Korb

Tierkrematorium in Korb: Landratsamt erklärt, weshalb Schadstoffausstoß nicht untersucht wurde

Tieba
Das Tierkrematorium in der Boschstraße in Korb. © ZVW/Benjamin Büttner

Weil ein Gutachten zum möglichen Schadstoffausstoß des Tierkrematoriums in Korb fehlte, untersagte das Verwaltungsgericht Stuttgart vorerst die Inbetriebnahme. Das Gericht bemängelte, dass ein Gutachten dazu fehlt, welche Schadstoffe in welcher Menge ausgestoßen werden könnten. Wie kann das sein?

Zuständig ist das Amt für Umweltschutz des Landratsamts. Auf Nachfrage hat die Behörde unserer Redaktion geantwortet, weshalb das vom Gericht geforderte Gutachten gefehlt hat. „Bei Anträgen zu immissionsschutzrechtlich genehmigungsbedürftigen Anlagen liegt es verständlicherweise nahe, mit einer Immissionsprognose belastbare Aussagen zu den zu erwartenden Umweltbelastungen zu finden“, schreibt die Pressestelle des Landratsamts. „Die Behörde ist dabei aber verpflichtet, die Verhältnismäßigkeit zu wahren und nicht mit Kanonen auf Spatzen zu schießen.“

Wann wird die Immissionskenngröße bestimmt?

Bei der Beurteilung der Anlage in der Boschstraße habe das Amt für Umweltschutz „die Anforderungen der neuen Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft (TA Luft) herangezogen“. Laut dem Bundes-Immissionsschutzgesetz sind die TA Luft und die TA Lärm neben zahlreichen Rechtsverordnungen die zwei bedeutenden Verwaltungsvorschriften für solche Anlagen. Die TA legt auch fest, ab wann die Immissionskenngrößen (Immissionsprognosen) bestimmt werden müssen, so das Landratsamt. Nämlich dann, „wenn sogenannte Bagatellmassenströme verschiedener Schadstoffe überschritten werden“.

Volumenstrom beim Tierkrematorium viel geringer als bei Müllverbrennung

Relevant seien bei einem Tierkrematorium Schwefeldioxid (15 kg/h), Staub (0,8 kg/h) und Stickstoffoxide (15 kg/h). Um diese Werte zu überschreiten, müsste das Krematorium laut Landratsamt „einen Abgasvolumenstrom von circa 40 000 m3/h aufweisen“. Das entspreche einem Abgasvolumen einer Müllverbrennungsanlage. Der tatsächliche maximale Volumenstrom beim Tierkrematorium in Korb betrage aber nur 2400 Kubikmeter pro Stunde, weshalb das Amt für Umweltschutz es nicht für erforderlich gehalten hat, die Immissionskenngrößen zu bestimmen. Das Verwaltungsgericht sieht das anders.

Dennoch seien die Einwände der Anwohner berücksichtigt worden, so das Landratsamt. Deshalb habe sich das Amt mit dem Anlagenbetreiber Walter Rupff darauf geeinigt, dass die Schornsteinhöhe im Bedarfsfall um weitere zwei Meter aufgestockt werden kann. Das Umweltschutzamt geht davon aus, dass das nicht erforderlich sein wird. „Denn in der Einäscherungsanlage werden, bevor die Abgase den Ofen verlassen, für zwei Sekunden Verbrennungstemperaturen von mindestens 850˚C erreicht, damit alle Moleküle der vorhandenen Schadstoffe oder auch nur Geruchsstoffe in ihre Atome zerlegt werden. Erst im weiteren Abgasstrom werden die Atome wieder zu Molekülen rekombiniert.“

Diese Vorgehensweise stamme aus der Technik für Müllverbrennungsanlagen und Humankrematorien, wo unterschiedlichste Stoffe, welche die Anlagenbetreiber im Detail nicht kennen, zur Verbrennung eingebracht werden, heißt es aus dem Landratsamt. Deshalb müsse es sichergestellt sein, dass keine gefährlichen Verbindungen mehr im Abgasstrom sind.

Amt: "Kritische Schadstoffquellen ausgeschlossen"

Der Unterschied bei der Anlage in Korb zu Humankrematorien oder Müllverbrennungsanlagen sei, dass bei der Verbrennung von Tieren „keine Störstoffe wie Holzsärge, Lacke, Innenausstattung von Särgen, Kleidung wie Leder, elektronische Implantate“ hinzukommen, wie sie bei der Einäscherung von Menschen in die Feuerung gelangen. Deshalb: „Die kritischen Schadstoffquellen sind also hier ausgeschlossen. Es verbrennt nur das Tier und eine PE-Hülle, in die das Tier eingepackt wird, damit Körperflüssigkeiten nicht freigesetzt werden.“

Die Frage, ob nun ein Gutachten durchgeführt wird, konnte am Montag nicht beantwortet werden.

