Leutenbach

Breitbandausbau in Leutenbach: Anbieter Wisotel muss sich einiges anhören

Infoveranstaltung zum Breitbandausbau, Gemeindehalle Leutenbach-Weiler zum Stein, 01.06.2022.
Rappelvoll, Schultes Jürgen Kiesl am Mikro, draußen sommerliche Temperaturen und zum Glück die Klimaanlage in der Gemeindehalle gut funktionierend. © Benjamin Beytekin

Mit diesem Andrang hatte die Gemeinde und wohl auch Wisotel selbst nicht gerechnet. Die Informationsveranstaltung zum bevorstehenden Breitbandausbau – Verlegung von Glasfaserkabel bis an die Gebäude – in Leutenbach lockte offensichtlich nicht nur Einheimische, sondern auch Auswärtige aus Orten, wo das Unternehmen dies ebenfalls in nächster Zeit plant, in die schließlich überfüllte Gemeindehalle in Weiler zum Stein. Auch wenn vorne, wie das ja oft der Fall ist, weil manche sich nicht trauen (oder es einfach nicht wollen), dorthin zu kommen, noch der eine oder andere Sitzplatz frei blieb, kamen so viele Leute, dass etliche stehen mussten, von der Parkplatzsuche rund die Halle ganz zu schweigen. Hinzu kam noch das eine oder andere Mikroproblem, und dass ein geplantes Video sich nicht abspielen ließ.

Sofort kamen die ersten, sehr speziellen Fragen

Alles in allem hatten die Gemeinde- und vor allem die Vertreter des Kommunikationsunternehmens die bei sommerlichen Temperaturen aufgeheizte Stimmung gleichwohl gut im Griff. Vor allem, wenn man bedenkt, dass sich sehr früh, als die Inforunde noch längst nicht beendet war, bereits die Ersten aus dem Publikum meldeten. Die einen mit sehr speziellen, individuellen Fragen, lässig darüberhinweggehend, dass die anderen 499 (grob geschätzt) dieses persönliche Problem vielleicht nicht ganz so spannend fanden. Anders gesagt: mit Fragen, die aufhielten und die man wohl auch unter vier Augen oder am Telefon hätte klären können.

Die anderen Sichzuwortmelder wiederum haben offenbar mit Wisotel in der Vergangenheit „so ihre“ Erfahrungen gemacht, zum Beispiel wohl auch, dass man zuständige Mitarbeiter nur schwer erreicht, es dort mit dem Kundendienst nicht zum Besten bestellt ist (war?). Sie nutzten prompt die Gelegenheit, der anwesenden Geschäftsführung mal vor zahlreichem Publikum die Meinung „zu geigen“ oder gar „eine alte Rechnung zu begleichen“. Auch das fand „der Rest“ der Zuhörerschaft, aus seiner Sicht verständlich, nicht so prickelnd. Aber, das muss fairnesshalber auch gesagt werden: Es blieb alles im Rahmen und die smarten Wisotel-Leute, klar, sie wollen schließlich etwas verkaufen, blieben gelassen, sachlich, gingen auf alle Fragen ein, räumten durchaus Versäumnisse und auch noch manche Ungewissheit bei ihnen selbst ein.

Bürgermeister und damit Hausherr Jürgen Kiesl skizzierte eingangs die Vorgeschichte, nämlich, dass vor etwa zehn Jahren der Bedarf an schnellem Internet, worunter damals noch etwas ganz anderes verstanden wurde als heute, stieg. Damals galten drei bis sechs Mbit/s als schnell, heute braucht es dafür 1000 Mbit/s (ein Gigabit also). Besonders langsam war es in Nellmersbach und Weiler zum Stein.

Damals habe der Staat aber noch gesagt, das müsse der Markt regeln, sprich die Politik sich möglichst heraushalten, so Kiesl. Für die Förderung durch Kommunen bei einer sogenannten „Wirtschaftlichkeitslücke“ gab es ein Maximallimit. Da sei Wisotel in die Bresche gesprungen, habe ein Angebot für den Ausbau gemacht, ohne dieses Limit zu beanspruchen und es letztlich sogar ganz ohne Subventionierung hinbekommen. Später sei der Regionalverband aktiv geworden, habe angekündigt, ein „Backbone“-Netz für eine „Gigabitregion“ zu schaffen, allerdings mit einem Zeithorizont bis 2030. Die Gemeinde habe es geschafft, eine Förderung in Höhe von 2,2 Millionen Euro von Bund und Land für Leutenbach zugesagt zu bekommen. Bis das umgesetzt würde, mit der Telekom als Partner, würden jedoch noch einige Jahre ins Land gehen.

Vorerst nicht im Heidenhof und nicht in den Aussiedlerhöfen

Stattdessen biete Wisotel den Ausbau jetzt schon an, auf dem (fast) kompletten Gebiet der Gemeinde ohne jegliche Förderung seitens von ihr, so Kiesl. Der Wermutstropfen: Nicht im Heidenhof und auch nicht in den Aussiedlerhöfen, weil es dort für Wisotel nicht wirtschaftlich wäre (lange Strecken, wenige Kunden). Diese bleiben also vorerst weiter „blinde Flecken“, sind vom von Wisotel „geschnürten Paket“ ausgenommen. Das Trostpflaster: Die Gemeinde wird die genannten Fördermittel für den Ausbau dort nutzen, versprach Bauamtsleiter Johannes Kocher. Wegen der Subventionierung mit Mitteln der öffentlichen Hand braucht es aber ein Vergabeverfahren samt Ausschreibung vorher. Er rechnet mit der Vergabe im nächsten Frühjahr und mit dem Ausbau dort im Jahr darauf, also 2024.

