Leutenbach

Leutenbach: Die Rems-Murr-Bühne probt nach langer Corona-Zwangspause wieder

rems-murr-bühne
Katharina Mihm, Stefan Orner, Andreas Lutz und Harald Orner (von links) „in Action“, es geht schon bei der Probe turbulent zu. Weitere Ensemblemitglieder sind Gert Hofmann, Jana Zartmann, Petra Meinkuss-Hilt, Jutta Rieger-Ehrmann und Roland Hilt. © büttner

Was macht eigentlich die Rems-Murr-Bühne? Lange nichts mehr von ihr gehört oder gesehen, sie wird doch wohl nicht untergegangen sein in der Corona-Pandemie? Keine Sorge. Sie probt. „Außer Kontrolle“ heißt ihr neues Stück, im englischen Original „Out of order“. Es ist also ins Deutsche und mittlerweile auch ins Schwäbische übersetzt. Es ist also wieder Mundart und wieder Komödie, nach einer Vorlage des erfolgreichsten britischen Autors in diesem Genre, Ray Cooney, versichert Stefan Orner, schon mal ein bisschen Werbung machend. 2014 haben die Leutenbacher bereits ein Stück von dem aufgeführt, nach ihrer Meinung und wohl auch der des Publikums das beste, das sie je auf die Bühne gebracht haben, Titel „Älles wegem liaba Geld“.

„Wir haben gesagt, nach einer so langen Pause brauchen wir zum Neustart einen richtigen Knaller“, so Orner und kündigt eine turbulente Verwechslungskomödie an, „mit viel britischem Humor“. Der soll auch im Schwäbischen erhalten bleiben, die Orte des Geschehens haben sie freilich angepasst, wenn auch nicht ganz „eingemeindet“. Das Ganze spielt im nahen Stuttgart, ein Politiker verstrickt sich in Schlamassel, hat sich eigentlich selbst reingeritten, die Handlung pendelt zwischen Landtag und einem bekannten Hotel in der Nähe, wobei Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen oder Örtlichkeiten rein zufällig wären, versteht sich.

 Sie sind noch ganz am Anfang, beim Einlesen. Bereits die Lektüre macht dem Ensemble selbst viel Spaß. Aber: „Das saugute Stück ist schon auch eine Herausforderung“, so Orner, „wir müssen uns immer wieder zusammenreißen, dass wir nicht selbst zwischendrin lachen“. Er und sein Vater Harald, der ebenfalls mitspielt, legen Wert darauf, dass diese Komödie zeitgenössisch ist, also Aktuelles aufgreift. Das war eigentlich immer so bei ihnen, ist der Markenkern, wenn man so will, der Rems-Murr-Bühne, dass sie kein „volkstümelndes, derbes Bauerntheater“ sei. Die Premiere ist Anfang November geplant, in der runderneuerten Rems-Murr-Halle, also ein Heimspiel, und Tags darauf die Aufführung im Rahmen der Leutenbacher Kultur-Aboreihe.

Eigentlich wollten sie schon 2021 zum 40-Jährigen wieder loslegen

Die bislang letzte Aufführung war 2019, die letzte Premiere 2018. Eigentlich war geplant, 2021 wieder „anzugreifen“, zum 40-jährigen Bestehen, nun wird es halt Herbst 2022. Wie sind sie bislang über die Corona-Zeit gekommen? Ja, das war nicht einfach. Zum Beispiel gab es zunächst einen Nichtgeimpften im Ensemble. Der hat von sich aus gesagt, er pausiere, um die anderen nicht zu gefährden. Mittlerweile seien aber alle geimpft und auch bereits geboostert. Nach wie vor müssen sie sich vor jeder Probe testen, das sei anfangs also ein bisschen unkalkulierbar gewesen, mittlerweile sei es besser geworden.

Geprobt wird dienstags bei Messer-Giesser

Sie brauchen noch einen Jungdarsteller, Reserve oder Ersatzspieler, sportlich gesagt, haben sie eh nicht. Auf der anderen Seite aber hatten sie auch keine endgültigen Abgänge, was keineswegs selbstverständlich ist für eine Amateur-Künstlertruppe, die mangels Auftritten keinerlei Bestätigung durch Publikum bekommt. Also wer Zeit und Lust hat: Geprobt wird dienstags ab 18 Uhr, bei Messer-Giesser in Winnenden, bitte bei Stefan Orner melden.

