Korb

Von Kosovo nach Korb: Familie Olluri hält sich mit ihrer Reinigungsfirma trotz Corona über Wasser

Reinigung Kosovo
Sahadete (links) und Xhemajl Olluri beladen ihr Auto mit Reinigungsutensilien. © Gabriel Habermann

Die Familie Olluri ist 2015 aus dem Kosovo geflüchtet, war zuerst in Karlsruhe und kam danach nach Korb in die Anschlussunterbringung. „Das war großes Glück, dass wir in Korb gelandet sind“, sagt Familienvater Xhemajl Olluri. „Wir“, das sind Ehefrau Sahadete und er und der zwölfjährige Sohn Bleon. In Korb fühlt sich die dreiköpfige Familie wohl und gut aufgenommen - auch, wenn sie nach einer Abschiebung eineinhalb Jahre getrennt waren. 

Wegen der Pandemie hat der Familienvater seine Arbeit verloren

Für den 44-jährigen Xhemajl Olluri gab es als Fernkraftfahrer, Monteur oder Reparateur von Rollläden bislang immer Arbeit. Allerdings ist der Familienvater seit zwei Monaten arbeitslos. „Die Probezeit habe ich bestanden“, sagt er. Doch dann habe ihm die Pandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht. Gehen musste der, der als Letztes in der Firma angefangen hatte zu arbeiten – also Xhemajl Olluri.

Reinigungsfirma der Olluris bekommt etwa zehn Prozent weniger Aufträge

Ehefrau Sahadete Olluri hingegen ist als Gebäudereinigerin tätig. Im Jahr 2019 hat die Familie als zweites Standbein die Firma „BO Korb Haushalts- und Reinigungsservice“ gegründet. Saubermachen und Reinigen, sei es in der Wohnung, im Treppenhaus oder im Garten – das bietet Sahadete Olluri an. Zu ihren Kunden gehören hauptsächlich private Haushalte. Auch auf ihre Arbeit hat sich die Pandemie ausgewirkt, erzählt sie. Etwa um zehn Prozent seien die Aufträge zurückgegangen. Nicht weil die Kunden unzufrieden gewesen sind, unterstreicht ihr Ehemann, sondern wegen Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus.

Doch es gibt auch Kunden, die nicht auf die Reinigungshilfe verzichten wollen. Sie haben das so geregelt, dass Sahadete Olluri dann zum Arbeiten in die Wohnung kommt, wenn der Auftraggeber beispielsweise mit dem Hund Gassi gehen oder aber zum Einkaufen gefahren ist. Den Umständen entsprechend läuft ihre Arbeit gut. Aber: „Meine Frau hat zwar Aufträge, aber nicht so viele, dass es für uns beide ausreicht“, sagt der 44-Jährige.

Gearbeitet hat der Familienvater auch als Fernkraftfahrer für ein Unternehmen, das seinen Sitz in Weinstadt hat. Dadurch war Xhemajl Olluri auch gerade auf dem Weg nach München, um Lebensmittel auszufahren, als seine Frau und sein Sohn von der Polizei mit Blaulicht abgeholt und in den Kosovo abgeschoben wurden. Ihr Leben änderte sich von einem Tag auf den anderen. „Das war der achte Geburtstag von Bleon“, erinnert sich Sahadete Olluri. Am Mittag wollte der Junge mit seinen Freunden aus der Schule und Nachbarschaft Geburtstag feiern.

Doch statt mit seinen Freunden am Geburtstagstisch zu sitzen, saß er mit seiner Mutter im Flieger, der von Baden-Baden in Richtung Kosovo abhob. An den Tag kann sich der heute Zwölfjährige nicht mehr genau erinnern, nur an den Flug. Er habe sich sehr gefreut, sagt er, weil er zum ersten Mal in seinem Leben in einem Flugzeug saß.

Abgeschoben: 18 Monate lang waren Frau und Sohn in Kosovo

Was ihm wie ein Abenteuer vorkam, war für Mutter und Vater ein Alptraum. 18 Monate lang waren die Olluris auseinandergerissen. Vater Xhemajl suchte sich Unterstützung in der Gemeinde und erhielt sie vom Freundeskreis Asyl. Grünen-Gemeinderat Gerhard Brenner, der im Jahr 2015 die Flüchtlingsunterkunft leitete, nahm Kontakt mit dem Innenministerium und mit der deutschen Botschaft im Kosovo auf, wie er erzählt.

Abschiebung war rechtswidrig

„Die Abschiebung war rechtswidrig“, sagt Brenner. „Es lief noch ein Härtefallantrag.“ Nach langem E-Mail-Verkehr und mehreren Telefonaten sei es ihm schlussendlich gelungen, Sahadete und Bleon Olluri zurückzuholen. Und zwar genau einen Tag vor Weihnachten, sagt Gerhard Brenner. „Das war das größte Geschenk“, findet Xhemajl Olluri. An den Tag, an dem er am Stuttgarter Flughafen seine Frau und seinen Sohn wieder in die Arme schließen konnte, kann er sich noch sehr gut erinnern. Damit Bleon keine Schwierigkeiten in der Schule bekommt, gab’s Nachhilfe. „Unsere Nachbarin hat Bleon geholfen, wieder Deutsch zu sprechen“, berichtet die 33-jährige Mutter. Für Bleon – offen, kommunikativ und hilfsbereit, wie ihn seine Eltern beschreiben – sei es kein Problem gewesen, sich wieder in Deutschland einzuleben.

Noch heute sammelt Xhemajl Olluri alle Schreiben von damals in einem dicken Ordner. Auch das Schreiben seines Anwalts, auf dem steht, dass die Abschiebung rechtswidrig sei, hat er sorgfältig eingeheftet. Der heute 44-Jährige hatte damals Glück im Unglück, weil er berufsbedingt unterwegs war und deshalb nicht abgeschoben werden konnte. Auch wenn ihm damals der Beruf des Fernkraftfahrers vor einer Abschiebung gerettet hat, möchte er von nun an bei seiner Familie bleiben. Deshalb hat er sich in seinen Bewerbungen auf Berufe wie Hausmeisterdienste, Reparatur und Montage konzentriert.

Die Familie Olluri ist 2015 aus dem Kosovo geflüchtet, war zuerst in Karlsruhe und kam danach nach Korb in die Anschlussunterbringung. „Das war großes Glück, dass wir in Korb gelandet sind“, sagt Familienvater Xhemajl Olluri. „Wir“, das sind Ehefrau Sahadete und er und der zwölfjährige Sohn Bleon. In Korb fühlt sich die dreiköpfige Familie wohl und gut aufgenommen - auch, wenn sie nach einer Abschiebung eineinhalb Jahre getrennt waren. 

Wegen der Pandemie hat der Familienvater seine

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