Leutenbach

Keinen Unterhalt für die Töchter gezahlt

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Das Amtsgericht in Waiblingen. © Ramona Adolf

Leutenbach/Waiblingen. Die ganze Beweisaufnahme über hat er geschwiegen, auch auf das letzte Wort vor dem Urteil verzichtet. Nach dem Schuldspruch bricht es aber aus dem 46-jährigen Leutenbacher heraus. Dass er verurteilt wird, das sei okay, aber was denn jetzt „die Lösung“ sei, will er von der Richterin wissen. Die hat ihm soeben wegen Verletzung der Unterhaltspflicht eine Geldstrafe auferlegt.

Das Geld bekomme ja der Staat, damit sei aber seinen Kindern nicht geholfen, klagt der Mann. Diesen Einwand müsse er mit seinem Anwalt besprechen, beziehungsweise diesen „woanders regeln“, hält ihm die Richterin entgegen. Es gehe in dem Verfahren nur um den Zeitraum, für den er angeklagt sei und in dem er nachweislich Unterhalt hätte zahlen können. Seine derzeitige Situation, bei der man davon auszugehen habe, dass er arbeitslos, also ohne Einkommen, sei, werde in der niedrigen Höhe der Tagessätze im Urteil ja berücksichtigt.

Der Mann ist zu 90 Tagessätzen à zehn Euro, also insgesamt 900 Euro, Strafe verurteilt worden. Die Anklage hatte 60 Tagessätze à 50 Euro beantragt, also insgesamt 3000 Euro.

Andere Dinge seien ihm wichtiger gewesen

Der Mann hat aus einer früheren Beziehung zwei Töchter, in den Jahren 1998 und 2000 geboren. Im Gerichtsverfahren sagt deren Mutter als Zeugin aus, dass der Vater sich immer geweigert habe, Unterhalt zu zahlen, „weil ihm andere Dinge wichtiger gewesen sind als seine eigenen Kinder“. Das seien früher zum Beispiel Drogen gewesen, aber auch Klamotten, Mode. Er habe immer Ausreden gehabt, warum er gerade jetzt nicht zahlen könne. Im vergangenen Jahr habe sie einmal 300 Euro Unterhalt von ihm bekommen, in bar. Einmal, vor Jahren, habe er für eine Klassenfahrt einer der Töchter 100 Euro beigesteuert. Sonst aber sei all die Zeit nichts von ihm gekommen, er habe immer wieder „Höhenflüge“ gehabt, bloß Versprechungen gemacht.

Der Angeklagte macht keine Aussage

Der Mann hört sich diese für ihn nicht gerade schmeichelhaften Aussagen ohne sichtliche Regung an, widerspricht ihnen nicht, sagt aber auch sonst nichts vor dem Urteil. In dem Verfahren geht es allerdings nur um vier Monate im vergangenen Jahr, einen Zeitraum, in dem er rund 1600 Euro netto im Monat verdiente. Die Richterin hält dem Angeklagten vor, dass er damals für seine Töchter durchaus zusammen monatlich 300 Euro Unterhalt hätte zahlen können, die Differenz eben, wenn man seinen eigenen Lebensunterhalt vom Einkommen abzieht.

Der Angeklagte hat zwar eine Latte von Vorstrafen. Diese liegen allerdings, bis auf eine, sehr lange zurück und sind auch nicht einschlägig, er war seinerzeit mehrfach nach dem Jugendstrafrecht verurteilt worden. Die bislang letzte Eintragung im Strafregister stammt aus dem Jahr 2007, ist also mittlerweile auch schon fast zehn Jahre her.