Leutenbach

Die Gemeinde Leutenbach plant ein Bündel von Maßnahmen für den Artenschutz

Einsaat
Vor einem Jahr wurden auf zwei Feldwegen bei Nellmersbach mehrjährige Blumenmischungen eingesät, das soll auf weiteren geeigneten Wegen in Zusammenarbeit mit den Landwirten fortgesetzt werden. © Gabriel Habermann

Das Ziel heißt Biotopvernetzung. Dafür soll ein Konzept erstellt werden, in Abstimmung zwischen Vertretern der Gemeinde und den Teilnehmern des Runden Tischs Artenschutz. Die Vorschläge, die darin stehen, sollen Zug um Zug umgesetzt werden, begleitet, unterstützt vom Backnanger Landschaftsplanungsbüro Roosplan und dem Landschaftserhaltungsverband Rems-Murr.

Biotopvernetzung schaffen zu wollen, das hatte der Gemeinderat im Juni vergangenen Jahres beschlossen. Die Gemeinde hat daraufhin einen Förderantrag beim Landratsamt eingereicht und eine Förderzusage für 90 Prozent der Projektkosten erhalten. Biotopvernetzung ist allerdings nur eine Maßnahme aus einem Bündel, wenn auch wohl die weitreichendste, im Leutenbacher „Aktionsplan Artenschutz“, mit denen bisherige Aktivitäten ergänzt werden sollen.

„Pflück-mich-Aktion“ soll dauerhaft von der Gemeinde organisiert werden

So soll die sogenannte „Pflück-mich-Aktion“ dauerhaft von der Gemeinde organisiert werden, mit dem Ziel, den Wert von Streuobstwiesen in der Bürgerschaft zu stärken. Im kommenden Jahr sollen auch die nicht abgeernteten Bäume auf der Hochzeitswiese im Landschaftspark Höllachaue miteinbezogen werden. Dabei werden Bäume mit Bändern versehen, die anzeigen, dass die Eigentümern sie freigeben zum Abpflücken des Obsts auf ihnen. Die Standorte finden Interessierte über die Gemeindehomepage und künftig auch auf der Gemeinde-App.

Die Feldhecke am Backnanger Weg in Nellmersbach soll nach und nach zunächst auf den gemeindeeigenen Flächen verlängert werden. Die spätere, ebenfalls für den Artenschutz nachhaltig sein sollende Bepflanzung auf Privatgrundstücken will die Verwaltung über freiwillige Vereinbarungen mit den Eigentümern erreichen.

An der B 14 sollen als Ergänzung zu bestehenden Blühflächen schrittweise Hecken angelegt werden, dafür wird sich die Verwaltung beim Landratsamt (Eigentümer) einsetzen. An der Verbindungsstraße zwischen Leutenbach und Nellmersbach sollen weitere Bäume gepflanzt werden beziehungsweise die Gemeinde wird dies ebenfalls beim Landratsamt (Eigentümer) anregen. Am Nellmersbacher Ortseingang hat der Obst- und Gartenbauverein im vergangenen Jahr Bäume gepflanzt.

Auf weiteren Feldwegen sollen mehrjährige Blumenmischungen eingesät werden. Vor rund einem Jahr war auf zwei Feldwegen bei Nellmersbach damit begonnen worden. Die Verwaltung will dazu mit Landwirten nach geeigneten Wegen suchen. Künftig soll die Pflanzung von Halbstämmen auch für den Außenbereich gefördert werden, die Richtlinien zur Gewährung von Zuschüssen sollen entsprechend ergänzt werden. Der Erhalt von sogenannten Habitatbäumen auf Privatgrundstücken soll über Zuschüsse gefördert werden.

Der Bauhof wird auf den drei Friedhöfen schrittweise Nistkästen aufhängen. Auf den Friedhöfen werden außerdem jeweils vier Blumentopf-Untersetzer als provisorische Vogeltränken auf beziehungsweise an den Brunnen aufgestellt, eine Reaktion auf die immer heißer werdenden Sommer. Über Aufrufe im Amtsblatt und auf der Gemeindehomepage werden weitere Pflanz-, Baum- und Pflegepaten gesucht. Um die Vogeltränken täglich aufzufüllen und zu säubern, braucht es Freiwillige für Nellmersbach und Weiler zum Stein, die ebenfalls über das Amtsblatt gesucht werden. Für den Leutenbacher Friedhof gibt es die schon. Außerdem prüft die Verwaltung, ob weitere öffentliche Plätze geeignet sind, und sie ruft dazu auf, auch auf privaten Grundstücken, also Terrassen, Balkonen und Fensterbrettern, solche Wasserstellen aufzustellen.

