Korb

Selbst an Corona erkrankt: Arzt Dr. Issa Garfami aus Korb war sechs Wochen im Koma - wie geht es ihm jetzt?

Dr. Issa Garfami
Die Abstandsregeln und die Maske sind für Dr. Issa Garfami sehr wichtig, er hat sie nur für das Foto abgenommen. © ZVW/Gabriel Habermann

„Es gingen wohl Gerüchte rum, dass ich an dem Virus gestorben sei“, sagt Dr. Issa Garfami. Der Facharzt für Allgemeinmedizin mit Schwerpunkt Akupunktur und Schmerztherapie war selbst mit dem Coronavirus infiziert. Ende März steckte sich der Arzt aus Korb an, bis Mitte Juni war er in Behandlung. Während seine Ehefrau und sein Sohn die Krankheit mit leichten grippalen Symptomen überstanden, sah es bei Issa Garfami ganz anders aus. Er lag auf der Intensivstation, musste künstlich beatmet werden und nahm in dieser Zeit 22 Kilo ab. Nun ist er wieder fit und seit Anfang Oktober arbeitet er sogar wieder – nach einer sechsmonatigen Pause.

Die Gemeinschaftspraxis, die er bis Ende März mit Dr. Eberhard Berg leitete, musste zunächst coronabedingt geschlossen werden. Issa Garfami lag im Krankenhaus und sein Kollege verabschiedete sich in den Ruhestand. „Meine Frau hat Vertretungsärzte gefunden“, sagt Garfami. In seiner Abwesenheit wurde er von einer Kollegin aus Winnenden und einem Kollegen aus Waiblingen vertreten. „Alle haben geholfen, wie sie konnten“, sagt er und ist jedem sehr dankbar, der in dieser Zeit seine Familie und die Praxis unterstützt hat. Sei es mit Anrufen, Genesungskarten oder anderweitig. Sein Dank gilt insbesondere seiner Frau: „Meine Frau musste alle Entscheidungen treffen. Ich bin stolz auf sie.“

Wahrscheinlich hat ihn ein Reise-Rückkehrer angesteckt

Wo er sich infiziert hat, weiß der Arzt nicht. „Mit einer großen Wahrscheinlichkeit in der Praxis.“ Es ist genau die Phase gewesen, in der nach und nach verschiedene Länder zu Risikogebieten erklärt wurden. Zu der Zeit seien auch einige Urlauber in der Praxis gewesen. Daher nimmt er an, dass ein Reise-Rückkehrer ihn angesteckt haben könnte. „Ich habe mich nicht wohlgefühlt und habe sicherheitshalber alle meine Termine abgesagt“, sagt er. „Wir haben Laboruntersuchungen veranlasst, meine Entzündungsparameter waren sehr hoch.“ Issa Garfami ging sofort vom Coronavirus aus. Noch zehn Tage vor diesem Vorfall hatte sich das ganze Praxisteam vorsorglich auf das Coronavirus testen lassen, das Ergebnis fiel bei allen negativ aus.

Dann wurde Dr. Garfami nach Winnenden ins Krankenhaus eingeliefert und untersucht. Doch sein Zustand habe sich zunehmend verschlechtert, so dass er zunächst nicht-invasiv beatmet wurde. Bei dieser Methode werde die Atmung des Patienten mit einem Beatmungsgerät unterstützt, ohne dass eine Intubation oder Tracheotomie erforderlich sind. Allerdings half Issa Garfami das nicht. „Die Ärzte haben sich für eine invasive Beatmung entschieden“, sagt er und zeigt auf seinen Hals „durch einen Schnitt in die obere Luftröhre“. Doch auch das habe nicht genügt. „Dann haben sie gemerkt, dass es trotz der invasiven Beatmung nicht ausreichend ist.“

Nach acht bis neun Tagen im Winnender Klinikum habe sich sein Zustand nicht verbessert, so dass seine Kollegen ihn nach Tübingen verlegten. In die Stadt, in der Issa Garfami vor vielen Jahren Medizin studiert hat. Dort kam eine Herz-Lungen-Maschine namens ECMO (extrakorporale Membran-Oxygenierung) zum Einsatz. „Die Maschine übernimmt die Aufgabe der Lunge“, erklärt Issa Garfami. Das Ziel dahinter sei, dass sich die Lunge erholen soll. „Die Mediziner sagen, das ist die letzte und beste Chance.“

„Daraufhin war ich etwa sechs Wochen im künstlichen Koma.“ Fünf Wochen nach dem Koma habe er zwei Wochen auf der Intensivstation verbracht. Dort habe man schließlich die Maschine entfernt, so dass er langsam wieder angefangen habe, selbstständig zu atmen.

In dieser Zeit habe ihn weder seine Frau noch jemand anderes besuchen dürfen. Zweimal am Tag habe seine Frau mit den behandelnden Ärzten telefoniert und sich über den Zustand ihres Ehemannes informiert. Denn dieser sei nicht immer stabil gewesen. „Drei Tage lang war die Situation sehr kritisch“, unterstreicht Issa Garfami.

„Es kam eine Phase, in der sich meine Nieren- und Leberwerte verschlechtert haben.“ Es habe auch einige Komplikationen gegeben, etwa eine Blutung im hinteren Bauchraum, so der Allgemeinarzt. Ursache seien die vielen Blutverdünnungsmittel gewesen, die er während der Behandlung eingenommen habe.

Zwar ist Issa Garfami wieder fit, doch beim Gehen verwendet er eine Krücke. „Am Anfang konnte ich mein Bein gar nicht bewegen“, sagt er. Seine Beinmuskeln seien geschwächt und er habe im gesamten Körper Muskelschmerzen. „Ich gehe davon aus, dass ich noch sechs Monate brauchen werde, bis ich normal laufen kann.“

Doch immerhin: Es ist kein bleibender Schaden entstanden, davon ist Issa Garfami überzeugt. Er ist guter Dinge.

Nach drei negativen Testergebnissen und guten Laborwerten sei er am 15. Juni aus der Klinik entlassen worden. Obwohl man ihm im Anschluss direkt einen Reha-Aufenthalt empfahl, habe er nach Hause gewollt. „Während der stationären Behandlung habe ich 22 Kilo abgenommen“, berichtet er. Doch zu Hause bei den Gerichten seiner Frau habe es nicht lange gedauert – innerhalb kurzer Zeit habe er gut 15 Kilo wieder zugenommen. „Das war tatsächlich die richtige Entscheidung.“

Auch wenn er sich wieder fit für die Arbeit fühlt, weiß Garfami, dass die Gefahr längst nicht vorbei ist. Er zeigt auf seine Maske, das Plexiglas, das zwischen ihm und den Patienten steht und das geöffnete Fenster: „Die Infektionsmaßnahmen sind die allerwichtigsten Mittel, die wir haben.“ Denn, so der Arzt: „Eine Impfung haben wir noch nicht.“

„Es gingen wohl Gerüchte rum, dass ich an dem Virus gestorben sei“, sagt Dr. Issa Garfami. Der Facharzt für Allgemeinmedizin mit Schwerpunkt Akupunktur und Schmerztherapie war selbst mit dem Coronavirus infiziert. Ende März steckte sich der Arzt aus Korb an, bis Mitte Juni war er in Behandlung. Während seine Ehefrau und sein Sohn die Krankheit mit leichten grippalen Symptomen überstanden, sah es bei Issa Garfami ganz anders aus. Er lag auf der Intensivstation, musste künstlich beatmet werden

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