Leutenbach

Achtjährige aus Nellmersbach hat mit ihrem E-Book beim "Heiß auf Lesen"-Wettbewerb einen ersten Preis gewonnen

Heiß auf Lesen
Das E-Book von Leana auf dem Bildschirm gibt es auch in echt, auf Papier, selbst geschrieben und gemalt. © ALEXANDRA PALMIZI

„Ich hab’ ein Buch auf das Handy gemacht.“ So erklärt Leana, womit sie beim „Heiß auf Lesen“-Wettbewerb mitgemacht hat, und zwar so gut, dass sie den ersten Platz in der Kategorie „Kreativpreis digital“ gewonnen hat. Das vorgegebene Thema lautete „Freundschaft“. Eine Steilvorlage für ein achtjähriges Mädchen mit jüngeren Geschwistern und einer so regen Fantasie wie Leana.

Die Corona-Krise hatte bei ihr eine positive Folge. Vor der Pandemie „baute“ sie daheim mit Freunden Spiel-Fahrzeuge und -Tiere. Als das Virus kam und sie die Freunde vermisste, fing sie an, mit ihrem kleinen Bruder Ben, 5, Geschichten zur Zeichentrickserie „Paw Patrol“ nachzuspielen, die auch aufzuschreiben und zu zeichnen. Der Wettbewerb war nun der Anlass, eine davon, ihre eigene Folge der Serie, mit dem Titel „Kinderbande – ein Pferd im Dinosaurierland“, mit Hilfe einer App auf dem Smartphone zu digitalisieren und so daraus ein E-Book zu machen.

Also zuerst war das Bilderbuch, noch ganz altmodisch analog, dann schaute die Mama für die „Umsetzung“ nach einer geeigneten App. Wäre auch alles soweit gut gegangen, wenn „Book Traps“ nicht zwischendrin den Geist aufgegeben hätte, es aus war mit der Möglichkeit, direkt Hintergrundfotos aus dem Netz einzubauen. Es blieb aber die Möglichkeit, mit dem entsprechenden Tool dort stattdessen zu zeichnen. Und selbst gemachte Fotos zu der Geschichte, etwa aus dem Garten der Böttners, „reinzuziehen“, was etwas aufwendiger war. Beides hat die aufgeweckte, quirlige Drittklässlerin prompt genutzt. Und wer weiß, vielleicht hat ja gerade das der Jury so gut gefallen, dass in dem E-Book eigene Zeichnungen und Fotos sind.

Wobei Ben und selbst Schwester Elea, 1, auch ihren Anteil am Preis haben, die haben nämlich auch Ideen beigesteuert. Das Trio hat auch diese Geschichte im Wohnzimmer und in den Kinderzimmern der Familie im Haus in Nellmersbach mit allem zur Verfügung stehenden „Mobiliar“ nachgespielt, wie die Mutter – von Beruf Lehrerin, wegen dem jüngsten Nachwuchs noch in Elternzeit – lachend, aber auch stolz erzählt. Das verwendete Werkzeug bei diesem kreativen Schaffen, das Smartphone, gehört übrigens ihr. Leana hat noch gar kein eigenes, und das sei bei einer Achtjährigen gut und richtig so, findet ihre Mutter.

Das Smartphone dazu hat sie sich von der Mama geliehen

Wer jetzt staunt, wie ihre Tochter das „trotzdem“ alles hinbekommen hat, den klärt Leana sofort selbst auf: Das sei doch eigentlich ganz leicht. „Man braucht nur Papier, muss das knicken, dann schreiben, das auseinanderschneiden und binden, fertig.“ Aha, merke: Sie spricht da nur über das gebundene, papierne Werk. Und mit dem Handy? Ach, das sei doch noch einfacher als mit Papier. „Da muss man ja nur die Stifte und die Farben dazu auswählen.“ Oha, staunt der Non-digital-Native.

Aber wie war das noch mal mit dem Handy von der Mama und deren Anteil? Ja, das habe sie sich halt von der für das E-Book immer wieder „geliehen“. Wobei man dazu wissen muss, dass die Mutter, wie sie sagt, da wirklich alles draufhat, „das ist mein Arbeitsgerät“. Ja, beim Deckblatt und wenn es mal eine „Panne“ gab, habe die Mama geholfen. Das nun preisgekrönte Werk ist nicht die erste eigene Geschichte, sondern die dritte, „Material“ habe sie aber bereits für fünf, verrät Leana. Wobei diese aber noch kein wirkliches Interesse am Handy habe, außer um es zum Malen zu benutzen, erklärt ihre Mutter: „Sie lernt den Umgang damit so.“

