Leutenbach

Mehrfacher Glücksfall für alle Beteiligten: Die neue Kita in Weiler zum Stein

Kita Weiler
Feierliche Eröffnung mit dem Erzieherinnen-Team: Lena Gamperling, Maryse Weber, Jennifer Blumhardt und Helen Fuchs (v.r.) © Gabriel Habermann

Manchmal fügt sich eben doch alles glücklich, einer dieser seltenen Fälle ist der neue Kindergarten in Weiler zum Stein. Eine Gemeinde, die dringend weitere Betreuungsplätze braucht, trifft auf eine Kirchengemeinde, die schrumpft und deshalb bereit ist, ihr Grundstück und die Kirche darauf zu verkaufen, zu einem ausgesprochen fairen Preis.

Das Bauamt und ein einheimischer Architekt, die beauftragten Firmen und ihre Handwerker nicht zu vergessen, kriegen es hin, aus dem einstigen Gotteshaus ein Schmuckstück zu machen, wo dem objektiven Betrachter schon außen nicht anderes als ein anerkennendes „Oha“ übrigbleibt, und der auch beim anschließenden Rundgang drinnen den Eindruck hat, dass da wohl kaum ein Wunsch offengeblieben ist oder bleiben wird, weder von den Kindern, noch von den Eltern noch von den Erzieherinnen, die dort arbeiten.

Erste Idee war ein „Bürgerhaus“, es hätte also auch anders kommen können

Es muss aber auch geschehen, dass der Hauptamtsleiter dem Bürgermeister mal entschieden widerspricht. Als Jürgen Kiesl nämlich mit dem Vorschlag eines Bürgers - der von der Verkaufsbereitschaft der neuapostolischen Kirchengemeinde Wind bekommen hatte und prompt ein „Bürgerhaus“ vorschlug – zu Jakob Schröder kam, sagte der sinngemäß „nichts da, wir brauchen mehr Betreuungsplätze“. Es zeichnet Kiesl aus, dass er so ein „Internum“ ganz entspannt in öffentlicher Runde ausplaudert, nämlich bei der Eröffnungsfeier der neuen Einrichtung am Birkachweg.

Es geht aber noch weiter, mit dem, was sich fügt: Welcher Kindergarten hat schon direkt nebendran einen Biergarten, wo die Eltern während der Eingewöhnungszeit ihrer Kleinen angenehm „pausieren“ können? Ein paar Meter weiter ist ein großer Spielplatz, und der direkte Nachbar, wenn man so will, ist die ebenfalls neue Außengruppe des Naturkindergartens. Ganz zu schweigen davon, dass es am Ortsrand ins Grün, zu Streuobstwiesen nur ein paar Schritte sind. Die Nachbarschaft einer Kurve an der Kreisstraße Richtung Heidenhof, hat die Gemeinde dadurch entschärft, dass sie die Kosten für die Leitplanke, die der Landkreis nicht übernehmen wollte, weil er sie für überflüssig hält, selbst trägt. So ist auch dafür gesorgt, dass zumindest von dorther kein ungebetener

Besuch zu erwarten ist.

Der 13. Kindergarten, und der 14. steht bereits an

Aber Kiesl wäre eben nicht Kiesl, wenn er bei der Gelegenheit nicht auch gleich darauf verwiesen hätte, dass die Zahl der Kindergärten mittlerweile von einst sieben auf 13 angestiegen ist, und dass der 14., auf dem Dach des noch zu bauenden, neuen Aldi-Markts (mit vier weiteren Gruppen) nicht mehr allzu lange auf sich warten lässt. Rund 700 neue Wohnungen in den vergangenen sieben Jahren und der damit verbundene Zuzug vieler junger Familien würden sich eben auch da bemerkbar machen, zeugten aber auch von der Attraktivität der Gemeinde. Nicht umsonst sei Leutenbach bei der Altersstruktur eine der jüngsten im Kreis.

Kiesl dankte noch mal ausdrücklich der Kirchengemeinde, dass sie das Areal nicht einfach meistbietend an einen Bauträger verkauft hat. Vom Flair der früheren Kirche sei durchaus noch etwas zu spüren, hob er mit Recht hervor, wenn man etwa die hohen Fenster sieht (auch wenn die alten Exemplare aus energetischen Gründen ausgewechselt wurden). Die Bauzeit war mit elf Monaten zudem rekordverdächtig kurz. Und, auch da hat Kiesl wohl recht, hat Architekt (und Gemeinderat) Karl-Heinz Lämmle behutsamer und mehr an die örtlichen Gegebenheiten angepasst, sorgsamer geplant als es ein Auswärtiger wohl getan hätte. Lämmle hat außerdem, kurzerhand aus eigener Kasse, die Storchen-Windfahne auf dem Dach als Wahrzeichen des neuen Gebäudes beigesteuert. Nach dem Motto: Die Diskussionen vorher darüber? Schwamm drüber.

Die Baukosten, ohne die Ausgaben fürs Grundstück, betrugen 1,2 Millionen Euro, wobei vom Bund eine halbe Million als Förderung kam. Rechne man also 700.000 Euro als verbleibende Investition für die Gemeinde, sei dies sehr günstig für einen Kindergarten mit zwei Gruppen, so Kiesl.

Auch die Gesamtleiterin der Kindertagesstätten Eva Pyrka hob die Geschichte des Gebäudes und die Besonderheit der Räume hervor. Sie lobte das Team für dessen große Mühe und außerordentlichen Einsatz bei der Ausstattung und Einrichtung, an die pädagogische Devise „Der Raum ist der dritte Erzieher“ erinnernd.

„Es fehlt wirklich an nichts“, so der Eindruck beim Rundgang, sowohl unten, wo die Krippengruppe ist, als auch im Obergeschoss im Ü-3-Bereich. Dort ist der Gruppenraum so hoch, dass es sogar noch für eine zweite „Etage“ mit Spiel- und Kuschelecke reicht. So mancher Ältere wird sich bei dem Anblick, was alles heutzutage für den Nachwuchs „geboten“ ist, denken: Wie nur sind wir früher groß geworden? Die einfache Antwort: wohl auch gut, aber halt anders.

Manchmal fügt sich eben doch alles glücklich, einer dieser seltenen Fälle ist der neue Kindergarten in Weiler zum Stein. Eine Gemeinde, die dringend weitere Betreuungsplätze braucht, trifft auf eine Kirchengemeinde, die schrumpft und deshalb bereit ist, ihr Grundstück und die Kirche darauf zu verkaufen, zu einem ausgesprochen fairen Preis.

Das Bauamt und ein einheimischer Architekt, die beauftragten Firmen und ihre Handwerker nicht zu vergessen, kriegen es hin, aus dem einstigen

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