Korb

Wohnungen statt Gewächshäuser: Anwohner in Korb fürchten um ihren Sonnenuntergang

baustelle
Wo einst Gewächshäuser standen und Tiere gehalten wurden, türmen sich derzeit Schutt und Asche in Korb. Sind die Abbrucharbeiten erledigt, werden Wohnungen gebaut. © Sebastian Striebich

Für manche ihrer Kunden im Blumenladen sei es immer noch ein Schock, sagt Bärbel Schatz, wenn sie sehen, wie es zwischen der Kirch- und der Fröbelstraße jetzt aussieht. Dort standen seit Jahrzehnten die Gewächshäuser der Gärtnerei. Im obersten wurde seit 30 Jahren Kirbe gefeiert, dazwischen hielt die Familie zahlreiche Tiere. Von diesem einstigen Idyll ist nichts mehr zu sehen. Momentan gleicht das Gelände eher einem Trümmerfeld. Die Grundrisse des ehemaligen Verkaufsladens an der Fröbelstraße sind noch zu erahnen, die Gewächshäuser oberhalb wurden plattgemacht. Derzeit schafft ein großer Bagger Schutt von A nach B – bald sollen hier zwei neue Wohnhäuser mit insgesamt 19 Wohnungen aus dem Boden wachsen. Das sorgt für Ärger in der Nachbarschaft.

Familie Schatz hat die Fläche aus wirtschaftlichen Gründen verkauft

Das Bauland zwischen Fröbel- und Kirchstraße hat die Familie Schatz an einen Investor verkauft, der dort jetzt die beiden Wohnhäuser mit Tiefgarage baut. Das war eine wirtschaftliche Entscheidung des Familienbetriebs, der sich von einer Gärtnerei in einen reinen Blumenladen verwandeln wird. Der Nutzen der vier, fünf ineinander verschachtelten Gewächshäuser hatte die hohen Unterhaltungskosten einfach nicht mehr gerechtfertigt, erklärt Bärbel Schatz unserer Zeitung. Momentan findet der Blumenverkauf in der Fröbelstraße provisorisch vor dem Schatz’schen Wohnhaus statt. Bald soll der Laden (mit einer Wohnung im Ober- und Dachgeschoss) dort neu aufgebaut werden, wo bisher das Gewächshaus stand, das schon seit einiger Zeit als Verkaufsraum genutzt worden war.

Der Korber Gemeinderat hat der Planung für diesen Bereich bereits vor etwas mehr als einem Jahr zugestimmt und beschlossen, einen neuen Bebauungsplan für das Gebiet aufstellen zu lassen. Im Oktober 2019 wurde ein erster Entwurf gebilligt, Mitte Mai dieses Jahres hat der Gemeinderat den Plan als Satzung beschlossen – bei einer Enthaltung und immerhin fünf Gegenstimmen aus dem Gremium. Denn das Bauprojekt ist nicht unumstritten.

Bangen um den Sonnenuntergang

Im Gegenteil: Als der Plan öffentlich auslag, reichten zahlreiche Anwohner ihre Einwände gegen das Projekt beim Bauamt ein: Die Häuser seien zu hoch geplant und fügten sich nicht harmonisch in das Ortsbild ein – „die Sicht auf den Korber Kopf“ sei „selbst aus den Ober- und Dachgeschossen der Fröbelstraße“, die ja tiefer liegt als die Kirchstraße, „nicht mehr möglich“. In einer anderen Stellungnahme bangen Anwohner um den Sonnenuntergang, den sie seit Jahren genießen. In Zukunft säßen sie schon nachmittags im Schatten, „dies führt zu einer Minderung unserer Lebensqualität und der Wert unserer Häuser sinkt“.

Besonders stark betroffen sind die Bewohner des Hauses Kirchstraße Nummer 26. Das kleine, von der Straße abgerückte Gebäude droht durch den Neubau quasi verschluckt zu werden. Ihr schmales Hanggrundstück und das Haus, schreiben die Korber, die erst vor einigen Jahren hergezogen sind, werde „in puncto Nähe, Dimensionen und insbesondere maßlos überzogener Höhe buchstäblich in den Schatten“ gestellt. Andere Einwendungen zielen unter anderem auf zunehmenden Verkehr und Parkdruck ab, auf eine Überlastung des Stromnetzes und der Internetversorgung.

„Wir können das im Gemeinderat nicht einfach ignorieren“, sagte SPD-Rätin Regina Hauser, als das Thema Mitte Mai auf der Tagesordnung stand. Die Einwände hätten zu keiner Änderung geführt. „Aus meiner Sicht sind die privaten Belange zu wenig berücksichtigt worden“, sagte Hauser. Stattdessen sei „einseitig“ für den Investor entschieden worden. Was die Hausnummer 26 in der Kirchstraße angehe, sprach der Grüne Gerhard Brenner gar von einer „Enteignung, so klitzeklein, wie das Haus da drin sitzt.“

Gegen das Bauprojekt ist rechtlich nichts einzuwenden

Dass die Anwohner angesichts der Neubaupläne schlucken müssen, dafür hat auch Bürgermeister Jochen Müller schon öffentlich Verständnis gezeigt: „Jeder, der sagt, das ist entspannt, der hat den Plan nicht angeschaut.“ Das ändert aber nichts an der grundsätzlichen Haltung der Gemeinde, der eine große Mehrheit der Bürgervertreter ja folgt: Gegen das Bauprojekt ist rechtlich nichts einzuwenden.

Das Bauamt um Leiter Dietmar Kümmerlen argumentiert dabei unter anderem mit der „Schaffung von dringend benötigtem Wohnraum unter Schonung von wertvollen Außenbereichsflächen“ und mit eingehaltenen Mindestabständen und anderen Vorgaben der Landesbaurechtsverordnung. Kümmerlen entkräftet die Furcht vor Hochwasser mit unterm Strich sogar weniger versiegelter Fläche als zuvor und entgegnet der Angst vor erhöhtem Parkdruck mit den vielen Stellplätzen in der geplanten Tiefgarage. Das Stromnetz sei stark genug für die neuen Häuser, und auch von Einbußen bei der Datenversorgung sei nicht auszugehen. Kurz: Es ist das gute Recht des Investors, hier genau so zu bauen.

Blumenladenbesitzerin Bärbel Schatz wird selbst ein wenig schwer ums Herz, wenn sie an die Gewächshäuser, die Tiere und die Pflanzen denkt, die jahrzehntelang das Bild der Nachbarschaft geprägt haben. Den Ärger mancher Anwohner, gerade der erst später zugezogenen in Hausnummer 26, kann sie verstehen. Und doch, glaubt sie, dass sich die Gemüter beruhigen werden, jetzt, da das Bauamt schon viele Befürchtungen entkräftet habe: „Es muss ja vorwärtsgehen.“

Für manche ihrer Kunden im Blumenladen sei es immer noch ein Schock, sagt Bärbel Schatz, wenn sie sehen, wie es zwischen der Kirch- und der Fröbelstraße jetzt aussieht. Dort standen seit Jahrzehnten die Gewächshäuser der Gärtnerei. Im obersten wurde seit 30 Jahren Kirbe gefeiert, dazwischen hielt die Familie zahlreiche Tiere. Von diesem einstigen Idyll ist nichts mehr zu sehen. Momentan gleicht das Gelände eher einem Trümmerfeld. Die Grundrisse des ehemaligen Verkaufsladens an der

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper