Korb

So werden Skier und Board gewachst

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Willi Minet und Aaron Schwegler von der Skizunft Korb zeigen, wie man seine Skier und sein Board zu Hause selber wachst. © Büttner / ZVW
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So werden die Kanten geschliffen. © Büttner / ZVW
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Das Bügeleisen wird auf 150 Grad erwärmt, das Wachs wird gleichmäßig auf die Unterseite getropft. © Büttner / ZVW
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Mit einem Schleifschwamm werden kleine Kratzer beseitigt. © Büttner / ZVW
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Anschließend wird mit dem Bügeleisen gleichmäßig das Wachs verteilt. © Büttner / ZVW
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Zum Schluss müssen Überreste abgeschabt werden. © Büttner / ZVW

Korb. Am Wochenende machen die Mitglieder der Skizunft Korb die Pisten bei Ausfahrten unsicher. Für die entsprechende Portion Spaß ist es wichtig, dass Brett und Skier gut präpariert sind. Wie man das zu Hause im Keller mit Omas Bügeleisen und etwas Wachs selber machen kann, erklären Willi Minet und Aaron Schwegler.

Aaron Schwegler greift zu etwas Pappe, verteilt sie zum Schutz auf dem Boden, dann stapelt er Getränkekisten aufeinander. „Man braucht nicht mal eine Werkbank“, sagt er. „Die tun es auch.“ Als Nächstes greift er zu einem Snowboard. Das soll nun eine neue Wachsschicht erhalten, außerdem gehören die Kanten geschliffen. Eigentlich sei es bei Skiern oder auch dem Snowboard wie bei der menschlichen Haut. „Wenn sie ausgetrocknet ist, ist es Zeit zum Eincremen“, erklärt der 27-Jährige. Wachs diene auch als Schutz und nicht nur, dass man auf Schnee besser gleitet.

