Korb

Tierische Einbrecher in Korb: Was tun gegen Waschbären im Garten?

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Symbolbild. © Pixabay/Rudy2006

Plötzlich wird man aus dem Schlaf gerissen, weil auf dem Balkon etwas laut in die Brüche geht. „Ich dachte, es wäre ein Einbrecher“, berichtet eine Leserin unserer Redaktion, die in diesem Artikel anonym bleiben möchte. Es war ein tierischer Dieb, ein Waschbär, der für Krach sorgte. Anscheinend interessierte er sich für das Obst, das die Familie aus Korb-Steinreinach auf einem Teller aussortiert hatte und am nächsten Tag auf den Kompost werfen wollte.

„Ich habe mich selber erschrocken“

Über eine direkte Treppe, die vom Garten auf den Balkon der Familie führt, verschaffte sich das Tier Zugang. Die Korberin schaltete das Licht an und stellte fest, dass ein „total irritierter“ Waschbär sie anschaute. „Natürlich, weil ich das Licht angemacht habe, hat er keinen Ausweg auf die Schnelle gesehen“, sagt sie und lacht, aber fest steht für sie: „Ich habe mich selber erschrocken.“

Diese Begegnung liegt inzwischen drei Jahre zurück. Dennoch hat die Familie insbesondere im Juli dieses Jahres immer wieder unerwünschten Besuch von Waschbären bekommen. Der mögliche Grund dafür: der Teich im Garten der Familie. „Ich wusste immer, dass da einer herumschleicht“, sagt die Korberin, „aber dass sie jetzt in unserem Teich planschen, das war schon ein Schreck.“

Mit einer Wildtierkamera zeichnete die Familie die Besuche auf. Sie zeige, wie die Waschbären in der Gruppe, teils nur zu zweit oder allein im Teich planschen. „Das ist unglaublich und ich weiß nicht, ob es immer die Gleichen waren“, sagt die Leserin. Doch die Tiere seien in den darauffolgenden Nächten wieder aufgetaucht.

Nachbarschaft informiert

Auch wenn die Waschbären ihrer Meinung nach „eigentlich putzig“ aussehen, sagt sie: „Ich habe ein bisschen Sorge, dass sich der Teich zu einem Treffpunkt entwickelt und dass sich die Tiere furchtbar vermehren.“ Gemeinsam mit ihrem Ehemann setzten sie die Nachbarschaft über die nächtlichen Besuche in Kenntnis und rieten ihnen, „Essbares nicht draußen stehen zu lassen“. „Ein Nachbar hat mir daraufhin berichtet, dass bereits bei ihm ein Waschbär auf dem Balkon im ersten Stock war“, sagt der Ehemann. Das Tier sei über eine Pflanze, die vom Boden bis zum Balkon wächst, gestiegen. „Dort hat es dann herumgetobt, bis ihn der Hausherr vertreiben konnte.“

Tiere finden im Wohngebiet Ruhe und Nahrung

Martin Mehrer, Jagdpächter im Revier Korb, hat eine Erklärung dafür, weshalb Waschbären öfter in Wohngebieten gesichtet werden. „Wildtiere werden aufgrund der extremen Freizeitnutzung der Wälder und der Umgebung, wo sie früher gelebt haben, oftmals schon verdrängt“, sagt er. Insbesondere seit Beginn der Corona-Pandemie, habe dieses Phänomen seiner Meinung nach zugenommen. Den Trend, dass wilde Tiere in Dörfer und Städte ziehen, gebe es seit längerem. „Aber der kommt gerade verstärkt vor, weil die Tiere im Wohngebiet eigentlich mehr Ruhe, mehr Nahrung finden als in den angestammten Refugien, die sie innehatten“, sagt der Jäger.

Sachbeschädigungen

Neben den Unannehmlichkeiten, die die Tiere verursachen, gebe es auch Gefahren für die Menschen. Das Erstere wäre, „dass sie Sachen zerstören können, dass sie sich Zugänge zum Haus verschaffen“, zählt Martin Mehrer auf. Manchmal verschafften sich die Raubtiere auch Zugang übers Dach und könnten dabei ihm zufolge einen Dachziegel wegnehmen oder etwas wegstoßen – und größere Sachschäden verursachen.

„Ich habe nicht erlebt, dass der Waschbär einen Menschen angegriffen hat“, sagt Mehrer. Ihm seien aber Geschichten zu Ohren gekommen, etwa dass ein Waschbär einen Hund angegriffen hätte. „Ich selber habe da noch keinen mit eigenen Augen gesehen.“ Darüber hinaus sagt er: „Der Kot der Waschbären kann Parasiten beinhalten, die für den Menschen schädlich sind.“

Was tun, wenn ein Waschbär im Garten auftaucht?

Wenn die Schäden im Garten, am Haus oder im Wohngebiet überhandnehmen, wäre die einzige Konsequenz, das Tier zu töten. Hierzu kann man sich an den Jäger oder an die Untere Jagdbehörde wenden, die wiederum Kontakt mit Jägern aufnimmt, erklärt Martin Mehrer. Die Fallenjagd sei nur dann zulässig, „wenn die Schonzeit für die einzelnen Tiere vorüber ist“. „Sonst könnte es sein, dass ich ein Elterntier fange – und ich darf es auch nicht freilassen. Dann müsste ich ein Elterntier töten und das werde ich keinesfalls tun.“

Auch muss der Korber Jagdpächter weitere Vorgaben beachten: „In einem Ort ist es nicht erlaubt, eine Jagd auszuführen. Die kann nur durch eine Ausnahmegenehmigung der unteren Jagdbehörde aufgehoben werden.“ Dazu gehöre auch, dass der Waschbär an Ort und Stelle getötet werden müsse. Denn: „Es gibt eine EU-Richtlinie, die den Transport von Waschbären verbietet“, sagt er, zudem komme noch hinzu, dass es verboten ist, „Waschbären auszusetzen“.

Plötzlich wird man aus dem Schlaf gerissen, weil auf dem Balkon etwas laut in die Brüche geht. „Ich dachte, es wäre ein Einbrecher“, berichtet eine Leserin unserer Redaktion, die in diesem Artikel anonym bleiben möchte. Es war ein tierischer Dieb, ein Waschbär, der für Krach sorgte. Anscheinend interessierte er sich für das Obst, das die Familie aus Korb-Steinreinach auf einem Teller aussortiert hatte und am nächsten Tag auf den Kompost werfen wollte.

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