Im September soll es losgehen, in Segmenten, clusterweise

Die Wisotel-Vertreter zeigten in ihrer Präsentation auch eine Tabelle, in der Deutschland nicht gerade vorne liegt, bei der Quote der Hausanschlüsse mit Glasfaser. Die Erklärung dafür sei, und das sei ein Stück weit verständlich, dass die Telekom schließlich ihr ausgebautes Kupferdraht-Netz lange Zeit nicht durch die neue Technik Glasfaser habe entwerten wollen. Der anvisierte Zeitpunkt des Ausbaustarts für Weiler zum Stein und Nellmersbach, dabei an das bereits vorhandene Backbone von Wisotel andockend, sein Netz weiter verzweigend, lautet September. Der Ausbau erfolgt in Segmenten/Clustern, sobald die Bauarbeiten fertig sind, geht der betreffende Abschnitt ans Netz. Auch der Teilort Leutenbach, bislang am „Fernsehkabel“ hängend, bekommt, anschließend Glasfaser.

Die Wisotel-Vertreter, Marketing-Profis, die sie offenbar auch sind, erwähnten „am Rande“, dass es eigentlich in Nellmersbach auch eine Lücke bei der Wirtschaftlichkeit gäbe, sie bekämen es aber trotzdem auch ohne Förderung dort hin, gaben zu bedenken, dass die Kinder und Enkel der heutigen Häuslesbesitzer denen dereinst dankbar sein werden für die Wertsteigerung der Immobilie – durch die Glasfaserausstattung, versprachen, dass für den Weg von der Straße bis zum Haus nicht der Garten aufgegraben werden müsse, weil man mit einer „Erdrakete unten durchschießen“ könne, dass das Loch am Haus, um mit dem Kabel reinzukommen, klein ausfallen werde. Danach „verzweigt“ es sich allerdings, um im Bild zu blieben, je nachdem, ob es sich um ein Einfamilienhaus mit oder ohne Keller handelt oder um ein Mehrfamilienhaus handelt (bei einer Inhaus-Verkabelung, falls gewünscht). Noch ein Versprechen: Man werde in Gehwegen oder am Straßenrand bereits verlegte Leerrohre soweit vorhanden und technisch möglich nutzen, damit nicht auch dort erneut aufgegraben werden muss, das sicherte auch Kocher zu.

Wisotel stellte auch etwas klar: Nämlich, dass der Hausanschluss (Kosten etwa 1000 Euro) nur dann umsonst ist, wenn außer der Nutzungsvereinbarung auch ein Internet/Telefonie-Vertrag mit einer Mindestlaufzeit von 24 Monaten abgeschlossen wird. Und dass dieses Angebot nur vor Baubeginn gilt. Anders gesagt: „Da, wo der Graben zugemacht wird, ist es vorbei.“ Es gibt allerdings noch einen Vorbehalt für den Gratis-Hausanschluss: Das betreffende Gebäude sollte nicht mehr als ungefähr 15 Meter Abstand von der Straße haben. Die Nutzungsvereinbarung wiederum bedeutet, dass der (oder die Hauseigentümer) mit der Unterschrift Wisotel gestattet, beziehungsweise das Einverständnis dazu erklärt, dass das Gebäude an deren Glasfasernetz angeschlossen wird.

1000 Mbit/s-Tarif: knapp 70 Euro im Monat

Was die verschiedenen angebotenen Tarife angeht, benannt nach den jeweiligen maximal möglichen Bandbreiten erklärte Wisotel, man sei kein „Billigheimer“, biete „Marktpreise“ an, sprich nicht Teures. Die Bandbreite, wenn man so will, reicht von Tarif 50 bis Tarif 1000 (Mbit/s im Download, 100 Mbit/s im Upload) für knapp 70 Euro im Monat.

Zu bestehenden Verträgen gilt laut Wisotel Folgendes: Wer schon bei ihr Kunde ist, muss zwar trotzdem einen neuen Vertrag abschließen. Aber der alte Vertrag werde automatisch dann gekündigt, es werde also keine doppelte Rechnung gestellt, so das Versprechen. Wer bislang bei Vodafone oder Telekom ist und zu Wisotel wechseln möchte, muss bei seinem bisherigen Anbieter selbst kündigen. Für die Restlaufzeit dort werde Wisotel keine Gebühren zumindest für den Internetanschluss verlangen, so das weitere Versprechen. „Sie werden also für diese Zeit von uns freigestellt.“

Mit diesem Andrang hatte die Gemeinde und wohl auch Wisotel selbst nicht gerechnet. Die Informationsveranstaltung zum bevorstehenden Breitbandausbau – Verlegung von Glasfaserkabel bis an die Gebäude – in Leutenbach lockte offensichtlich nicht nur Einheimische, sondern auch Auswärtige aus Orten, wo das Unternehmen dies ebenfalls in nächster Zeit plant, in die schließlich überfüllte Gemeindehalle in Weiler zum Stein. Auch wenn vorne, wie das ja oft der Fall ist, weil manche sich nicht trauen

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