Leutenbach

Leutenbacherin beim ältesten Straßenrennen der Welt

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Dr. Daniela Marthold hat das älteste Straßenrennen der Welt, „Styrkeprøven“ (auf Deutsch: Stärkeprüfung), mit dem Rennrad bewältigt. © ZVW/Gabriel Habermann

Leutenbach. „Ich bin ja eher der moppelige Typ“, sagt Daniela Marthold, dass sie von anderen Teilnehmern an Radrennen meist krass unterschätzt wird. Sie hat erst vor fünf Jahren mit dem Sporttreiben begonnen - und am vergangenen Wochenende eine 543 Kilometer lange Strecke durch Norwegen, den „Styrkeprøven“, in 26 Stunden und drei Minuten bewältigt.

Diese Leistung lässt absolut aufhorchen. Als eine von 183 Frauen unter den 1882 Teilnehmern an der längsten Distanz ist sie ins Ziel gekommen. Doch Daniela Marthold hat eben nicht schon immer Sport getrieben. Aber sie hat in ihren 36 Lebensjahren offenbar eine ungeheure mentale Stärke entwickelt – und sie nun mit dem Ehrgeiz gepaart, sich gut auf die Ziele, die sie sich steckt, vorzubereiten.

Ihre Trainerin ist die deutsche Triathlonlegende Ute Mückel. Mit ihr arbeitet Daniela Marthold seit einem einschneidenden Erlebnis 2014 zusammen. „Damals dachte ich, läufst du halt mal fünf Kilometer – und sagte mir: oh Gott, nie mehr!“ Dazu die mitleidigen Blicke bis abschätzigen Aussagen anderer. „Es war für mich eine neue Erfahrung, dass man sportlich Leistung bringen musste, um akzeptiert zu werden.“

20 Stunden Training pro Woche

Mit Ute Mückel holte Daniela Marthold viel nach, lernte, beim Schwimmen ohne Panik den Kopf unter Wasser zu bekommen, weil sie beschlossen hatte, mit 35 beim 35. Triathlon in Rot teilzunehmen. „Als Brustschwimmer wäre ich da nur belächelt worden.“ Nachdem sie Jahr für Jahr ihre Ziele höher steckte, die bewältigten Distanzen verlängerte und die Ängste davor abbaute, kam sie 2018 tatsächlich in Rot ans Ziel. „Ich bin langsam, meine Stärke ist Ausdauer“, sagt sie, „aber danach hatte ich meinen inneren Frieden gefunden und es den Kritikern gezeigt.“ Ihr Mann Achim Meindorfer ist auch Triathlet, er trainiert viel mit seiner Frau, zu Hause im Wohnzimmer stellt er ein Rennrad auf die Rolle, sie nimmt den Hometrainer, am Wochenende machen sie Touren und starten bei Vorbereitungsrennen, zweimal im Jahr sind sie auf Inseln im Trainingslager. Er würde aber niemals eine solche Langstrecke wie in Norwegen überhaupt auch nur versuchen wollen. „Nach drei Stunden tut mir der Nacken weh und ich habe keine Lust mehr. Ich muss es über Schnelligkeit schaffen“, sagt er. Respekt hat er vor seiner Frau: „Ihre Vorbereitung auf den Styrkeprøven bedeuten 20 Stunden Training in der Woche.“

Beruflich ist sie Tierernährerin

Auch die muss man erst mal haben. Dr. Daniela Marthold arbeitet bei einem internationalen Konzern mit Sitz in Toulouse im Außendienst, zu ihrem Gebiet zählen Süddeutschland und Österreich. „Ich bin Tierernährerin. Ich vertreibe, einfach gesagt, Hefen und Bakterien für die Ernährung von Tieren. Meine Aufgabe ist es, die Tiergesundheit zu verbessern, und ich bin Wiederkäuer-Spezialistin.“ Sie hat Landwirtschaft studiert und auch promoviert, ist hoch bewandert in Biologie und Chemie, hat früher Milchviehbetriebe beraten und ist für etwas mehr Einkommen in den Verkauf gegangen. Zu Schulungen und Meetings muss sie aber meistens ins Ausland fliegen. Direkt nach dem Rennen flog sie zum Beispiel für vier Tage nach Spanien.

„Ihr Herz gehört dem Sport und den Kühen“, fasst ihr Mann zusammen. An den Trainingsruhetagen des Paars werden Haus- und Gartenarbeiten erledigt, das Wohnmobil war eine für die Vorbereitungswettkämpfe perfekte Anschaffung. „Du hast immer alles dabei und fühlst dich wohl“, sagt Dr. Daniela Marthold.

Nicht einmal eine Woche ist seit dem Rennen in Norwegen vergangen, für das sie mit den Pausen insgesamt 32 Stunden am Stück mit dem Fahrrad unterwegs war. Da hat sie sich schon das nächste Ziel gesetzt: „2020 will ich 750 Kilometer quer durch Deutschland fahren.“