 Wie war’s denn, als es nach der langen Zwangspause wieder losging? Na ja, ein bisschen habe es schon gebraucht. So schlimm kann’s nicht gewesen sein, das verlernt man doch nicht und das zeigt sich, als ihnen Regisseur Bernhard Linke eingangs der Probe eine „Aufgabe“ zum „Aufwärmen“ stellt. Er ist der einzige Profi, hat Schauspiel in Berlin studiert, hatte Engagements dort, in Weimar und Stuttgart, war Ensemblemitglied an der Tri-Bühne, gehört derzeit zum Ensemble des Theaters der Altstadt und spielt regelmäßig beim Theatersommer in Ludwigsburg mit.

 Die Übung: Ein Teenager, mit seiner Familie in der Schweiz lebend, darf abends zu einem Konzert seiner Lieblingsband (der ihn spielt, darf wählen, nimmt natürlich eine aus seiner eigenen Jugendzeit, Black Sabbath oder Led Zeppelin, da legt er sich nicht fest), muss allerdings dafür von Genf nach Lausanne mit der Bahn fahren. Alles geht gut, bis zur Rückfahrt, ihm fehlen dafür plötzlich zwei Franken, wie er die bekommt, schlitzohrig, ist schon an sich „glatt“.

„Völlig unverantwortlich, deine Eltern“, so der frühere Lehrer und Rektor

Er soll dieses Abenteuer also nun erzählen, erst allen andern, dann nur einem andern im Ensemble, darauf einem weiteren, die so ihre Zweifel an der Geschichte äußern sollen, also die Szene nun mitspielen. Es schaukelt sich auf, das Hin und Her wäre bereits sehens- und hörenswert, publikumsträchtig. Der Gag schlechthin, der Harald Orner spontan einfällt, es ist ja alles „aus dem Stand“ gespielt: Das sei „völlig unverantwortlich“ von seinen Eltern, ihn da nachts alleine so unterwegs sein zu lassen „ond des hätt’s früher ned geba“, kommentiert er die Saga staubtrocken. Wer „dazu weiß“, dass Orner früher Lehrer und Rektor war, zwangsläufig also viel auch mit Eltern zu tun hatte, der muss schmunzeln. Zumal den anderen Zweifler in der Szene Sohn Stefan spielt, der selbst einst ja auch ein Teenager war. Seinem Vater dürfte das „Malheur“ des Heranwachsenden in der Szene also gar nicht so fremd sein. Herrlich, diese zufälligen Verwicklungen.

Aus dem „Mister“ wird ein „Minischder“

Sie können es also noch, das zeigt sich auch, als es darum geht, wie man im Stück aus dem „Mister“ einen „Minischder“ macht und ob man dem Publikum „Dr. Schniedl“ zumuten darf. Und die Frage: Ohne oder mit „e“ am Schluss („Schniedel“)? Für Orner Senior ist der Fall klar. Bürgermeister Jürgen Kiesl sei schließlich immer grantig, wenn man seinen Namen aus Versehen auch hinten mit einem „e“ schreibe.

Also, weder die Namensfindung noch die Rollenbesetzung sind ganz abgeschlossen. Heutzutage beziehungsweise längst ist keineswegs mehr in Stein gemeißelt, dass „geschlechtergleich“ gespielt werden muss. Wer sagt denn, dass eine Frau nur von einer Frau gespielt werden darf (und umgekehrt)? Auch da ist die Rems-Murr-Bühne auf der Höhe der Zeit.

Was macht eigentlich die Rems-Murr-Bühne? Lange nichts mehr von ihr gehört oder gesehen, sie wird doch wohl nicht untergegangen sein in der Corona-Pandemie? Keine Sorge. Sie probt. „Außer Kontrolle“ heißt ihr neues Stück, im englischen Original „Out of order“. Es ist also ins Deutsche und mittlerweile auch ins Schwäbische übersetzt. Es ist also wieder Mundart und wieder Komödie, nach einer Vorlage des erfolgreichsten britischen Autors in diesem Genre, Ray Cooney, versichert Stefan Orner,

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper