Korb

Posaunist Eberhard Budziat: Optimistisch, trotz Corona

Eberhard Budziat
Seit dem Frühjahr hat Eberhard Budziat viel komponiert und aufgenommen – in Corona-Zeiten trägt sogar die Posaune Maske. © Gabriel Habermann

Eberhard Budziat steht jeden Tag um sieben Uhr auf, geht in sein Kämmerchen und komponiert. „Mein Mann ist so fleißig“, erzählt Rosa Budziat stolz. Immerhin blickt der Posaunist wegen Corona auf eine lange Durststrecke zurück – und noch ist nicht absehbar, wann diese zu Ende sein wird. Trotzdem bleibt Eberhard Budziat optimistisch: Er findet, dass er schon viel schlimmere Zeiten durchgemacht hat in seinem Leben. Da wird ihn ein Virus nicht vom Musizieren abhalten können.

Im März schon erwartet, dass Silvesterkonzert ausfällt

Eberhard Budziat sitzt am Esszimmertisch in seiner Wohnung in Korb. Er trägt einen bequemen Strickpullover, Hausschuhe und macht insgesamt einen recht entspannten Eindruck. Der studierte Jazzmusiker steht eigentlich das ganze Jahr mit verschiedenen Ensembles auf der Bühne. Dieses Jahr sind alle größeren Events ersatzlos weggebrochen.

Dennoch betrachtet der Korber die Lage ganz unaufgeregt: Ihm sei schon im Frühjahr, als der erste Lockdown gerade angefangen hatte, sehr schnell klar gewesen, dass sich die Corona-Pandemie noch eine ganze Weile hinziehen würde. „Im März war noch ein Silvesterkonzert in der Liederhalle geplant“, erzählt Eberhard Budziat. „Ich bin damals schon davon ausgegangen, dass das auch abgesagt werden muss – und so war es dann auch.“

Jetzt in der Krise ist der Musiker froh, dass er neben seiner freischaffenden Tätigkeit auch noch Instrumenten-Unterricht an verschiedenen Musikschulen gibt. Seine Schüler habe er trotz Corona weitestgehend durchgehend unterrichten können. Es sind etwa 40 Prozent seines normalen Einkommens, das er aus dem Musikunterricht bezieht. Genau die 40 Prozent, die ihm seit April übrig bleiben. Die finanziellen Einbußen seien aber nicht das Schlimmste: „Das geht ja, man kann sich einschränken.“

Das gemeinsame Musizieren auf das Mindeste beschränkt

Viel mehr fehlt ihm der sonst in seinem Arbeitsalltag allgegenwärtige Austausch und das Zusammenspiel mit anderen Musikern. „Musik macht man sonst immer zusammen.“ Diese menschlichen Kontakte fehlen ihm jetzt sehr. Immerhin sind er und seine Kollegen als Berufsmusiker vom für Hobby-Bands geltenden Probeverbot ausgenommen: Mit drei ganz kleinen Ensembles probt er deshalb ab und zu. „Wir halten dann zwei Meter Abstand zueinander.“ Die Trichter der Blasinstrumente werden mit Stoff abgedeckt. Wer den Mund nicht zum Spielen braucht, trägt Maske.

Der Sommer brachte Entspannung

Der Sommer sei trotz Corona schön gewesen: Viele Open-Air-Veranstaltungen, die kleinen Jazzclubs hätten sich wirklich ins Zeug gelegt. Das Projekt „Kultur Sommer 2020“ war seiner Meinung ein Erfolg: „Das hat das Land sich etwas kosten lassen, das hat super funktioniert.“ Insgesamt habe er vermutlich weniger große Ansprüche als einige seiner Musiker-Kollegen: „Als Jazzmusiker wird man immer ein bisschen ausgegrenzt – auch ohne Corona.“

Wenn der Posaunist aus seinem Leben erzählt, wird schnell klar, dass er schon viel Schlimmeres durchgestanden hat als die coronabedingten Auftrittsausfälle: Lebenskrisen, in denen er wirklich ganz unten war und nicht mehr wusste, wie es weitergehen sollte. Momente, in denen er die Musik fast aufgegeben hätte – und dann doch weitergemacht hat. Corona wird ihn nicht stoppen.

Warten auf die finanzielle Hilfe

Eberhard Budziat hat Novemberhilfe beantragt. „Ich bin sehr gespannt, ob da was kommt.“ Ansonsten macht er weiterhin Musik, übt, unterrichtet, schreibt neue Stücke. „Früher war ich zu 100 Prozent abhängig von anderen Musikern beim Spielen. Jetzt ist einfach die Zeit, eigenständiger zu werden“, sagt der Korber. Das Gute an Corona sei: „Ich habe jetzt viel Zeit für neue Sachen.“

Seit dem ersten Lockdown habe er so viel komponiert wie noch nie. Mit dem „White Dinner Trio“ hat er sogar eine neue Jazz-CD aufgenommen. Dieser Kreativitätsschub sei auch bei den meisten seiner Kollegen gerade zu beobachten: „Die meisten sind wirklich sehr aktiv.“ Er selbst ist im Moment offen für alles. „Ich muss mir jetzt Projekte suchen, die Geld abwerfen.“ Deshalb trete die Kunst aber nicht in den Hintergrund, zum Glück habe er im Moment genug Zeit für beides.

Zeit auch für ungewöhnliche Projekte

Außerdem habe er sehr gute Erfahrungen damit gemacht, sich auf ungewöhnliche Projekte einzulassen: Am Anfang der Pandemie habe eine Hobby-Rock-Band ihn für eine faire Gage angeheuert, sie beim Proben zu unterstützen und mit ihnen eine CD aufzunehmen. „Der Bandleiter konnte keine Noten lesen, hatte aber alle Stücke selbst geschrieben,  und die waren richtig super!“, erzählt der Posaunist begeistert. „Ich habe viel gelernt in dieser Zeit.“

Er habe damals an einige Kollegen geschrieben, um diese mit ins Boot zu holen. Die hätten ihm aber gar nicht auf seine Mails geantwortet. „Die hatten das wohl nicht nötig.“

Eberhard Budziat steht jeden Tag um sieben Uhr auf, geht in sein Kämmerchen und komponiert. „Mein Mann ist so fleißig“, erzählt Rosa Budziat stolz. Immerhin blickt der Posaunist wegen Corona auf eine lange Durststrecke zurück – und noch ist nicht absehbar, wann diese zu Ende sein wird. Trotzdem bleibt Eberhard Budziat optimistisch: Er findet, dass er schon viel schlimmere Zeiten durchgemacht hat in seinem Leben. Da wird ihn ein Virus nicht vom Musizieren abhalten können.

Im März

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