Korb

Tierkrematorium erhitzt die Gemüter

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Walter Rupff (mit Mikrofon), seine Tochter Daniela Seiz (rechts neben ihm). © ZVW/Alexandra Palmizi

Korb. Die Gegner des geplanten Tierkrematoriums in Korb haben den Betreiber erneut aufgefordert, sich einen anderen Standort zu suchen. Tieba-Chef Walter Rupff, der im Gewerbegebiet eine Verbrennungsanlage für Haustiere errichten möchte, stellte sich beim Erörterungstermin des Landratsamts am Mittwochvormittag den Anwohnern. Die Sache wird wohl vor Gericht landen.


Unsere bisherige Berichterstattung zum Thema


Der Erörterungstermin in der Kleinheppacher Mehrzweckhalle hatte eben erst begonnen, da wurde Andreas Schulik bereits von einem Korber der „Paragrafenreiterei“ bezichtigt. Schulik arbeitet für den Fachbereich Gewerbeaufsicht und Immissionsschutz des Kreises. Das Urteil seiner Behörde wird mitentscheidend dafür sein, ob in Korb ein Tierkrematorium gebaut werden darf oder nicht. Den zahlreich erschienenen Anwohnern schmeckte gar nicht, was Schulik sagte: „Aus gesetzlicher Sicht“ habe Tieba-Chef Walter Rupff einen Anspruch darauf, im Gewerbegebiet anzusiedeln: „Wir können nicht einfach sagen: Herr Rupff, tut uns leid, die Bevölkerung ist dagegen, deswegen genehmigen wir das nicht.“

Bürgerinitiative: Tierkrematorium passt nicht in das Gebiet

Die Tieba AG, die in Remseck-Aldingen bereits ein Haustierkrematorium betreibt, möchte im Gewerbegebiet Unteres Gewässer in Korb eine zweite Verbrennungsanlage errichten. Dagegen hat sich eine Bürgerinitiative formiert. Die Korber sind der Meinung, dass ein Kleintierkrematorium nicht in eine Umgebung passt, in der Gastronomie, ein Lebensmittelmarkt und zahlreiche Wohnungen von Gewerbetreibenden angesiedelt sind. Herr des Verfahrens ist das Landratsamt des Rems-Murr-Kreises, das über den Antrag der Tieba AG auf immissionsschutzrechtliche Genehmigung zu entscheiden hat.

Der Erörterungstermin ermöglichte nun den vielen Korbern, die Einwendungen gegen das Vorhaben eingereicht haben, ihren Standpunkt näher zu erläutern. Tieba-Chef Walter Rupff sowie Andreas Schulik und Joachim Spindler von der Gewerbeaufsicht nahmen dazu Stellung.

Aus den Antworten auf die teilweise sehr spezifischen Fragen und Einwände der Bürger wurde ersichtlich: Es sieht gut aus für die Tieba AG.

Gegner sind verärgert

Denn die Gewerbeaufsichtsbehörde vertritt weiterhin die Ansicht, dass die Ansiedlung grundsätzlich möglich ist. Überprüft werden soll allerdings auf die Einwendungen hin, ob der Kamin hoch genug geplant und ein zusätzlicher Filter für die Abluft vonnöten ist. Parallel läuft außerdem die veterinärrechtliche Prüfung. Und Betreiber Walter Rupff muss noch Unterlagen nachreichen. Es wird also einige Zeit dauern, bis das Landratsamt zu einem abschließenden Ergebnis kommt. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass die Genehmigung erteilt wird.

Sehr zum Ärger der Gegner der Anlage. Diese argumentieren – zum Teil vertreten durch den Waiblinger Anwalt Steffen Waitzmann – in erster Linie mit der gewachsenen Struktur des Gewerbegebiets. Im „Unteren Gewässer“ wohnten mittlerweile so viele Menschen, dass es eher als „Mischgebiet“ zu bezeichnen sei, für das andere Grenzwerte gelten würden. Insofern sei der Bebauungsplan ungültig und damit die Rechtsgrundlage für die Ansiedlung. Anwohnerin Ruth Messer sagte: „Kein Tierkrematorium in Baden-Württemberg befindet sich direkt neben Wohnungen.“ Ein reines Industriegebiet sei viel besser geeignet. Ein Vertreter von Edeka Südwest – unweit der Boschstraße steht ein Lebensmittelmarkt der Kette – schlug in dieselbe Kerbe: „Würden wir gegen den Bebauungsplan klagen, würde er nichtig werden.“

Gestank wird befürchtet

Die Gewerbetreibenden befürchten, dass nach der Ansiedlung der Tieba AG Kunden fernbleiben, Immobilien an Wert verlieren, der Verkehr, Gestank und Lärm zunehmen – oder schlichtweg, dass ihnen beim Gedanken daran, dass nebenan Tiere verbrannt werden, das Frühstück nicht mehr schmeckt. Und, das wurde deutlich, sie trauen der Firma nicht so recht über den Weg.

