Leutenbach

Leutenbach: weiterer Container als  Flüchtlingsunterkunft

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Die zwei Container im Gewerbegebiet in Nellmersbach, der neuere (r.) ist noch nicht bezogen. © speiser

Die Gemeinde rechnet damit, dass sie weitere Flüchtlinge aufnehmen muss, dass Flüchtlinge lange bleiben und dass welche gar nicht mehr in die Heimat zurückkehren werden. Dazu will sie Vorsorge treffen. Vermeiden will sie dabei allerdings, so lange es geht, Hallen zu belegen und deshalb möglicherweise Schul- und Vereinssport sowie Veranstaltungen ausfallen lassen zu müssen.

Nachdem in Nellmersbach mittlerweile zwei Unterbringungscontainer im Gewerbegebiet aufgestellt sind, soll ein weiterer im Teilort Leutenbach auf den derzeit nicht genutzten Tennisplätzen errichtet werden. Die Gemeinde wird ein Modul mit 30 Plätzen bestellen, das bei Bedarf mit einem weiteren Modul mit nochmals 30 Plätzen aufgestockt werden kann. Einem entsprechenden Antrag der Verwaltung hat der Technische Ausschuss des Gemeinderats einstimmig zugestimmt. Laut Verwaltung sind die Lieferung und Aufstellung im Zeitraum Januar/Februar vorgesehen.

Außerdem will sie Angebote für die Beschaffung von 30 Mobilheimen einholen, die in Baulücken aufgestellt werden können. Jedes Exemplar bietet für etwa vier Personen Platz, wobei die Lieferzeit etwa ein Jahr beträgt. Auch dem hat der Ausschuss zugestimmt.

Letzter Ausweg: die Sporthalle bei der Gemeinschaftsschule

In der Beratungsunterlage der Verwaltung für die Ausschusssitzung heißt es, „ein Ende des Zustroms an geflüchteten Personen“ sei nicht absehbar. Dort wird auch genannt – wenn es denn je so weit kommen sollte, die „festen“ Unterkünfte, die Container und die Mobilheime also nicht ausreichen würden –, welche Halle mit Flüchtlingen belegt würde: die Sporthalle Ob den Gärten bei der Gemeinschaftsschule. Den Grund, warum sie, hat Bürgermeister Jürgen Kiesl bei der „Bürgerwerkstatt“ zum geplanten Gemeindeentwicklungskonzept und damit öffentlich genannt: In Weiler zum Stein und Nellmersbach gibt es jeweils nur eine Halle, im Teilort Leutenbach dagegen zwei (wenn man von der TSV-Halle an der Gartenstraße absieht): die neu sanierte Rems-Murr-Halle, die eine Mehrzweckhalle ist, in der also auch Kulturveranstaltungen stattfinden, und die genannte Sporthalle.

Was das weitere und damit dritte Wohncontainermodul angeht – nicht zu vergessen die schon länger vorhandene Gemeinschaftsunterkunft oberhalb des Aldi-Markts gegenüber dem Wohngebiet Mühlefeld und nicht weit davon die Anschlussunterkunft an der Ziegeleistraße unweit des Winnender Bahnhofs –, hat die Verwaltung als mögliche Standorte auch den Bolzplatz in Weiler zum Stein oder das Areal nördlich der Grundschule in Leutenbach geprüft. Dort müsste aber jeweils das Grundstück erst noch erschlossen werden, was das Ganze erheblich verteuern würde.

 Eine weitere Alternative, das Grundstück der Baugenossenschaft Winnenden neben dem Löwenplatz, scheidet laut Verwaltung ebenfalls aus, weil es nur für etwa zwei Jahre zur Verfügung stehen würde. Ein weiterer Container auf dem Grundstück im Gewerbegebiet in Nellmersbach, wo sich die beiden anderen schon befinden, würde laut Verwaltung aufgrund des hohen Strombedarfs erfordern, dass die Gemeinde dort eine eigene Trafostation errichtet, so hat es die Syna ihr mitgeteilt. Dafür würde die Lieferzeit aber derzeit mindestens ein Jahr betragen, das scheide damit ebenfalls als kurzfristige Lösung aus.

