Leutenbach

Überschwemmung bei Gewitter: Karte zeigt Risikostellen in Leutenbach

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Straße überflutet: Einsatz der Feuerwehr im August in Nellmersbach. © feuerwehr leutenbach

Nach dem enormen Gewitter im August und den dadurch verursachten Schäden sollen von Starkregen gefährdete Gebäude und Einrichtungen identifiziert und in einer Karte dargestellt werden. Dies soll Bürger informieren und insbesondere Grundstückseigentümern helfen, selbst Vorsorge zu treffen. Diese Starkregengefahrenkarte soll, wie die Hochwassergefahrenkarte, außerdem der Gemeinde die Möglichkeit bieten, bereits in Baugenehmigungsverfahren auf Risiken hinzuweisen, so dass Bauherren bei ihrer Planung ebenfalls vorsorgen können. Außerdem sollen noch früher, im Zuge der Bauleitplanung, bei der Ausweisung neuer Baugebiete durch die Gemeinde spätere mögliche Probleme durch Überflutungen berücksichtigt oder, noch besser, vermieden werden.

Vom Land gibt es dazu einen Handlungsleitfaden, um anhand dessen ein „Starkregenrisikomanagement“ betreiben zu können. Das Land fördert die Kommunen mit 70 Prozent der Kosten. Die Zusage über knapp 37 000 Euro kam Anfang Dezember. Zum „Management“ gehören hydraulische Berechnungen, mit denen Abflussmodelle und auf deren Grundlage Gefahrenkarten erstellt werden können.

Die Gemeinde hat drei Planungsbüros zur Abgabe eines Angebots aufgefordert, es kamen zwei, das günstigere in Höhe von rund 52 000 Euro vom Büro Weber engineering aus Kornwestheim. Das ist in Leutenbach ohnehin für den Allgemeinen Kanalisationsplan zuständig, das passt insofern, weil an vielen Stellen das Oberflächenwasser über die Kanalisation abgeführt wird und das bei der Gefahrenkarte miteinberechnet werden muss. Das Büro, mit dem die Gemeinde seit Jahren zusammenarbeitet, sei erfahren, betonte die Verwaltung in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats, als es um die Vergabe ging. Weber erhielt denn auch den Zuschlag. Noch in diesem Monat soll es mit der Vorbereitung, in Abstimmung mit dem Landratsamt, losgehen, die Ergebnisse sollen im Herbst vorgestellt werden, so Bauamtsleiter Johannes Kocher zum Zeitplan. Er versicherte auf Nachfrage, dass der gesamte Markungsbereich in die Untersuchung einbezogen wird, auch alle Außenbereiche berücksichtigt werden.

So lang die folgende Aufzählung ist, sie ist doch nur eine Auswahl dessen, was das Unwetter in der Nacht vom 28. auf den 29. August in Leutenbach angerichtet hatte: die Eiche vor dem Haupteingang des Kindergartens Walzenhalde umgeknickt, ebenso weitere Bäume in der Bachstraße auf der Buchenbachseite, eine „Mauer“ aus angesammeltem Unrat dort, Baum zersplittert und über dem Bach hängend in der Walkmühlenstraße, Wassereinbruch über die WCs im Kindergarten Theodor-Heuss-Straße, Wasser im Keller von Gebäuden im Eichengrund, in der Talstraße, Baum auf parkendes Auto gefallen in der Gartenstraße, Wasser auf der Kreisstraße zwischen Leutenbach und Weiler zum Stein durch den überlaufenden Höllachbach, in den Bach gestürzte Weiden an den Fußwegen zwischen Bach- und Mühlefeldstraße sowie zwischen Walkmühlen- und Talstraße, dadurch blockierter Durchfluss des Bachs, in Nellmersbach über die innenliegenden Dachrinnen eingedrungenes Wasser im Kindergarten Lange Äcker, Wasser in Kellern von Gebäuden am Brücklesbach, an der Blumen-, der Hans-Paul-Kaysser-, der Leutenbacher -, der Weiler-, der Wiesentalstraße, am Schlüssel- und am Schwalbenweg, in Weiler zum Stein über die Lichtschächte eingedrungenes Wasser im Feuerwehrgerätehaus, in Gebäuden im Seidenbäumle, an der Stuttgarter Straße, an der Alten Weinsteige, umgestürzte Bäume an der Gollenhofer Straße und im Gollenhof ... 

Kanäle verbreitern oder überall Trennsystem wäre sehr aufwendig

Anfang November hatte die Verwaltung dem Gemeinderat verschiedene Maßnahmen vorgestellt, wie künftig Schäden vorgebeugt werden könnte, wozu vor allem gehört, die Kanalisationspläne für die drei Teilorte zu überarbeiten, zu aktualisieren. Sie hatte aber auch klargemacht, dass für scheinbar einfache Lösungen, nämlich Kanäle aufzudimensionieren oder ein Trennsystem auch in alten Wohngebieten, entweder der Platz fehlt oder das sehr aufwendig wäre.

Laut der Anstalt für Umwelt Baden-Württemberg verursachen Starkniederschläge von kurzer Dauer und hoher Intensität etwa die Hälfte der Gesamtschäden, die durch Hochwasser jährlich entstehen. Die Fachleute dort gehen davon aus, dass in Kommunen nur ein Gesamtkonzept, mit Maßnahmen sowohl von privater als auch öffentlicher Seite, Risiken wirkungsvoll reduzieren kann. Um die abschätzen zu können, wurde von der Uni Freiburg ein neues Verfahren entwickelt, um die maßgeblichen „Abflusskennwerte“ für die Landesfläche mit Hilfe eines ebenfalls neu entwickelten Modells zu berechnen. Diese Kennwerte für den Oberflächenabfluss sind wiederum die Grundlage für die Erstellung der Starkregengefahrenkarten.

In dem eingangs genannten Handlungsleitfaden wird darauf hingewiesen, dass auch abseits von größeren Gewässern Überflutungsrisiken bestehen, das habe sich unter anderem im Glemsgebiet 2010, in Bretten und Bonndorf 2015 sowie in Biberach und Braunsbach 2016 gezeigt. Bei Starkregen könnten große Wassermassen, die meist über den Bemessungsgrenzen der Kanalnetze liegen, schnell weite Flächen unter Wasser setzen, insbesondere Bebauung und Infrastruktur in Senken, warnen die Fachleute eindringlich.

Nach dem enormen Gewitter im August und den dadurch verursachten Schäden sollen von Starkregen gefährdete Gebäude und Einrichtungen identifiziert und in einer Karte dargestellt werden. Dies soll Bürger informieren und insbesondere Grundstückseigentümern helfen, selbst Vorsorge zu treffen. Diese Starkregengefahrenkarte soll, wie die Hochwassergefahrenkarte, außerdem der Gemeinde die Möglichkeit bieten, bereits in Baugenehmigungsverfahren auf Risiken hinzuweisen, so dass Bauherren bei ihrer

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