Leutenbach

Corona: Der Nellmersbacher Blechbearbeitungsspezialist Kaysser baut und vertreibt eine im Haus entwickelte Desinfektionsmittelspendersäule

Desinfektionssäule
Ein Exemplar von Dessy, die Kai Klenk (l.) konstruiert hat und Frank Niedermaier vertreibt, steht bei der Metzgerei Eger in Birkmannsweiler. Foto Palmizi © ALEXANDRA PALMIZI

1,60 Meter hoch, schlank und matt glänzend ist Dessy. Schwäbische Wertarbeit, das ist dem Betrachter sofort klar. Aber doch aus der Not heraus geboren wurde die Edelstahlsäule mit Desinfektionsmittelspender. Seit Mai gibt es auch beim Blechbearbeitungsspezialisten Kaysser in Nellmersbach Kurzarbeit. Der Betrieb schließt komplett ganze Tage über, überwiegend freitags. In der Zeit kam eine Idee auf, wie man mit der auf einmal freien Kapazität in der Coronazeit etwas Sinnvolles anfangen könnte. Die allerorten nachgefragten Desinfektionsmittelspender haben nämlich lange Lieferfristen. Die Hersteller kommen dem Bedarf kaum hinterher. Bei Kaysser entstand ein Geschäftsfeld, das wohl nicht nur vorübergehend ist, wenn es nach Vertriebsleiter Frank Niedermaier geht.

Der Anstoß kam von der Frau des Vertriebsleiters, einer Lehrerin

Die Firma sei ja seit Wochen nicht gerade mit Arbeit gesegnet, sprich ausgelastet, die Aufträge von Kunden rückläufig, berichtet er. Genau in der Zeit passierte bei Niedermaier daheim etwas. Seine Frau, Lehrerin in Backnang, musste da, in der Anfangszeit der Öffnung, die Schüler bei der Pausenaufsicht dauernd ermahnen, den notwendigen Hygienesicherheitsabstand einzuhalten, aber auch wahrnehmen, dass die bereitgestellten Desinfektionsmittelspender nicht gerade das Wahre seien. Zu Hause meinte sie zum Gatten, das könnten sie, in seiner Firma, doch wohl besser. Er verstand das nicht als Frage, sondern als Auftrag.

Mobil sollte es sein, leicht und mit möglichst wenig Stellfläche

Beim Chef stieß er auf offene Ohren damit, bekam ein „Ja, macht mal“ als Okay. Die Vorgabe lautete: Das Ding soll mobil sein, immer wieder dorthin umzustellen sein, wo es gerade gebraucht wird und an möglichst unterschiedlichen Stellen, auch dort, wo nur wenig Platz zur Verfügung steht. Mobil heißt also möglichst wenig Stellfläche und möglichst wenig Gewicht. Kai Klenk, Chefentwickler bei Kaysser, machte sich ans Werk, entwarf Dessy an einem Tag, und das war auch noch ein Feiertag. Aus Edelstahl und damit aseptisch, keimfrei. Aber eben auch wertig, haltbar, beständig. Womit wieder einmal die Schnelligkeit des Mittelstands im Vergleich zu Großkonzernen unter Beweis gestellt wäre, betont Niedermaier. Weil es von der Idee bis zum ersten Prototyp keine zwei Wochen gebraucht hat. Dessy braucht nur 55 auf 35 Zentimeter und wiegt gerade mal zehn Kilo.

Zu 90 Prozent wird die Version mit Sensor bestellt

Die Frage sei natürlich gewesen, wie bekommen sie es kostengünstig und optimiert hin, aber auch „Was machen wir anders als die Konkurrenz?“, so Klenk. Ein Schmankerl, wenn man so will: Bei einer größeren Abnahmemenge wird das Firmenlogo der Kunden auf den Standfuß gelasert. Außerdem gibt es die Säule auch pulverbeschichtet in vier Farbvarianten. Der Knackpunkt aber war und ist die Lieferfähigkeit. Es gibt eine Variante, bei der das Desinfektionsmittel manuell aus dem Spender geholt wird, und eine, bei der das elektronisch, per Sensor gesteuert und batteriebetrieben und damit berührungslos geschieht. Die ersten 500 Exemplare dieser Spendervariante sind per Luftfracht aus China gekommen. Von Anfang an sei fast nur, zu 90 Prozent, die elektronische Version bestellt worden, 200 Stück zum Beispiel alleine von der Stadt Backnang, für deren Kindergärten und Schulen vor allem, berichtet Niedermaier. Für die etwas günstigere Variante mit Kontakt interessierten sich vor allem der Einzelhandel und Dienstleister wie Frisöre.

