Leutenbach

Die Limpurger Rinder aus Leutenbach

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Manfred (l.), Tobias und Stefan Läpple: Ihre Vierbeiner sind gutmütig, aber vor allem liefern sie ausgezeichnetes Fleisch. © Jamuna Siehler

Leutenbach. Gesellig sind sie, kommen neugierig her, lassen sich streicheln, sind eine Attraktion für Kinder und Familien, die prompt an der Weide der kleinen Herde am Weg zwischen Leutenbach und Weiler zum Stein stehen bleiben. Nebenerwerbslandwirt Manfred Läpple und seine Söhne Stefan und Tobias züchten Limpurger Rinder, die älteste württembergische Rinderrasse.

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Zurzeit sind die auffälligen, dunkel- bis hellbraunen Vierbeiner allerdings etwas verärgert und geben dem lautstark Ausdruck. Der viele Regen in letzter Zeit hat ihren Weidegrund vermatscht, sie tun sich schwer, essbares Grün zu finden. Verhungern müssen sie freilich auch nicht, da muss sich niemand Sorgen machen, dafür sorgen Läpples, die natürlich ein Eigeninteresse daran haben, dass ihre Tiere etwas auf den Rippen haben.

Läpples Hofstelle ist im Spatzenhof, den Leutenbachern wohlbekannt, dort ist nämlich alljährlich die lebende Krippe des Weihnachtsmarkts. Läpple begann vor rund zwölf Jahren, Limpurger Rinder zu halten. In Kontakt kam er über sein hauptberufliches Standbein, er installiert Stall- und Weidetechnik.

Ihm gefällt an den Tieren vor allem, dass sie genügsam und gute Futterverwerter sind. Dass sie gute Arbeiter (Gespanne) sind, spielt zwar heute keine Rolle mehr, aber dafür umso mehr ihr ausgezeichnetes Fleisch. Es ist sehr schmackhaft, besonders feinfaserig, saftig und gut marmoriert. Bei Blindverkostungswettbewerben gewinne deshalb das Fleisch vom Limpurger Rind immer, berichtet Läpple.

Läpple setzt die Tiere auch zur Beweidung ein

Seine Tiere stehen nicht nur auf der Weide nahe der Sportplätze. Dort ist nur ein Ochse, samt Kühen und Jungen. Oberhalb der Burgstaller Straße, etwas abgelegen an einem etwas verwilderten Hang, haben es drei Bullen, die hier zur Beweidung eingesetzt werden, also den Hang wieder freimachen sollen, geradezu paradiesisch. Doch das Idyll wird für zwei von ihnen nicht mehr lange dauern. Nach knapp drei Jahren ist Schlachtzeit, mit rund 450 Kilo Gewicht. Im Oktober treten die Bullen ihre letzte Reise, nach Forchtenberg, an.

 Die Vermarktung des Fleisches erfolgt über die Schutzgemeinschaft, es geht in die gehobene Gastronomie. Allerdings nimmt auch Edeka mittlerweile Limpurger Rind ab, es gibt Kunden der Lebensmittelkette, die also offenbar bereit sind, den höheren Preis für das spezielle Fleisch zu zahlen. Der höhere Erlös, den Läpple als gut, durchaus lohnenswert bezeichnet, hat allerdings seinen Preis. Läpples zertifizierter Betrieb, die Herkunft des Fleischs, wird genau kontrolliert.

Es gibt Vorgaben zum Futter, Soja und Maissilage sind verboten. Die Tiere müssen in der Vegetationsperiode auf der Weide sein, im Winter ist ein Laufstall verlangt. Hinzu kommt, dass die Tiere etwa doppelt so lange gehalten werden wie „normale“ Rinder, wo bereits nach 18 Monaten geschlachtet wird. Der Aufwand ist für die Erzeuger also entsprechend höher.

Viele Auflagen machen Selbstvermarkung zu aufwendig

Läpple bekommt für das Fleisch einen Festpreis. Die Selbstvermarktung sei wegen der vielen Auflagen, stetig wachsenden Anforderungen längst zu aufwendig geworden. „Da vergeht einem wirklich jede Lust dazu.“ Die Tiere werden außerdem komplett verkauft. Ein Wirt, der eines kauft, muss also alles „verschaffen“. Köche, die das können, gebe es aber nicht mehr viele.

Was übrigens die Gutmütigkeit der Tiere angeht, warnt Läpple vor zu viel Zutrauen. Rinder sähen Menschen als Feinde an: „Die nehmen uns als Jäger wahr und eigentlich haben sie da durchaus recht.“

Anfang der 80er Jahre fast ausgestorben

Durch die Konkurrenz anderer Rassen, die vor allem mehr Milch geben, aber auch durch die Mechanisierung in der Landwirtschaft war die Zahl der Limpurger Rinder ständig zurückgegangen. 1930 waren noch knapp 60 Bullen und rund 800 Kühe im Herdbuch eingetragen. Als sich Mitte der 60er Jahre der Zuchtverband auflöste, hatte dieser noch sieben Mitglieder und nur noch ein Bulle und 17 Kühe standen im Herdbuch.

Anfang der 80er Jahre galt die Rasse als so gut wie ausgestorben. Einige Betriebe hielten jedoch an ihr fest, weil die Tiere sich vorzüglich zur Arbeit eignen. Nachdem die letzten Exemplare sozusagen aufgespürt wurden, wurde 1987 die Züchtervereinigung wiedergegründet. Nicht nur die Zahl der Tiere stieg wieder an, auch die der Mitgliedsbetriebe. 2012 waren bereits wieder knapp 500 Kühe in rund 90 Mitgliedsbetrieben verzeichnet.

Die Züchtervereinigung legt Wert darauf, dass die Rasse auch als „kulturhistorisches Gut“, als regionales Erbe fortbesteht, und fordert, dass sie in der Landschaft erhalten wird, welche diese Rasse hervorgebracht und geprägt hat. Läpple hat Glück: Rindertechnisch liegt der Rems-Murr-Kreis gerade noch am Rand des Limpurger Lands. Fleisch mit der geschützten Bezeichnung „Weideochse vom Limpurger Rind“ darf ansonsten nur aus dem Ostalbkreis, dem Welzheimer Wald, den Landkreisen Schwäbisch Hall, Hohenlohe und dem Main-Tauber-Kreis kommen.