür zu sorgen, dass die gesundheitsschädlichen Dämpfe im Boden bleiben, das steht für die Gemeinderäte nicht zur Debatte. Der Boden muss raus, da sind sich alle einig. Bedenken gibt es allerdings beim Zeitplan.

Es wäre möglich, den Boden unabhängig von der geplanten Sanierung schon in den Sommerferien 2020 zu erneuern. Dann müsste er aber ein halbes Jahr später wieder geöffnet werden, wenn es an die Sanierung der Fassade geht. „Aus Kostengründen und aus Gründen des Bauablaufs“ wäre es deshalb laut Gemeinde die „wirtschaftlichste Lösung“, bis zum Frühjahr 2021 zu warten, wenn der Neubau fertig ist und die Schüler vorübergehend ausziehen.

„Das Thema hat bei den Eltern richtig Wellen geschlagen“

Manche Räte fragen sich, ob das den Eltern zuzumuten ist, die jetzt wissen, dass ein ungesundes Gemisch im Boden unter ihren Kindern schlummert – ob nun eine reale Gefahr existiert oder nicht. „Das Thema hat bei den Eltern richtig Wellen geschlagen“, sagte der Grüne Benjamin Rohrwasser, es gehe ja um die Gesundheit der Kinder.

Wie könnte man die Eltern beruhigen? Rohrwassers Fraktionskollegin Cora Sommerey berichtete vom Fall einer Schule im Ruhrgebiet, die 2011 ebenfalls ein Problem mit Naphthalin hatte und für die Zeit bis zur Sanierung Raumluftfilter einsetzte, um die Werte zu drücken. Allerdings waren die Höchstwerte dort zehnmal so hoch wie in Korb – und die Filter würden zusätzliches Geld kosten. Den Vorschlag wird die Verwaltung dennoch prüfen. Wahrscheinlicher ist aber, dass Lehrer und Hausmeister bis zur Sanierung 2021 angehalten werden, besonders kräftig zu lüften. Zudem wird es wohl immer wieder Messungen geben. Dieses Vorgehen trägt das Gesundheitsamt mit.

Ansonsten läuft auf der Schulbaustelle alles weitestgehend nach Plan. Ende des Jahres sollen die Rohbauarbeiten am neuen Gebäude abgeschlossen sein. Zwar ärgerten sich einige Räte über neue Mehrkosten bei den Garderoben, ein drittes Paket an Bauaufträgen wurde aber ohne Gegenstimme vergeben. Somit herrscht jetzt bei circa 85 Prozent der Bauarbeiten Kostensicherheit. Die Korber sind deshalb guter Dinge, dass die Schulerweiterung insgesamt unter zwölf Millionen Euro kostet. So viel ist im Haushalt eingeplant. Einen entsprechenden Kostendeckel hat das Gremium nun beschlossen.

Zuletzt landet die Gemeinde in ihren Berechnungen bei rund 10,5 Millionen Euro Gesamtkosten.


Korb. Hiobsbotschaft an der Urbanschule: Wie sich jetzt herausgestellt hat, steckt im Fußboden der Klassenräume der gesundheitsgefährdende Stoff Naphthalin. Ihn zu beseitigen treibt die Sanierungskosten in die Höhe.

Wer einen Altbau renoviert, muss mit bösen Überraschungen rechnen. Das wissen auch die Korber, die derzeit ihre Gemeinschaftsschule am Standort Urbanstraße erweitern. Nun hat sie eine solche böse Überraschung schon früh ereilt – bevor

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