Auch bei der geplanten Containeranlage auf der Leutenbacher Tennisanlage redet die Syna ein Wörtchen mit. Dort gehe laut ihr ein Stromanschluss für zwei Module nur, wenn diese mit Gas beheizt werden. Bei einer Stromheizung reiche der vorhandene Trafo nur für ein Modul. Die Mietzeit des Containers soll fünf Jahre betragen, wobei die Verwaltung davon ausgeht, dass, wenn sich die Lage wieder entspannt, zum Beispiel Ukrainer nach Kriegsende wieder in ihre Heimat zurückkehren würden, erst der Standort in Nellmersbach ausgelöst werden müsste. Das Grundstück dort ist nur befristet angemietet. Aus heutiger Sicht sei also der Bedarf für eine weitere Anlage in Leutenbach „wahrscheinlich da“.

Standorte für die Mobilheime sollen Baulücken sein

Was die mittelfristige Unterbringung von Flüchtlingen, ab 2024, in den genannten Mobilheimen angeht: Die Verwaltung hat vor einiger Zeit Inhaber von Baulückengrundstücken angefragt, ob sie sich vorstellen können, diese für fünf oder zehn Jahre zu verpachten, so dass dort Minihäuser („Tiny Houses“) darauf erstellt werden können. Neun von ihnen hätten das bejaht, für einen Zeitraum von zehn Jahren. Dazu kommen werde es gleichwohl in der Regel nicht, so die Verwaltung, weil unklar sei, wer die Erschließungskosten zu tragen habe oder was sei, wenn Pächter das Grundstück nach diesem Zeitraum nicht räumen. Die Eigentümer wollten deshalb lieber an die Gemeinde verpachten.

Dies könne nun bei der Flüchtlingsunterbringung genutzt werden, mit der Anpachtung von diesen Grundstücken, um darauf je nach Größe drei bis vier Mobilheime aufzustellen, so die Verwaltung. Aus ihrer Sicht habe das folgende Vorteile: Die Flüchtlinge würden über verschiedene Wohngebiete in kleinen Gruppen verteilt, man sei damit flexibel bei der Belegung und beim Standort, es sei eine günstige Alternative zur Schaffung von Wohnraum über einen längeren Zeitraum. Bei einer Nutzungszeit eines Mobilheims von 15 bis 20 Jahren betrügen die Kosten jeweils 50.000 Euro (Unterbringung von vier Personen im Schnitt).

Mobilheime könnten später verkauft oder andersweitig als günstiger Wohnraum genutzt werden, wenn kein Bedarf mehr zur Unterbringung von Flüchtlingen bestehe. Nachteile seien die lange Lieferzeit und die hohe Investition. Auf die Zahl 30 kommt die Verwaltung, weil Vorkehrungen für einen Ersatz rechtzeitig getroffen werden müssten, wenn das Grundstück in Nellmersbach, wo die beiden Containermodule stehen, nicht mehr zur Verfügung stehen werde.

 Was die langfristige Unterbringung von Flüchtlingen angehe, sei nicht zu erwarten, dass alle Flüchtlinge in ihre Heimatländer zurückkehren werden, so die Verwaltung. Deshalb werde sich die Gemeinde mit der Entwicklung eines Wohngebiets mit erheblichem Anteil an Geschosswohnungsbau für günstige Mietwohnungen befassen müssen. Sie werde mögliche Standorte dafür prüfen, so die Verwaltung.

Die Gemeinde rechnet damit, dass sie weitere Flüchtlinge aufnehmen muss, dass Flüchtlinge lange bleiben und dass welche gar nicht mehr in die Heimat zurückkehren werden. Dazu will sie Vorsorge treffen. Vermeiden will sie dabei allerdings, so lange es geht, Hallen zu belegen und deshalb möglicherweise Schul- und Vereinssport sowie Veranstaltungen ausfallen lassen zu müssen.

Nachdem in Nellmersbach mittlerweile zwei Unterbringungscontainer im Gewerbegebiet aufgestellt sind, soll ein

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