Leutenbach

Haus Elim bildet zwei Flüchtlinge zu Altenpflegern aus

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Dieter Janle und Max Berger lassen sich von Samuel Wodadze (2.v.l.) und Outcha Attigbe (r.) rasieren. © Büttner / ZVW

Leutenbach. Outcha Attigbe und Samuel Wodadze sind die ersten Flüchtlinge, die in Haus Elim zu Altenpflegern ausgebildet werden. Beide stammen aus Togo, beide sind im Asylverfahren mittlerweile abgelehnt worden, haben aber eine Aufenthaltsduldung für die Zeit ihrer Ausbildung und sie könnten diese erneut beantragen für zwei Arbeitsjahre nach deren Abschluss.

Beide hätten zunächst also ausreisen müssen, haben aber mit Unterstützung der Kolping-Schule in Stuttgart eine Aufenthaltsduldung bekommen. Deren Rektorin hatte in Haus Elim angefragt, ob die Einrichtung sich vorstellen könne, bereit sei, sich auf eine Ausbildung von Flüchtlingen einzulassen. Das Pflegeheim ließ drei Flüchtlinge zwei Tage Probe arbeiten und übernahm schließlich zwei von ihnen für eine Ausbildung. Hausleiterin Madlen Wienert betont, dass die beiden das gleiche Bewerbungsverfahren wie alle Interessenten durchlaufen mussten, also keineswegs bevorzugt worden seien. Allerdings sei sie als Sozialpädagogin selbstverständlich auch dafür, Wege zu öffnen, zu unterstützen.

Die Ausbildung dauert bei ihnen vier Jahre

Die Ausbildung der beiden dauert länger, vier Jahre, weil sie zusätzliche Sprachförderung brauchen und bekommen. In den ersten drei Monaten wurden sie intensiv in der Sprache und den Grundlagen der Grundpflege geschult. In einem Pflegeheim stelle sich ja die Frage, wie die Kommunikation klappe, wie die Bewohner reagieren, ob die Kollegen sich das vorstellen können, so Madlen Wienert. Er sei den Umgang mit Älteren schon durch seine Großeltern gewohnt gewesen, betont Wodadze. Mit dem Beruf, den sie beide erlernen, gebe es für sie eine Zukunftsperspektive. Er hat ehrgeizige Pläne, die über den Beruf des Altenpflegers hinausgehen, in Richtung Medizin.

Wodadze hat die erste Prüfung mit der Note 1,3 bestanden

Die beiden sind seit zwei Jahren in der Ausbildung, die erste Prüfung haben sie bestanden, Wodadze sogar mit der Note 1,3. Er hat außerdem jüngst die Prüfung für das B-2-Niveau in Deutsch bestanden, will weitere Deutschkurse, bis zum höchsten Level (C 2), absolvieren. „Er lernt extrem schnell“, lobt Madlen Wienert Wodadze, der nebenher noch die Führerscheinprüfung bestanden hat. Der Deutschunterricht läuft ohnehin für beide parallel zur Ausbildung weiter. Mit der bestandenen Prüfung sind sie nicht nur bereits staatlich anerkannte Altenpflegehelfer, sondern haben den Hauptschulabschluss miterworben. Attigbe, dem die fremde Sprache schwererfällt, hat für die Prüfung in der Wohnung seines Bruders gelernt. In der Flüchtlingsunterkunft komme er nicht zur notwendigen Ruhe, nicht einmal für die zum Schlafen. Er ist deshalb schon seit längerem auf Wohnungssuche.

Nach der Ausbildung kann eine weitere Aufenthaltsduldung beantragt werden. Haus Elim darf die beiden noch zumindest zwei Jahre beschäftigen. Was das Bewältigen der erforderlichen Bürokratie angeht, habe das Kolpinghaus, in deren Bildungswerk die beiden die Berufsschule besuchen, Haus Elim viel abgenommen, betont Madlen Wienert: „Die kümmern sich, die Rektorin dort ist enorm engagiert.“ Wie haben die Bewohner auf die „exotischen“ Pfleger reagiert? „Unterschiedlich, es gab auch welche, die waren sehr ängstlich“, räumt die Hausleiterin ein. Es habe anfangs durchaus Vorbehalte gegeben, die man aber akzeptieren müsse. Auf der anderen Seite: Eine Bewohnerin habe mal zu Wodadze gesagt: „Du bist mein Schutzengel.“

In der Zeit der Prüfung kam der Asyl-Ablehnungsbescheid

Wodadze erzählt von sich aus, dass er in der Zeit der Prüfung den Ablehnungsbescheid für den Asylantrag eines Abends aus dem Briefkasten geholt hat. Das sei für ihn ein Schock gewesen. „Ich war entmutigt, verzweifelt.“ Die beiden waren zu der Zeit schon anderthalb Jahre in Haus Elim. Madlen Wienert kann seinen Gemütszustand damals nachvollziehen: „Das ist doch verständlich, die beiden hatten sich eingewöhnt, Bekanntschaften und Freundschaften geschlossen und auf einmal steht da ,Sie müssen innerhalb von 30 Tagen ausreisen’.“ Aber es kam ja anders.


Autoritäres Regime in der Heimat

Attigbe, 33, ist gelernter Koch. Er sagt über sein Heimatland: „Es gibt keine Demokratie dort“. Der langjährige Präsident habe dort eine Diktatur errichtet. Geprägt wurde das Land fast 40 Jahre lang vom autokratisch regierenden Präsidenten Gnassingbé Eyadéma. Nach dessen Tod 2005 wurde sein Sohn Faure Gnassingbé unter Missachtung der Verfassung von der togoischen Armee zum neuen Präsidenten ernannt.

Attigbe, der aus Lomé stammt, hat zwei Schwestern, zwei ältere Brüder und einen Zwillingsbruder, der nach ihm, allerdings legal, nach Deutschland eingereist ist. Türkei, Bulgarien, wo er acht Monate inhaftiert war, Serbien, Ungarn, Österreich waren die Stationen. Aus dem Nachbarland ist er über einen „Umweg“ über Frankreich nach Deutschland gekommen. Über Dortmund, Essen, die Landeserstaufnahme in Karlsruhe und Mannheim kam er nach Winnenden, in die Flüchtlingsunterkunft an der Albertviller Straße.

Wodadze, 35, hat zwei Kinder und eine Frau in der Heimat zurückgelassen. Er hat beruflich schon einiges hinter sich, unter anderem hat er Kinder unterrichtet, war also Lehrer. Er kam über die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich nach Deutschland, landete dort zunächst in München. Er lebt in Winnenden in einer Wohnung. Er und Attigbe sind seit 2015 in Winnenden.

Togo sei trotz Wahlen (die laut Kritikern allerdings gefälscht waren) nach wie vor eine Diktatur, seit vielen Jahren beherrscht von einer Familie, die unliebsame Kritiker verschwinden lasse, sagt Wodadze, der wie Attigbe täglich über Whatsapp Kontakt in die Heimat hält. Die Situation dort habe sich nicht wirklich verbessert, das zeigten die anhaltenden Demonstrationen gegen das Regime.