Martin Berg, der im Wohngebiet Bühl lebt, befürchtet, dass seine Lüftungsanlage bald Rauch und Gestank verbrannter Tiere ansaugt. So oft Walter Rupff und die Experten des Landratsamts auch betonen, dass es nach der thermischen Nachverbrennung bei über 850 Grad Celsius nichts mehr zu riechen gibt und auch kein Qualm mehr aus dem Schornstein dringt – „das kann ich glauben oder nicht“, sagt Berg.

Auch bei der befürchteten Menge an Tieren, die in der Verbrennungsanlage eingeäschert werden sollen, lassen sich die Gegner nur schwer beschwichtigen. Die Zulassung gilt für bis zu zehn Tonnen am Tag. „Ich kann es nicht mehr hören“, klagte Walter Rupff. Seine Anlage werde aus Kapazitätsgründen höchstens zwei Tonnen am Tag schaffen, und selbst das sei ein rein theoretischer Wert, der niemals erreicht würde. In Aldingen käme die Tieba auf durchschnittlich 0,24 Tonnen täglich. Die höhere Kapazität habe er nur beantragt, um dahingeschiedene Hunde annehmen zu dürfen, die mehr als 49 Kilogramm wiegen.

„Wir werden verklagt werden, davon gehen wir aus“

Die Anwohner aber befürchten, Rupff könnte nachrüsten und irgendwann doch viel größere Mengen an Haustieren kremieren. Eine Lösung, die ihnen diese Furcht nehmen könnte, regte Andreas Schulik an: Der Betreiber könne sich in seinem Antrag freiwillig verpflichten, die zwei Tonnen pro Tag nicht zu überschreiten. „Es wird kein Problem sein, auf diese Höchstmenge einzugehen, weil ich sie sowieso nicht erreiche“, erklärte der Tieba-Chef.

Dass der Fall vor Gericht landet, scheint unausweichlich. Immissionsfachmann Andreas Schulik sagte am Ende der Veranstaltung: „Wir werden verklagt werden, davon gehen wir aus, sind wir ganz offen.“ Nur von welcher Seite, das ist noch nicht endgültig entschieden.


Unsere bisherige Berichterstattung zum Thema

03.05.2019: Widerstand gegen Tierkrematorium

08.05.2010: Widerstand gegen Tierkrematorium: Korber Bürger machen Druck

20.05.2019: Geplantes Tierkrematorium in Korb: "Sie werden absolut nichts riechen"

22.05.2019: Wegen geplantem Tierkrematorium: Korber Gemeinderäte laufen Sturm

24.07.2019: Tierkrematorium: Schlappe für Gegner


Die Rolle der Gemeinde Korb

Das geplante Tierkrematorium beschäftigt Korb schon seit Monaten. Den Erörterungstermin hatte das Landratsamt ursprünglich auf Ende Juli angesetzt, dann aber auf Wunsch der Gemeinde vertagt. Hintergrund: Im Mai – in der letzten Sitzung vor der Kommunalwahl – hatte der Gemeinderat sich geschlossen hinter den Protest der Anwohner gestellt. Auf Antrag der CDU/FW-Fraktion hatten sie beschlossen, „dass die Gemeinde Korb alle Möglichkeiten nutzen soll, um die Errichtung eines Tierkrematoriums (...) im Gewerbegebiet in Korb zu verhindern“.

Im Juli präsentierte Bürgermeister Jochen Müller dem Gemeinderat einen Plan, die Ansiedlung der Tieba AG zu verhindern: durch eine Änderung des Bebauungsplans. Doch der Antrag fiel überraschend durch – weil das Gremium nach der Wahl neu besetzt war und einigen Räten die Vorgehensweise unfair erschien.

Der Bauantrag der Tieba AG ist dem Gemeinderat erstmals im Oktober 2018 nichtöffentlich vorgestellt worden. Da hatte eine vorläufige baurechtliche Prüfung der Verwaltung bereits ergeben, dass „keine nachbarschützenden Belange verletzt werden“. Doch der Antrag wurde obsolet, als die Korber feststellten, dass das Krematorium immissionsschutzrechtlich vom Landratsamt genehmigt werden muss. Die Tieba reichte abermals einen Antrag ein, nun beim Kreis.