Saatgut-Tütchen in Willkommensmappe für Neubürger

Es gab bereits eine Saatgut-Aktion für Bürger, die bis auf weiteres jährlich fortgeführt werden soll. Neubürger bekommen Mappen mit Infos zur Gemeinde, diesen werden künftig Saatgut-Tütchen beigelegt inklusive „Motivationsschreiben“ für den Artenschutz. Was mehrjährige Blühmischungen angeht beziehungsweise Dauerflorbepflanzung, so ist das bereits der Fall am Kreisel an der Winnender Straße am Leutenbacher Ortseingang, auf den Grünflächen beim Aldi-Markt und bei der Rems-Murr-Halle, an der Begegnungsstätte in Nellmersbach sowie an der Weiler- und Schulstraße, am Landschaftspark gegenüber der Hochzeitswiese und beim Parkplatz an der Nellmersbacher Auffahrt zur B 14. Im kommenden Jahr soll dies auch für kleine Flächen auf den Friedhöfen erfolgen sowie langfristig an den Flächen um diese herum, ebenso an den von den Obst- und Gartenbauvereinen bepflanzten öffentlichen Beeten.

Bei Bedarf soll außerdem die Mistelaktion, bei der dieser Schädling von befallenen Bäumen entfernt wird, jährlich fortgesetzt werden. Leutenbach beteiligte sich an der Aktion „1000 Bäume für 1000 Kommunen“, bis zu deren offiziellem Ende im April wurden vor Ort knapp 700 Bäume gepflanzt. Schrittweise soll es, sofern es personell beim Bauhof möglich ist, damit weitergehen. Die ökologische Mahd durch Beweidung mit Schafen ist vereinbart für die Flächen am Rückhaltebecken Schafäcker, die Verlängerung der Weiler Straße Richtung Landschaftspark, am Hochbehälter Birklen, am Hungerberg und am oberen Teil der Hochzeitswiese. Last but noch least wurde bei der Sanierung der Rems-Murr-Halle „vogelsicheres“ Glas eingebaut, Mehrkosten laut Verwaltung rund 27.000 Euro.

Was haben Gartenhausgebiete mit dem Artenschutz zu tun?

Eher in Richtung Streit beziehungsweise Ärger um nichtzulässiges „Bauen“ im Außenbereich, genauer darum, ihn etwas zu entschärfen, zielt die vorgesehene Prüfung, ob in den Gewannen Galgenberg, Fasanengärten und Hungerberg Gartenbaugebiete ausgewiesen werden können. Die Verwaltung berichtete dazu im Gemeinderat, dass sie zum Galgenberg mehrfach die Flurbereinigungsbehörde angeschrieben, „aber noch immer keine qualifizierte Rückmeldung“ bekommen habe.

Allerdings hakte da Alexandra Hackl-Hieber, FWG, nach, was denn das Ziel Gartenhausgebiet mit dem Ziel Artenschutz zu tun habe. Das eine sei aus ihrer Sicht für das andere sogar kontraproduktiv. Bürgermeister Jürgen Kiesl erinnerte daran, dass die Anregung dazu doch aus ihrer eigenen Fraktion gekommen sei. Er habe damals mit seinem Hinweis eher an die Flurbereinigungsflächen beim Gelände des OGV Leutenbach gedacht, nämlich die entsprechend zu verpachten, stellte daraufhin Claus Lämmle, ebenfalls FWG, klar. Gartenhausgebiete in Hungerberg und Galgenberg würden angesichts der vorhandenen Streuobstwiesen dort keinen ökologischen Mehrwert bedeuten, seien also kritisch zu sehen.

Es gehe doch bei den angestrebten Gartenhausgebieten darum, verwahrloste Stückle wieder „zurückzuholen“, so dass sie also wieder genutzt werden, hielt Andreas Häußermann, CDU, dagegen. Der Landwirt hatte als Praktiker auch gleich ein Beispiel parat: „Eine Brombeerhecke hat ökologisch keinen Wert.“

Das Ziel heißt Biotopvernetzung. Dafür soll ein Konzept erstellt werden, in Abstimmung zwischen Vertretern der Gemeinde und den Teilnehmern des Runden Tischs Artenschutz. Die Vorschläge, die darin stehen, sollen Zug um Zug umgesetzt werden, begleitet, unterstützt vom Backnanger Landschaftsplanungsbüro Roosplan und dem Landschaftserhaltungsverband Rems-Murr.

Biotopvernetzung schaffen zu wollen, das hatte der Gemeinderat im Juni vergangenen Jahres beschlossen. Die Gemeinde hat daraufhin

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