Leutenbach

Drei Frauen retten den Weihnachtsmarkt

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Landwirt und Spatzenhof-Urgestein Manfred Läpple stellte wieder seinen Stall für die lebendige Krippe mit echten Tieren zur Verfügung, Christina Fossler, Christine Wolkenstein und Angelika Böhmer (v.l.) organisieren in diesem Jahr den Leutenbacher Weihnachtsmarkt. © Habermann/ZVW

Leutenbach. Der Weihnachtsmarkt im Spatzenhof, traditionell am zweiten Adventwochenende, ist vorerst gerettet. Nachdem die Geesmusiker angekündigt hatten, sich aus der Organisation zurückzuziehen, sah es zunächst schlecht aus mit dem Fortbestand. Das Frauentrio Angelika Böhmer, Christine Wolkenstein und Christina Fossler ist in die Bresche gesprungen.

Zum 41. Mal findet der heimelige Weihnachtsmarkt im Spatzenhof statt. 1977 organisierte ihn der örtliche VdS zum ersten Mal, anfangs eintägig, ab 1980 zweitägig, wobei der Veranstalter selbst immer die Gemeinde war und bis heute ist. 2006 übernahmen die Gees aus Nellmersbach. Als sie dem Rathaus mitteilten, dass sie aufhören, war die Not groß. Denn die Organisation der Veranstaltung bedeutet nicht nur die Einnahmen aus dem Monopol des Glühweinverkaufs für die Vereinskasse – wobei der Glühwein ja auch erst mal verkauft werden muss und dazu entsprechend viel Helfer über ein ganzes Wochenende hin nötig sind. Sondern eben auch eine Heidenarbeit, nicht zuletzt angesichts vieler Vorschriften, Vorgaben und der Verantwortung.

Alle Vereine wurden angefragt, keiner wollte

Bürgermeister Jürgen Kiesl habe alles drangesetzt, dass es weitergeht, berichtet Angelika Böhmer, lange Jahre Vorzimmerdame von Kiesl und seinem Vorgänger Horst Gebhardt, längst eigentlich im Ruhestand, aber immer wieder Notnagel im Rathaus. Christine Wolkenstein ist Mitarbeiterin in der Verwaltung. Sie und Angelika Böhmer engagieren sich weitestgehend ehrenamtlich für den Weihnachtsmarkt. Alle Vereine wurden angeschrieben, mit dem Glühweinverkaufserlös lockend. Trotzdem und trotz des Versprechens, unterstützt zu werden, biss niemand an. Das Trio hat Verständnis. Die vielen Vorschriften, Vorgaben seien abschreckend. Die Vereine hätten außerdem ihre eigenen Stände und damit bereits die Arbeit mit denen.

Angelika Böhmer entschied, als Kiesl daraufhin auf sie zukam, „wobei es nicht viel Überredung brauchte“, die „alte Mannschaft“ zu reaktivieren, für eine Übergangszeit. Oder man müsse das Konzept überdenken, meint Christine Wolkenstein. Sie schickten Mails rum, fragten, wer mithilft (gegen eine Aufwandsentschädigung), die Resonanz war ermutigend. Zum Beispiel helfen die Bauamtmitarbeiter beim Dekorieren, ehrenamtlich, außerhalb der Arbeitszeit. Es entstünde eine „Riesenlücke“, nicht nur für Leutenbach, sondern die ganze Umgebung, wenn es den Weihnachtsmarkt im Spatzenhof nicht mehr gäbe, schließlich besuchten den bei weitem nicht nur Einheimische, betont Christina Fossler. „Aber man muss halt ein gutes Team beisammenhaben.“

Erfolgsprinzip „Alles nur einmal“ gilt weiterhin

Die Marktbeschicker übernehmen sie, nachdem fast alle auf die Anfrage, ob sie weiter dabei sind, zusagten. Nur eine Familie, die Holzwaren verkaufte, hört altershalber auf. Haus Elim muss wegen des vorübergehenden Umzugs nach Weiler zum Stein im Zuge der Sanierung in Leutenbach pausieren. Der Wurststand, um den es wegen seines Fehlens Ärger gegeben hatte, ist wieder an Bord, als einziger Auswärtiger. Das Prinzip „Alles nur einmal“ gilt weiter. Den Stand können sie von den Gees übernehmen. Auch beim Programm gibt es Kontinuität. Der Musikverein ist wieder dabei, der Posaunenchor der Kirche, der Chor der Grundschule, der Männergesangsverein, die Jagdhornbläser, auch die Geesmusiker spielen wieder. Die Standprämierung gibt’ weiterhin. Erstmals spielt die Big Band der Musikschule. Die Kinder von der Kernzeitbetreuung und dem Hort in Nellmersbach schmücken den Weihnachtsbaum. Gemeinderäte und das Akkordeonorchester helfen beim Glühweinausschenken.

Krippe: Echte Tiere

Wer auch weiter bei der Stange bleibt und das ist für die Anziehungskraft des Weihnachtsmarkts wichtig, ist Manfred Läpple, der seinen Hof am Spatzenhof hat, dort geboren ist und wie er versichert, noch nie länger als zehn Tage am Stück von dem weg.

Er stellt seit vielen Jahren die lebendige Krippe mit leibhaftigen Tieren, die vor allem Familien mit Kindern magisch anzieht. Zwei Esel, zwei Schafe und zwei eigene Limpurger Rinder, davon eines ein Ochs, die alle gut miteinander auskommen, weil, sonst so Läpple, würde es nicht funktionieren. Dabei sind das keineswegs „alte Bekannte“, die Esel kommen aus Stuttgart-Mühlhausen, die Schafe aus Winnenden.

Nach zwei Rundstrohballennikolausjahren am Anfang habe es geheißen, „wir brauchen was Besonderes“, erinnert sich Läpple an die Anfänge. Der erste Esel kam von dr’ Alb ra, später lieh die Diakonie Stetten die Tiere aus.

Lebendige Krippen gibt es mittlerweile allerorten auf den Weihnachtsmärkten, das Besondere von Leutenbach war und ist, dass die Tiere dort in einem richtigen Stall stehen, was dem Ganzen einen besonderen Flair gibt.

Die lebendige Krippe musste im vergangenen Jahr ausfallen und dieser Verlust war bei den Besuchern förmlich zu spüren, weil viele gewohnheitsmäßig den Weg zum Stall einschlugen und dann enttäuscht vor dem verschlossenen Tor standen. Der Stall wird sonst, das Jahr über, zum Geräte- und Maschinenunterstellen gebraucht und Läpple hatte 2017 kein Ausweichquartier. Nun darf er während des Weihnachtsmarkts im Bauhof der Gemeinde unterstellen. Den Stall vorher ausräumen, aufbauen und danach ausmisten, das kostet Läpple ohnehin eine Woche rund um die Veranstaltung.