Korb

Von Korb nach Waiblingen-Beinstein: Was sich beim Weingut Zimmerle verändert hat

WeingutZimmerle
Jens Zimmerle zeigt die neue Vinothek des Weinguts. © Gaby Schneider

Ein ganzes Weingut umziehen? Das haben die Zimmerles getan. Seit Ende des Jahres befindet sich das Weingut Zimmerle nicht mehr in der Kirchstraße in Korb, sondern ist nun ganz offiziell in Waiblingen-Beinstein gemeldet. „Das macht man nur einmal im Leben“, sagt Jens Zimmerle schmunzelnd.

Immerhin hat das Bauprojekt des neuen Weinguts in Beinstein rund acht Jahre gedauert. Der Bezug zu Korb bleibt dennoch erhalten: „Die größten Flächen des Weinguts, also die Weinberge, sind weiterhin in Korb“, sagt der 42-jährige Winzer.

In drei Trakten spielt sich nun das Arbeitsleben ab

Die neue Adresse lautet „Belzer 100“ und beherbergt drei neue zentrale Gebäude. Oder auch „Trakte“, wie Zimmerle sie nennt. Im vorderen länglichen Gebäude finden unter anderem Produktion und Abfüllung der Weine statt. In dem weißen doppelstöckigen Haus daneben liegen die Vinothek und das Büro. Dahinter steht ein weiteres Gebäude, welches mit Gastraum, Bar und Küche Platz für Veranstaltungen des Weinguts bietet. Das solle aber kein Gastronomie-Betrieb werden, so Jens Zimmerle, der im Weinguide 2022 „Vinum“ zum „Winzer des Jahres“ gekürt wurdeund zuletzt dreimal den Deutschen Rotweinpreis erhalten hat.

Die ersten Trauben wurden bereits im Herbst 2022 in der neuen Halle verarbeitet. Den alten Räumlichkeiten in Korb sei das Weingut mit den Jahren „organisch“ entwachsen. Es wurde eng in den Betriebsgebäuden in der Kirchstraße. Dort sei sehr viel Zeit dabei verloren gegangen, Dinge von A nach B zu räumen. „Und davon merkt man am Ende am Wein nichts“, sagt Jens Zimmerle. Am neuen Standort haben die Weinmacher nun genügend Platz, um sich ganz ihrem Produkt zu widmen. „Unser Job ist es, guten Wein zu machen.“ Was aus den alten Betriebsgebäuden in der Kirchstraße wird, bleibt noch offen. „Wenn erst mal Ruhe einkehrt, machen wir uns Gedanken und Ideen darüber, wie es dort weitergeht.“

Das Weingut sei keine „One-Man-Show“

Die Neubauten spiegeln die Werte wider, mit denen Jens Zimmerle das Weingut zukunftsfähig machen will: modern, fortschrittlich und ein wenig „back to the roots“ (dt. zurück zu den Wurzeln). Ein Ziel sei es zum Beispiel, so wenig wie möglich in den Weinberg einzugreifen, „um authentischen Wein zu produzieren“.

Doch ein Weingut sei keinesfalls eine „One-Man-Show“. Dazu gehöre das gesamte Team. Für Mitarbeiter und Familie hat sich Jens Zimmerle vorgenommen, das Leben und die Arbeit auf dem Weingut zu optimieren. Neben den normalen Angestellten sollen sich auch zukünftige Azubis und Praktikanten auf dem Weingut wohlfühlen. Das gelte gleichermaßen für die Kunden. „Wir haben hier nun eine andere Möglichkeit, die Weine zu präsentieren“, sagt Jens Zimmerle. Das sei gerade in Krisenzeiten wie der Corona-Pandemie wichtig, um Kunden langfristig zu binden.

PV-Anlage auf dem Dach liefert nötigen Strom

Darüber hinaus soll sich auch die lange Planungszeit des Neubaus bezahlt machen. Auf das Dach haben die Zimmerles eine Photovoltaik-Anlage bauen lassen, um Strom für das Weingut zu erzeugen. Was die fossilen Brennstoffe angeht, solle der Betrieb bis zu 90 Prozent autark sein, so Zimmerle. Und: Die PV-Anlage, die sich noch erweitern lässt, soll dafür sorgen, dass die Räume im Sommer mittels eines Belüftungssystems gekühlt werden. In der Praxis sieht es so aus: „Wenn draußen um die 40 Grad sind, was in Zukunft wahrscheinlich häufiger vorkommen wird, kann die Raumtemperatur durch die gewonnene Energie heruntergekühlt werden“, erklärt Jens Zimmerle, der mit Frau und Tochter auf dem Weingut lebt.

Zwar steht der Großteil der Gebäude schon, trotzdem müssen noch ein paar Dinge auf dem Weingut gemacht werden. „Als Nächstes sind die Außenanlage und die Bepflanzung dran.“ Während alles Gestalt annimmt, plant der Familienbetrieb bereits eine große Eröffnungswoche – mit Führungen über das Weingut. Diese soll im Mai stattfinden.

Herstellung von Obstbränden aus eigenem Bestand

In den vergangenen Jahren habe es aber nicht nur positive Momente gegeben. „Die ersten fünf Jahre waren zäh“, sagt Jens Zimmerle über die anfängliche Bauzeit. Während des langen Genehmigungslaufes habe sich die Familie auch mal die Frage gestellt: „Ist es das alles wert?“ Immerhin, so der Winzer, habe es nicht nur Fürsprecher für das Riesenprojekt gegeben. Doch ein Zurück gibt es für die Zimmerles nicht. Und so will der Weinbauer nun den Fokus nicht mehr auf Baupläne, sondern darauf legen, wie er den Wein und das Weingut voranbringen kann. Mit dem Umzug fallen auch andere Probleme weg.

Als der Betrieb noch in der Ortsmitte in Korb angesiedelt war, wurde das Weingut im Herbst 2021 während der Weinlese wegen Lärmbelästigung angezeigt. Diese Aktion stößt bei Jens Zimmerle auf gemischte Gefühle – einerseits Verständnis, andererseits „schaut man ja, dass man es im Griff hat“, sagt er. „Die Weinlese dauert zwei bis vier Wochen im Jahr.“ Ein Zeichen, dass der Betrieb in der Wohngegend immer wieder auf Gegenwind stoßen könnte.

Das Weingut Zimmerle war ursprünglich ein „Mischbetrieb“aus Ackerbau, Vieh und Weinbau, der von Jens Zimmerles Großeltern gegründet wurde. „Zu einer Zeit, als noch viele Betriebe in der Ortsmitte ansässig waren“, sagt er. Erst mit dem Vater des 42-Jährigen wurde ein Weingut daraus. Im Jahr 2014 übernahm Jens Zimmerle die Leitung. Neben Wein werden in den Brennereien des Guts Brände hergestellt. „Für die Zukunft wollen wir uns nicht nur auf eine Kultur konzentrieren, sondern aus regionalem Obst Brände herstellen.“

Ein ganzes Weingut umziehen? Das haben die Zimmerles getan. Seit Ende des Jahres befindet sich das Weingut Zimmerle nicht mehr in der Kirchstraße in Korb, sondern ist nun ganz offiziell in Waiblingen-Beinstein gemeldet. „Das macht man nur einmal im Leben“, sagt Jens Zimmerle schmunzelnd.

Immerhin hat das Bauprojekt des neuen Weinguts in Beinstein rund acht Jahre gedauert. Der Bezug zu Korb bleibt dennoch erhalten: „Die größten Flächen des Weinguts, also die Weinberge, sind weiterhin

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