Leutenbach

Ein neues Wasserwerk liefert weicheres Wasser, nicht nur für Leutenbach

Wasserwerk Murrtal
Ein Zweckbau mit zentraler Funktion: Das neue Wasserwerk bei Burgstetten geht in Betrieb. © NOW

Diese Woche ist das Wasserwerk Murrtal bei Burgstetten in Betrieb gegangen. Im Neubau werden künftig rund 2,5 Millionen Kubikmeter Trinkwasser im Jahr produziert, wodurch sich sowohl die Trinkwasserqualität als auch die Versorgungssicherheit für Leutenbach und weitere am Projekt beteiligte Kommunen erhöht.

Gemeinsam mit dem Zweckverband Wasserversorgung Nordostwürttemberg (NOW) haben die Gemeinden Allmersbach im Tal, Aspach, Burgstetten, Leutenbach und Oppenweiler, die Stadtwerke Backnang GmbH und die Zweckverbände Allmersbach im Tal, Hardt-Wasserversorgung und Söllbachgruppe sich fürs Trinkwasser zusammengetan.

Wasser wird weicher: Nur noch 13 Grad deutsche Härte

„Das neue Wasserwerk Murrtal ist das Herzstück der Versorgungskonzeption. Zukünftig wird das Rohwasser von 60 Brunnen und Quellen in dem neuen Wasserwerk zusammengeführt, zentral aufbereitet und enthärtet und anschließend wieder verteilt. Durch die Zusammenarbeit der beteiligten Partner und die Unterstützung des Landes Baden-Württembergs erhalten die Einwohner der teilnehmenden Kommunen Trinkwasser in bester Qualität und einer einheitlich geringeren Wasserhärte von rund 13 Grad deutsche Härte“, sagte NOW-Geschäftsführer Dr. Jochen Damm.

Mit Beginn der Wasseraufbereitung ist das NOW-Personal für den Betrieb der Anlage verantwortlich. Das zweckorientierte Bauwerk besteht im Wesentlichen aus der Filterhalle, dem Rohrkeller und verschiedenen Betriebs- und Technikräumen. Eine Fotovoltaikanlage und eine Turbine leisten einen wichtigen Beitrag zur regenerativen Energiegewinnung und allgemeinen CO2-Einsparung.

Durch die bereits erfolgte Fertigstellung der ersten Leitungsbauabschnitte stehen dem Wasserwerk zu Beginn 25 Liter pro Sekunde Rohwasser der Gemeinde Leutenbach und des Zweckverbands Söllbachgruppe zur Verfügung. Bis zur Fertigstellung des 51 km langen Leitungsbaus (voraussichtlich Mitte 2024) wird die Rohwasseraufbereitungsmenge des Wasserwerks Murrtal kontinuierlich auf 90 Liter pro Sekunde steigen.

Bakterien und Viren bleiben im ultrafeinen Filter hängen

Im ersten Aufbereitungsschritt, der Ultrafiltration, werden ungelöste Teilchen (Partikel) und Keime (darunter auch mögliche Krankheitserreger wie Bakterien und Viren) durch eine poröse Membran wie bei einem Sieb zu 100 Prozent herausgefiltert. Auch das derzeit in der Diskussion stehende Mikroplastik werde aufgrund der extrem kleinen Siebweite der Membran zurückgehalten, verspricht die NOW.

„Da in den kommenden Jahrzehnten mit steigenden Grundwasserbelastungen durch Spurenstoffe zu rechnen ist, beispielsweise Rückstände von Pflanzenschutzmitteln oder Medikamenten, wurde im Wasserwerk Murrtal vorsorglich bereits jetzt ein Aktivkohlefilter installiert“, so Jochen Damm.

Viele Wasservorkommen im nördlichen Rems-Murr-Kreis weisen mit 25 bis 30 Grad deutsche Härte eine hohe Wasserhärte auf, weshalb das neue Wasserwerk mit einer Enthärtungsanlage nach dem Ionenaustauschverfahren (Carix-Verfahren) ausgestattet ist. Die Wasserhärte wird dabei im Wasserwerk von durchschnittlich 24 auf 13 bis 14 Grad deutsche Härte reduziert.

Um zu vermeiden, dass im Fall einer schadhaften Ultrafiltrationsmembran Mikroorganismen ins Reinwasser gelangen, ist am Ende des Wasseraufbereitungsprozesses als zusätzliche Sicherheitsstufe eine UV-Desinfektionsanlage installiert. In der Anlage durchleuchten zwölf Niederdruckstrahler das Wasser von allen Seiten mit ultravioletter Strahlung (Wellenlänge: 254 Nanometer), die gegen Viren und Bakterien besonders wirksam ist. Auf die Dosierung von Chlor kann deshalb verzichtet werden. Nach der Aufbereitung wird das Trinkwasser in Reinwasserkammern gespeichert. Anschließend wird es ins NOW-Netz eingespeist und verteilt.

Dr. Damm: „Wir müssen uns auf trockenere Sommer vorbereiten“

Die Baukosten für das Wasserwerk betragen voraussichtlich 14,1 Millionen Euro. Die Gesamtbaukosten für die Versorgungskonzeption (Wasserwerk, Leitungsbau, Außenstationen) liegen derzeit bei 39 Millionen Euro netto. Das Land Baden-Württemberg unterstützt dieses Gemeinschaftsprojekt mit voraussichtlich rund 16 Millionen Euro Fördermitteln. Die restlichen Kosten werden von der NOW und den beteiligten kommunalen Partnern getragen. Vom Land nicht gefördert wird der Bau einer Enthärtungsanlage. Die Kosten dafür trägt zu 100 Prozent die NOW.

„Wir müssen uns auch in Baden-Württemberg auf trockenere Sommer vorbereiten. Mit moderner Aufbereitungstechnik und neuen Wasserleitungen sorgen wir dafür, dass die örtlichen Brunnen und Quellen in Zukunft optimal genutzt werden können“, sagt Damm.

Die NOW versorgt rund 600 000 Einwohner mit Trinkwasser

Seit ihrer Gründung ist die Wasserversorgung Nordostwürttemberg (NOW) als kommunaler Zweckverband zu 100 Prozent in öffentlicher Hand. Der NOW gehören 49 Städte und Gemeinden, 17 Zweckverbände, 4 Stadtwerke und 4 Landkreise an. Sitz des Zweckverbands ist Crailsheim.

Die NOW ist der drittgrößte Fernwasserversorger in Baden-Württemberg. Über ein 840 Kilometer langes Leitungsnetz verteilt die NOW Trinkwasser an ihre Mitglieder. Insgesamt werden 600 000 Einwohner in rund 100 Städten und Gemeinden von der NOW mit Trinkwasser versorgt.