Korb

Kitas in Korb: Gelingt die Rückkehr zur Regelbetreuung?

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Vorfreude bei den Erzieherinnen: Kita-Leiterin Angelika Müller (rechts) und ihre Mitarbeiterin Anke Hartmann im Hof der „Villa Kunterbunt“. © Sebastian Striebich

„Du bist im falschen Bereich!“ sei sie am Morgen von einem Jungen getadelt worden, berichtet Angelika Müller und lacht. Die 54-Jährige leitet den Kindergarten Villa Kunterbunt in Kleinheppach. Wegen der Corona-Pandemie ist der Hof zurzeit dreigeteilt: Jede Gruppe hat ihren eigenen Abschnitt. Weil Angelika Müller die Trennlinie überschritten hatte, gab’s den forschen Hinweis des Jungen. Doch wann kehrt in der Kita wieder Normalität ein?

Bislang wird nur die Hälfte der Kinder betreut

Ein großer Schritt steht unmittelbar bevor. Zwar erreicht der Lärmpegel im Kinderhaus schon jetzt ein amtliches Niveau, das täuscht aber darüber hinweg, dass noch immer nur die Hälfte aller Kinder hier betreut wird: 35 von insgesamt 70 Mädchen und Jungen. Erst in der kommenden Woche darf auch der Rest wieder kommen. Was es dabei zu beachten gilt, wie im Hintergrund gearbeitet wird und mit welchem Gefühl die Erzieherinnen nach drei Monaten wieder in den Regelbetrieb starten.

Der Tadel des Buben für Angelika Müller beweist: Die Kinder haben die neuen Regeln der aktuellen Ausnahmesituation längst verinnerlicht. Schon im März, als die ersten Kinder von Eltern in systemrelevanten Berufen zur Notbetreuung in die Villa Kunterbunt kamen, wussten sie über das Virus Bescheid: „Wegen Corona!“, schallte es den Erzieherinnen entgegen, als diese ihnen die neuen Verhaltensregeln erklärten. Das Bewusstsein der Kinder ist überraschend groß: „Die Großen zeigen den Kleinen, wie man sich richtig die Hände wäscht“, berichtet die Kita-Leiterin.

In zwei Etappen werden in der kommenden Woche alle Kinder wieder in die Villa Kunterbunt zurückkehren. Am Montag die erste Hälfte derer, die bislang noch zu Hause bleiben mussten, am Mittwoch die zweite Hälfte. In anderen Einrichtungen läuft es ähnlich – spätestens bis zum 6. Juli sollen wieder alle Korber Kindergartenkinder betreut werden. Der Gedanke dahinter: Die Jüngeren, manche erst drei Jahre alt, sollen erst einmal wieder ankommen und sich eingewöhnen. Einzelne werden womöglich mehr Zuwendung und Aufmerksamkeit von den Erzieherinnen brauchen als sonst.

Apropos Zuwendung: Nicht nur die Kinder wollen gehört und an die Hand genommen werden, sondern auch ihre Eltern. Im Rathaus ist Sandra Stadelmann dafür zuständig, die Sachgebietsleiterin Kindergärten, Schulen und Jugend. Die 25-Jährige ist selbst Mutter eines kleinen Jungen und weiß, dass die zurückliegenden Monate für viele Eltern nicht einfach zu meistern waren – und wie wichtig es für Mütter und Väter gerade in der Corona-Krise ist, gut und aktuell informiert zu sein. Zahllose Telefonate hätten sie und ihre Kolleginnen in den vergangenen Wochen geführt, vor allem dann, wenn per Pressemitteilung ein neues Versprechen der Landesregierung die Runde machte – und gestresste Eltern per sofort wissen wollten, was das jetzt für sie zu bedeuten habe.

Alle Eltern zufriedenzustellen war ein Ding der Unmöglichkeit

Dass die Gemeinde, die bei der Vergabe der reduzierten Kita-Plätze Prioritäten setzen musste, nicht alle Eltern zufriedenstellen konnte, versteht sich von selbst. Den Job im Rathaus hat das mit Sicherheit nicht leichter gemacht. Oder, um es in Stadelmanns Worten zu sagen: „Es war eine sehr spannende Zeit. Leerlauf hatten wir nie.“

Die Rückkehr in den Regelbetrieb vorzubereiten, dafür hatten die Kommunen jetzt etwas mehr Zeit als bei vorangegangenen Verordnungen. Wie das funktionieren soll, darüber hat Stadelmann die Eltern in den vergangenen Tagen per Brief informiert.

Das Konzept ist an einem Runden Tisch mit den Leiterinnen der Korber Kinderhäuser und in Abstimmung auch mit den freien und kirchlichen Trägern erarbeitet worden. „Die Zusammenarbeit ist sehr gut“, sagt Stadelmann und bekommt das Lob von den Erzieherinnen der Villa Kunterbunt zurückgespielt. Denn Sandra Stadelmann weiß: Die Gemeinde ist nicht nur für gut informierte Korber Eltern verantwortlich, sondern auch dafür, „dass das Kita-Personal am 29. Juni nicht total verunsichert ist.“

Das scheint nicht der Fall zu sein. Zumindest Angelika Müller und ihre Kollegin Anke Hartmann (34) in der Villa Kunterbunt machen keinen verunsicherten Eindruck, im Gegenteil: „Wir sind voll am Start und freuen uns auf die Kinder!“

Erwachsene müssen Abstand halten, Kinder nicht

Ob jetzt alles wieder so wird wie vor Corona? Fast. Der „Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen“, wie es im Elternbrief heißt, bedeutet, dass jeder Kindergarten ein Hygienekonzept erstellt hat – dabei dürfte das regelmäßige Händewaschen im Mittelpunkt stehen. An Abstandsregeln müssen sich Kinder nämlich nicht halten – wohl aber die Erwachsenen in den Einrichtungen. Ist ein Kind krank, muss es zu Hause bleiben, und auch wer es bringt oder abholt, darf nicht erkältet sein. Eine entsprechende Erklärung müssen alle Eltern unterzeichnen. Eine Durchmischung der einzelnen Gruppen soll ebenfalls verhindert werden – der Außenbereich der Villa Kunterbunt bleibt vorerst dreigeteilt. Feiern und zusätzliche Angebote wie die Sprachförderung können noch nicht stattfinden.

Die Betreuungszeiten in den Korber Einrichtungen werden aber nicht reduziert. Denn diese große Sorge hat sich zum Glück als unbegründet erwiesen: dass zu viel Personal zur Risikogruppe gehört und gar nicht erst zur Arbeit kommen darf. „Wir sind personell wirklich sehr gut aufgestellt“, sagt Sandra Stadelmann.

„Du bist im falschen Bereich!“ sei sie am Morgen von einem Jungen getadelt worden, berichtet Angelika Müller und lacht. Die 54-Jährige leitet den Kindergarten Villa Kunterbunt in Kleinheppach. Wegen der Corona-Pandemie ist der Hof zurzeit dreigeteilt: Jede Gruppe hat ihren eigenen Abschnitt. Weil Angelika Müller die Trennlinie überschritten hatte, gab’s den forschen Hinweis des Jungen. Doch wann kehrt in der Kita wieder Normalität ein?

Bislang wird nur die Hälfte der Kinder

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