 Alle Teile von Dessy, bis auf den Desinfektionsmittelspender selbst, also alles aus Edelstahl, stellt Kaysser selbst her, auch die Abtropfschale (zum Abnehmen und damit Reinigen in der Spülmaschine) und den Klapprahmen oben aus Aluminium, der sowohl für Aushänge, Infozettel als auch zum Beispiel fürs Befestigen eines Tablets geeignet ist, mit dem man Mitarbeiter digital, etwa über ein Anschauungsvideo, informieren kann.

Verschickt wird es als kompletter Bausatz mit geringem Packmaß

Das Gerät ist außerdem so konzipiert, dass es ein möglichst geringes Packmaß hat, damit es, als kompletter Bausatz mit dem erforderlichen Werkzeug, samt Behälter, erster Füllung in einer externen Kunststoffflasche, Spender mit Sensor und Batterie bei der kontaktlosen Variante, sowie Montage- und Gebrauchsanleitung, leicht verschickt werden kann, erklärt Klenk: „Das Gerät ist dann also sofort einsatzbereit. Das war auch eine Vorgabe bei der Konstruktion.“

Durch abgerundete Kanten und schräge Flächen leicht zu reinigen

Klenk verweist auch auf die abgerundeten Kanten und schrägen Flächen. Es gebe damit keine Ecken und Stellen, an denen sich Dreck sammeln könnte und an die man nur schwer herankommen würde: „Einmal am Tag, mindestens, muss die Säule ja geputzt werden.“ Ein weiteres wichtiges Detail: Die Bohrungen am Fuß lassen zu, dass das Gerät, das ja von der Konstruktion her mobil ist, diebstahlsicher „angeschlossen“ werden kann, mit einer Fahrradkette zum Beispiel oder doch dauerhaft am Boden festgedübelt.

Beim Spender nicht auf ein bestimmtes Modell festgelegt

Bei der Aufgabe Befestigung des Desinfektionsmittelspenders an der Säule wurde ebenfalls darauf geachtet, möglichst flexibel zu sein. Damit nämlich möglichst viele Typen von diesen verwendet werden können, so dass man später nicht auf ein bestimmtes Modell angewiesen ist, bei der Lieferfähigkeit nicht von diesem abhängt. „Die werden ja derzeit quasi wie auf der Börse gehandelt, zu entsprechenden Preisen, so groß ist die Nachfrage und so gering das Angebot“, so Niedermaier.

Das Desinfektionsmittel kommt von einem Hersteller in Stuttgart

Das Desinfektionsmittel selbst, zertifiziert, betont er, kommt von einem Hersteller in Stuttgart. „Für die Desinfektionsmittel gibt es viele Anbieter.“ Einige der ersten Exemplare hat Kaysser gespendet. Seit kurzem hat die Firma auch einen Webshop als Vertriebsschiene. Dessy wurde in den ersten Wochen vor allem ins Umland, innerhalb des Rems-Murr-Kreises und in Stuttgart, verkauft. Niedermaier geht davon aus, dass das Geschäft von Dauer ist. „Unser Anspruch ist ja nicht, dass wir da 100 Stück machen und dann aufhören. Wir versuchen natürlich, davon ein paar 1000 auf den Markt zu bringen.“

1,60 Meter hoch, schlank und matt glänzend ist Dessy. Schwäbische Wertarbeit, das ist dem Betrachter sofort klar. Aber doch aus der Not heraus geboren wurde die Edelstahlsäule mit Desinfektionsmittelspender. Seit Mai gibt es auch beim Blechbearbeitungsspezialisten Kaysser in Nellmersbach Kurzarbeit. Der Betrieb schließt komplett ganze Tage über, überwiegend freitags. In der Zeit kam eine Idee auf, wie man mit der auf einmal freien Kapazität in der Coronazeit etwas Sinnvolles anfangen könnte.

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