Ihr Lieblingspferd Kalina macht Bekanntschaft mit den Dinos

Was ist denn nun aber die Geschichte selbst? Also es geht um ihr Lieblingspferd Kalina, das natürlich die Hauptfigur ist. Der Bauer hat vergessen, die Stalltür zuzumachen, Kalina entwischt und kommt durch eine Geheimtür ins Dinoland. Dort erwarten sie aber, na ja, eben die Saurier, und zwar durchaus unterschiedliche Gestalten, vor allem der böse Tyrannosaurus Rex. Kalina will, muss also zurück. Aber oh Schreck, in der Zwischenzeit ist die Geheimtür zugefallen und die Dinos müssen abgelenkt werden, was mit Hilfe von bloßen Zauberseifenblasen gelingt. Sagenhaft. Da ist so viele kindliche Fantasie am Werk, dass ein ausgewachsenes Erwachsenenhirn einfach nicht hinterherkommen kann. Deshalb sei nur noch so viel verraten: Bei den Fotos zu den Dinos hat das Kreativfamilienteam Schleich-Tiere verwendet.

Noch mal, zur Abwechslung zwischendrin, die Mutter: Also ihr Nachwuchs, für den habe es in dieser Zeit, als Kindergarten und Schule zu waren, nur geheißen: Morgens raus aus dem Bett und sofort anfangen mit den Figuren, und in den Sommerferien sei es so weiter- und mit dem E-Book erst richtig losgegangen, nachdem sie nämlich die Ausschreibung zu dem Wettbewerb in der Bücherei im Rathaus gesehen hatten. Ihre drei Sprösslinge könnten, wenn sie beieinander sind, ganz schön aufdrehen, „das sind richtige Energiebündel, die konnten damals ja ihre Freunde nicht sehen“, da sei das Projekt E-Book also gerade recht gekommen, so die Mutter schmunzelnd.

Büchereileiterin hat selbst ein E-Book geschrieben als Anleitung

Apropos Bücherei: Die hat auch ihren Anteil am Preis. Denn dorthin ging das fertiggestellte Digitalwerk per Mail, wo es aus rund 100 Einsendungen ausgewählt, für würdig befunden wurde, Leutenbach zu vertreten, und von wo aus es nach Stuttgart ans Regierungspräsidium geschickt wurde. Sowohl Leanas Geschichte als auch die anderen Einsendungen können auf der Homepage der Bücherei nachgelesen werden. Klarer Fall, dass auch die Bücherei stolz ist, diesen Titel nach Leutenbach geholt zu haben. Sie ist aber auch selbst digital schwer aktiv. Büchereileiterin Ursula Lauer hat ein eigenes E-Book als Anleitung erstellt, wie Kinder und Jugendliche ihrerseits ein E-Book gestalten können. Wobei dazu im Internet 1000 Möglichkeiten angeboten würden und die einen je nachdem für den PC oder fürs Smartphone geeignet seien, erklärt sie. Beim Smartphone könne man Fotos direkt einbauen, beim PC müsse man die von der Speicherkarte eben erst dorthin rüberziehen. Am besten, wenn man auch die Größe berücksichtige, sei für Kinder wohl ein Tablet mit Tastatur. Ursula Lauer ist sicher, dass an dem Wettbewerb Kinder teilgenommen haben, die sonst nie ein Buch geschrieben hätten, also ein analog-papiernes (wobei auch eine Kategorie dafür ausgeschrieben war und es auch da Teilnehmer gab). Bei denen sei also das Smartphone ideal, um sie dazu zu bringen, und ja, durchaus so die Kreativität zu fördern.

Buchgutschein okay, aber noch lieber wäre ihr ein richtiges Pferd

Aber noch mal zurück zu Leana: Also, klar, sie schreibt und malt auch sonst gerne, ihr Lieblingsfach sei Deutsch „und Lesen, aber das gehört da ja dazu“. Und Mathe? Na ja. Da stellt die Mama aber gleich klar, dass die Tochter da sehr wohl auch gut ist. Pokale und Medaillen, die sie auch schon hat, die seien ja recht und schön, aber eigentlich wäre ihr ein richtiges Pferd lieber, weil sie Pferde und Reiten doch so mag, erzählt Leana. Sie ahnt aber schon: „Wenn das nicht geht, dann halt ein Kaninchen.“ Den durchaus umfangreichen Pferdebücherbestand der Bücherei hat sie schon durchgelesen. Gott sei Dank gibt es dort aber immer wieder Nachschub. Der nie lange warten muss, bis Leana auftaucht

„Ich hab’ ein Buch auf das Handy gemacht.“ So erklärt Leana, womit sie beim „Heiß auf Lesen“-Wettbewerb mitgemacht hat, und zwar so gut, dass sie den ersten Platz in der Kategorie „Kreativpreis digital“ gewonnen hat. Das vorgegebene Thema lautete „Freundschaft“. Eine Steilvorlage für ein achtjähriges Mädchen mit jüngeren Geschwistern und einer so regen Fantasie wie Leana.

Die Corona-Krise hatte bei ihr eine positive Folge. Vor der Pandemie „baute“ sie daheim mit Freunden

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