Leutenbach

Leutenbach: Mann mit Besen verdroschen? Vermeintliches Opfer erscheint nicht vor Gericht

Besen
Mit einem Besen soll ein Bewohner einer Flüchtlingsunterkunft auf einen anderen eingeschlagen haben. © Pixabay

Was im November des vergangenen Jahres in der Flüchtlingsunterkunft im Mühlefeld wirklich geschehen ist, das können nur die Beteiligten sagen. Doch: Diese machen völlig unterschiedliche Aussagen zu einer Auseinandersetzung, an deren Ende ein Bewohner Striemen und blutige Wunden am Rücken davontrug. Auch Richterin Basoglu-Waselzada hatte Schwierigkeiten, die Aussagen zu sortieren und somit das Wirrwarr aufzuklären.

Angeklagter: „Das stimmt alles nicht. Der Mann lügt“

Auf der Anklagebank im Amtsgericht nahm ein 27-Jähriger aus Gambia Platz. Zunächst berichtete er, dass er 2014 nach Deutschland gekommen ist. Seine Eltern seien kurz nach seiner Geburt gestorben, Geschwister habe er auch keine. Einen Sprachkurs hat der Gambier zwar abgeschlossen, während der Pandemie aber keinen Unterricht mehr gehabt. Er sprach auf Englisch, eine Dolmetscherin übersetzte. Angeklagt war der Mann wegen Beleidigung und gefährlicher Körperverletzung. Er soll auf einen Kontrahenten in der Flüchtlingsunterkunft im Mühlefeld mit einem Besen eingeschlagen haben. Davon wollte der Angeklagte jedoch nichts wissen. „Das stimmt alles nicht. Der Mann lügt. Ich habe das nicht getan. Er hat psychische Probleme, das wissen alle in der Unterkunft“, erklärte der Angeklagte der Richterin. Vielmehr sei es so gewesen, dass er laute Geräusche gehört habe, aus seinem Zimmer gekommen sei und zwei Männer aufeinander losgegangen seien. Er sei dazwischengegangen, habe geschlichtet. Mehr sei nicht passiert. Ein Securitymann aus der Unterkunft hat dann schließlich die Polizei gerufen.

Polizist hält den Angeklagten für wenig glaubhaft

Einer der Polizisten, der vor Ort gewesen ist, war als Zeuge vor dem Amtsgericht geladen. Als er an der Unterkunft eingetroffen war, hatte sich die Auseinandersetzung schon aufgelöst, erinnerte er sich. Im Raum habe er einen am Stiel gebrochenen Besen vorgefunden. Die striemenartigen Verletzungen am Rücken des Opfers könnten durchaus die Folge von Besenhieben sein.

Den Aussagen des Angeklagten, die der Mann in gleicher Weise auch auf dem Polizeirevier gemacht habe, wollte der Beamte nicht so recht Glauben schenken. „Er hat sich widersprüchlich ausgedrückt. Insgesamt hat das keinen stimmigen Eindruck auf mich gemacht“, so der Polizist. Glaubhafter sei für ihn die Aussage des vermeintlichen Opfers, wonach dieses in seinem Zimmer ein lautes Stampfen vernommen habe, zur Tür gegangen sei und dort vom Angeklagten und einem weiteren Mann empfangen wurde. Die Männer hätten den Mann bedroht, der Angeklagte dann mit dem Besen auf ihn eingeschlagen.

Das vermeintliche Opfer erscheint nicht vor Gericht

Das vermeintliche Opfer erschien allerdings nicht vor Gericht, obwohl der Mann als Zeuge geladen war. „Es scheint so, als habe er kein Interesse an einer Strafverfolgung“, kommentierte die Richterin dessen Fehlen. Unter anderem dieser Fakt und dass nicht endgültig geklärt werden könne, was wirklich in der Unterkunft passiert ist, Aussage gegen Aussage stehe, ließ die Richterin dazu tendieren, das Verfahren gegen eine Auflage einzustellen. „Das ist sehr ungewöhnlich bei einer gefährlichen Körperverletzung. Wenn die Staatsanwaltschaft zustimmt, dann würde ich dafür plädieren, dass der Angeklagte Arbeitsstunden leisten muss. Dann bekommt er keinen Eintrag in das Führungszeugnis“, so die Richterin. Nach einem kurzen Telefonat erklärte sich auch die Rechtsgehilfin einverstanden.

Der Angeklagte muss innerhalb von drei Monaten 80 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten, tut er das nicht, kommt es zu einer erneuten Verhandlung.

„Sehen Sie das nicht als Strafe an, sondern als Angebot“, so die Richterin zu dem 27 Jahre alten Gambier.

Was im November des vergangenen Jahres in der Flüchtlingsunterkunft im Mühlefeld wirklich geschehen ist, das können nur die Beteiligten sagen. Doch: Diese machen völlig unterschiedliche Aussagen zu einer Auseinandersetzung, an deren Ende ein Bewohner Striemen und blutige Wunden am Rücken davontrug. Auch Richterin Basoglu-Waselzada hatte Schwierigkeiten, die Aussagen zu sortieren und somit das Wirrwarr aufzuklären.

Angeklagter: „Das stimmt alles nicht. Der Mann lügt“

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