Korb

„Korb-Ticket“: Sinnvoll oder unnötig?

Korbticket
In Korb wird es zum kommenden Jahr ein neues, günstiges Tagesticket geben, das im ganzen Gemeindegebiet gilt. © Gaby Schneider

Jetzt doch: Die 11 000-Seelen-Gemeinde Korb bekommt ein eigenes Stadtticket. Es soll zum 1. Januar 2021 eingeführt werden. Wer es kauft, darf für drei Euro (oder in der Fünfer-Gruppe für sechs Euro) den ganzen Tag lang Bus fahren so viel er möchte – allerdings nur innerhalb der Ortsgrenzen, Kleinheppach inbegriffen. Jedes verkaufte Ticket wird von der Gemeinde mit 1,50 Euro bezuschusst. Nach einer Kalkulation des Verkehrsverbunds Stuttgart (VVS) entstehen der Gemeinde dadurch Kosten von rund 3400 Euro im Jahr. Ob sich das Korb-Ticket überhaupt lohnen wird, darüber scheiden sich allerdings die Geister.

Die Entscheidung ist eine Überraschung

Dass der Gemeinderat in der vergangenen Woche grünes Licht für eine Testphase gegeben hat, ist eine Überraschung. Schließlich gehört unter anderem Bürgermeister Jochen Müller zur Fraktion derer, die dem Korb-Ticket äußerst skeptisch gegenüberstehen. Schon als die Grünen den Vorschlag im November 2019 zum ersten Mal in den Gemeinderat getragen hatten, äußerte der Rathauschef deutliche Zweifel an der Sinnhaftigkeit eines solchen Tickets für eine vergleichsweise kleine Gemeinde wie Korb. Damit war er im Gremium nicht alleine. Beinahe wäre sogar Müllers Vorschlag zur Güte an die Grünen, beim VVS wenigstens einmal die Konditionen für ein solches Ticket anzufragen, abgelehnt worden.

Bürgermeister Jochen Müller: „Lohnt sich nicht“

Nun lag das VVS-Angebot an die Korber vor, der Gemeinderat durfte Ende Mai erneut darüber beratschlagen. Die Haltung der Verwaltung um den Bürgermeister hatte sich seit November nicht geändert. „Das klingt toll, lohnt sich aber nach unserer Auffassung nicht. Wir brauchen das schlicht nicht“, sagte Jochen Müller in der Kleinheppacher Mehrzweckhalle. Entsprechend lautete der Beschlussvorschlag aus dem Rathaus: Es wird kein Korb-Ticket eingeführt. Eine ausführliche inhaltliche Begründung lieferte die Verwaltung gleich mit. Die Linien 209 und 339, heißt es in der Sitzungsvorlage, halten lediglich an zwei Haltestellen in Korb, „weshalb bei einmaligem Hin- und Rückweg das Kurzstreckenticket günstiger wäre und von der Gemeinde keine Bezuschussung erforderlich wäre. Auch kann mit dem Kurzstreckenticket mindestens jeweils ein Vollsortimenter erreicht werden.“ Ein Korb-Ticket würde sich nach Berechnungen der Gemeinde erst lohnen, wenn der Fahrgast eine Strecke mit mehr als vier Haltestellen (oder eine Strecke, auf der er umsteigen muss) innerhalb von Korb hin und zurück fahren möchte.

In größeren Kommunen sei das subventionierte Ticket „durchaus sinnvoll, da so eine Vielzahl von Haltestellen kostengünstiger erreicht werden kann“. Im kleinen Korb aber, wo von jedem Ort ein Vollsortimenter mit dem Kurzstreckenticket für 1,40 Euro erreichbar sei, stehe „der Nutzen nicht im Verhältnis zum Verwaltungsaufwand, der in diesem Zusammenhang betrieben werden müsste“.

Als sich die Ersten im Gremium dieser Argumentation anschlossen (Martin Zerrer von der Fraktion CDU/Freie Wähler: „Für mich ist das Thema durch“) und sogar der Grüne Gerhard Brenner kundtat, er sei „zum selben Ergebnis gekommen“, schien das Korb-Ticket vom Tisch. Es waren schließlich die Argumente einiger Gemeinderätinnen, die dafür sorgten, dass das Ticket nun doch eingeführt werden soll.

Sigrid Aeckerle bringt den Stein ins Rollen

Sigrid Aeckerle von den Freien Bürgern, Inhaberin des Korber Lädles, hat die Erfahrung gemacht, dass oft nach „Hin- und Rückfahrt“-Tickets gefragt wird. Kurzstrecken-Tickets gelten nur für eine Fahrt. Das ist beim Stadtticket, das ja den ganzen Tag gilt, anders. Senioren, aber auch Eltern mit Kinderwagen, müssten dann (wenigstens bei der Rückfahrt) nicht mehr beim Fahrer vorsprechen und nach Kleingeld kramen, „sondern könnten sich einfach hinsetzen“, sagte Aeckerle. Der Stress, der ihnen damit erspart bliebe, sei nicht zu unterschätzen. Cora-Constanze Sommerey von den Grünen sagte, seit der Bus im Schaltenberg alle Viertelstunde halte, sei die Busfahrt in den Ort für die vielen Älteren in der Gegend deutlich attraktiver geworden. Gut möglich, dass manche den Bus für nur drei Euro auch für mehr als zwei Fahrten an einem Tag nutzen würden – auch dann würde sich das Ticket lohnen. Den Zuschuss zahle die Gemeinde ja nur für die tatsächlich gekauften Tickets nach Abrechnung des VVS – „das heißt, wir zahlen nur, wenn die Tickets tatsächlich gekauft werden“. Ihre Fraktionskollegin Judith Bessey plädierte deshalb für „Ausprobieren“ und fügte hinzu: „Das ist doch kein Verwaltungsaufwand.“

Sigrid Aeckerle war es schließlich, die den entscheidenden Vorschlag beitrug, der dann auch eine Mehrheit fand: „Warum machen wir es nicht zwei Jahre, dann sehen wir, ob es sich lohnt oder nicht?“

Abgemacht. Der Probebetrieb soll zum Jahresbeginn 2021 starten, nach einem Jahr wird eine erste Bilanz gezogen.

Jetzt doch: Die 11 000-Seelen-Gemeinde Korb bekommt ein eigenes Stadtticket. Es soll zum 1. Januar 2021 eingeführt werden. Wer es kauft, darf für drei Euro (oder in der Fünfer-Gruppe für sechs Euro) den ganzen Tag lang Bus fahren so viel er möchte – allerdings nur innerhalb der Ortsgrenzen, Kleinheppach inbegriffen. Jedes verkaufte Ticket wird von der Gemeinde mit 1,50 Euro bezuschusst. Nach einer Kalkulation des Verkehrsverbunds Stuttgart (VVS) entstehen der Gemeinde dadurch Kosten von rund

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