Was sagen die Gemeinderäte?

Der Bau einer Verbrennungsanlage für Tierkörper in der Boschstraße hatte von Anfang an für Ärger und Frust bei den Anwohnern gesorgt. Doch trotz aller Bürgerproteste wurde das Tierkrematorium vergangenes Jahr gebaut. Dabei wollte die Verwaltung die Bebauungspläne im Gewerbegebiet mit Zustimmung des Gemeinderats ändern, um die Ansiedlung des Tierkrematoriums zu verhindern. Doch der Plan scheiterte nach der Kommunalwahl im teilweise neu besetzten Gemeinderat bei neun Pro-, neun Contra-Stimmen und einer Enthaltung.

Wie stehen die Fraktionen heute dazu? Beim Thema Schadstoffausstoß verweisen die Korber Freien Bürger auf das Landratsamt. „Der Gemeinderat von Korb hat hier kein Mitspracherecht und ihm sind auch rechtlich die Hände gebunden“, teilt Fraktionsvorsitzender Albrecht Ulrich auf Nachfrage mit. „Die Bürgerinitiative dagegen hat das Recht, gegen die Genehmigung des Landratsamtes zu klagen, was sie jetzt ja vor dem Verwaltungsgericht getan hat.“ Die Fraktion zieht es vor, auf das endgültige Urteil des Verwaltungsgerichts zu warten. Falls es zu dem Entschluss kommen sollte, dass die Anlage nicht betrieben werden darf, werde seine Fraktion das „begleiten“, sagt Ulrich. „Korber Bürger dürfen natürlich zu keiner Zeit schädlichen Immissionen ausgesetzt werden. Das muss strengstens und lückenlos kontrolliert sowie transparent dokumentiert werden.“

SPD: "Horrorszenarien wurden aufgeworfen"

Die SPD-Fraktion hätte sich ein Tierkrematorium zwar an einer anderen Stelle gewünscht, aber dennoch gilt für sie: „Wenn alle geforderten Gutachten vorliegen und alle Vorgaben erfüllt sind, sollte die Firma den Betrieb aufnehmen können.“ Darüber hinaus sei vor zwei Jahren Fraktionsvorsitzender Jürgen Klotz in Aldingen vor Ort gewesen, um sich die bestehende Anlage von Walter Rupff anzuschauen. „Wir bringen für die Bedenken der Anwohner volles Verständnis auf, jedoch sind viele ihrer Befürchtungen in einer Weise dargestellt worden, die uns massiv missfiel“, teilen Jürgen Klotz und Regina Hauser mit. Es seien „Horrorszenarien“ aufgeworfen worden, die Gegner hätten „gezielt mit den Ängsten der Menschen gespielt“. Das sei „weder sachlich noch fair“ gewesen.

Martin Zerrer, Fraktionsvorsitzender der CDU/Freie Wähler, begrüße zwar als Tierbesitzer die Tätigkeit von Walter Rupff, ist bei der Realisierung des Krematoriums in Korb aber skeptisch. Die Auswahl des Standorts ist aus seiner Sicht eine „unglückliche Entscheidung“. Schließlich sei das Gebiet Unteres Gewässer dicht besiedelt. Für eine solche Anlage eignet sich seiner Meinung nach ein Industriegebiet. Ähnlich hat sich auch die Initiative, die das Tierkrematorium verhindern will, geäußert. Dennoch sagt Zerrer: „Rechtlich wird Walter Rupff es sicherlich durchbringen, ob er dort glücklich wird, das bezweifle ich.“

Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen teilt auf Nachfrage mit: „Die lufttechnische Begutachtung obliegt dem Landratsamt, und das hat zugestimmt. Wir maßen uns nicht an, diesbezüglich mehr zu ,wissen’ als die Experten.“ Bezüglich der Anwohnerproteste schreibt Fraktionsvorsitzender Gerhard Brenner: „Wenn ich in ein Gewerbegebiet ziehe, um dort zu wohnen, weiß ich das eigentlich.“

Bei dem Gebiet Unteres Gewässer liegen drei Bebauungspläne zugrunde, so die Gemeinde, „die alle die Festsetzung Gewerbegebiet haben“. Das Gewerbegebiet lässt eine gewisse Wohnnutzung für Gewerbetreibende zu.

Weil ein Gutachten zum möglichen Schadstoffausstoß des Tierkrematoriums in Korb fehlte, untersagte das Verwaltungsgericht Stuttgart vorerst die Inbetriebnahme. Das Gericht bemängelte, dass ein Gutachten dazu fehlt, welche Schadstoffe in welcher Menge ausgestoßen werden könnten. Wie kann das sein?

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Zuständig ist das Amt für Umweltschutz des Landratsamts. Auf Nachfrage hat die Behörde unserer Redaktion geantwortet, weshalb das vom Gericht geforderte Gutachten gefehlt hat. „Bei

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