  1. Auf dem Boden breitet er ein Set aus, das alles enthält, um Skier oder Snowboard für den nächsten Ausflug auf der Piste vorzubereiten: Wachs, Feilen, eine Bürste und ein Bügeleisen stehen darüber hinaus parat. Letzteres stammt allerdings noch aus einer Zeit, bevor Dampfbügeleisen die Bügelwelt regierten. „Das ist wichtig“, erklärt Aaron Schwegler. „Mit Löchern im Eisen funktioniert es nicht“, ergänzt Willi Minet und zeigt auf die glatte Fläche. Er leitet seit kurzem zusammen mit Luca Frank und Dennis Rube die Skischule der Korber Skizunft. Es gibt auch Sets, bei denen ein solches Bügeleisen enthalten ist, so Aaron Schwegler.
  2. Doch bevor das Eisen zum Einsatz kommt, greifen die beiden zu einem Tuch, um Schmutzreste zu entfernen. „Kleine Steine oder Dreck würden sonst zusätzliche Kratzer machen“, erklärt Aaron Schwegler.
  3. Dann greift er zum Kantenschleifer, überprüft die Gradeinstellung, 88 oder 89 Grad sind bei Board und Skiern optimal, auf 87 Grad würde man die Kanten im Rennsport schleifen, erklärt er, bevor er ansetzt und beim Snowboard abhängig von der Fußstellung von vorne nach hinten schleift. Bei Skiern werden die Kanten entsprechend der Fahrtrichtung von der Spitze nach hinten geschliffen.
  4. Nachdem sie mit einem Tuch die Schleifreste beseitigt haben, kommt der Schleifschwamm zum Einsatz, der kleine Unebenheiten oder Kratzer an der Kante auf der Belagseite entfernt. Dazu fahren die beiden Jungs von der Skizunft Korb vorsichtig mit dem schwarzen Schwamm entlang der Kante über die Oberfläche. „Feines Schleifpapier ginge auch“, so Schwegler.
  5. Im Verhältnis ist es deutlich günstiger, wenn man seine Sachen selber wachst. Ein Set koste je nach Ausstattung etwa so viel, wie dreimal der Service im Fachgeschäft. Das Bügeleisen wird nun auf 150 Grad eingestellt. Willi Minet hält das Wachsstück dagegen und lässt das Wachs gleichmäßig auf die Boardunterseite tropfen, um dann im Anschluss mit dem Bügeleisen das Wachs gleichmäßig zu verteilen. „Schön langsam mit dem Bügeleisen darüberfahren“, erklärt Aaron Schwegler. Durch die Wärme öffnen sich die Poren und das Wachs kann sich so in jede Ritze verteilen. Wichtig ist keine zentimeterdicke Schicht, sondern dass das Wachs flächendeckend verteilt ist.
  6. Die Skier oder auch das Snowboard sollten Zimmertemperatur haben, bevor man die Unterseite bearbeitet, und nicht direkt aus der Kälte kommen. Das Bügeleisen bedienen die beiden Jungs „wie in der Wäschekammer“, sind sie sich einig. Gleichmäßig, damit es nicht an einer Stelle zu heiß wird. So würden nämlich Blasen entstehen. So wie zu Hause, wenn man das Bügeleisen zu lange auf einem Kleidungsstück verharren lässt. Um herauszufinden, wann Skier oder das Snowboard die optimale Bügeltemperatur erreicht haben, soll man an die Stelle die Hand dagegenhalten, wo das Brett etwas dünner ist - so ein Tipp von Aaron Schwegler. Sobald man auf der Unterseite die Wärme spürt, weiß man, dass man ausreichend das Wachs eingebügelt hat und das Brett gut erwärmt ist.
  7. Nachdem das Wachs erkaltet ist, muss es abgezogen werden. Nun versteht man auch, warum es besser ist, den Boden abzudecken. Nicht nur, um ihn vor Wachsflecken zu schützen. Die Wachsschnipsel sind auch für eine ordentliche Sauerei zuständig. Willi Minet greift dazu einen Schaber, der ebenfalls Teil des Sets ist. „Das Wachs würde bremsen“, sagt er. Er fängt an einer Seite des Boards an und arbeitet sich langsam zur anderen Seite vor. Wichtig ist, dass die Kanten von der Wachsschicht befreit werden, dass die frisch geschärften Kanten auch greifen.
  8. Anschließend kehren die beiden mit einer Bürste die restlichen Wachsschnipsel ab. Es muss keine Spezialbürste sein. Ein alter Schrubber tut es auch, sind sich die beiden Ski-Experten einig.
  9. Zum Schluss hat Aaron Schwegler noch einen Geheimtipp parat: Er nimmt eine alte Kerze und fährt mit ihr über die sogenannte Nase des Snowboards (auch Nose genannt, womit die Vorderseite gemeint ist) und entlang der restlichen Kante. So schützt man Skier und Board vor Flugrost, während sie im Keller auf ihren nächsten Einsatz warten.

Noch mehr Tipps:

  • Im Fachhandel gibt es auch ein sogenanntes Kaltwachs-Set. „Das lohnt sich für jeden“, erklärt Aaron Schwegler. Das muss man einfach auf Skier oder Snowboard auftragen, um dann die Reste anschließend wieder mit einem Tuch zu entfernen. Die Wirkung reicht aber nur für einen Tag.
  • Hinter der Wachszusammenstellung steckt eine regelrechte Wissenschaft. Profis errechnen sich mit Hilfe einer Formel gemäß Temperatur und Schneebeschaffenheit die passende Zusammenstellung für den kommenden Skitag, die am Vorabend aufgetragen wird. „Die wenigsten müssen aber einen Weltcup gewinnen“, sagt Aaron Schwegler und lacht. Universalwachs ist in der Regel ausreichend.
  • Wem die Bindung von Skiern im Weg ist, schnappt sich einfach Einmachgummis und schnallt die Skistopper fest.