Leutenbach

Millionenprojekt: Rems-Murr-Halle wird saniert

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Der Charme der Jahre, als die Halle gebaut wurde, offenbart sich auch im Foyer. Auch das wird nun grundlegend modernisiert. © Joachim Mogck
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Die Ausgabe und die Küche werden ebenfalls neu eingerichtet, ausgestattet.

Leutenbach. Die Sanierung der Rems-Murr-Halle ist beschlossene Sache. Den letzten, entscheidenden Schritt dazu hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung getan, mit ganz großer Mehrheit den erforderlichen Baubeschluss gefasst. Die jüngste Kostenschätzung liegt, inklusive Honorare für Architekten und Fachplaner, bei brutto 4,6 Millionen Euro.

Dies bedeutet eine weitere Kostensteigerung, rund eine halbe Million mehr als in der Kostenschätzung noch zu Beginn des Jahres. Grund sind die Ergebnisse einer weiteren Begehung der Halle mit dem Architekten und Fachplanern und von weiteren Gesprächen mit den Nutzern der Halle, vor allem den betreffenden Vereinen.

Behindertengerechte Toiletten

Als zusätzliche Maßnahmen, die dabei empfohlen wurden, wird das WC im Erdgeschoss behindertengerecht umgebaut und es wird ein zusätzliches behindertengerechtes WC im Untergeschoss eingebaut (dafür kein Aufzug erforderlich). Im gesamten Untergeschoss wird eine Brandschutzdecke eingebaut, ein barrierefreier und damit behindertengerechter Zugang zur Bühne wird geschaffen, der auch die Anlieferung dorthin wesentlich erleichtert. Bisher muss für Theateraufführungen und Konzerte alles mühsam quer durch die Halle geschafft und auf die Bühne gehievt werden.

Außerdem sind weitere, bislang nicht vorgesehene, Renovierungs- und Umbauarbeiten erforderlich. Ein dicker Brocken mit alleine rund einer Viertelmillion Euro ist die Erneuerung der Küche, wobei die in dieser Dimension noch nicht endgültig beschlossene Sache ist.

Auch die Ausstattung, Technik der Halle soll mit neuer Musikanlage, Beamer, Leinwand, Traversen, Bühnenbeleuchtung und WLAN aufgerüstet werden.

Kiesl: Erste grundlegende Sanierung nach 45 Jahren

Bürgermeister Jürgen Kiesl verwies eingangs der Aussprache im Gemeinderat darauf, dass es sich um die erste grundlegende Sanierung der Halle handle, 45 Jahre nach ihrem Bau. In dem Alter sei die Gemeindehalle in Weiler zum Stein schon längst modernisiert gewesen. Es gehe um die größte Halle in der Gemeinde, die zentral gelegen und gut erreichbar sei auch von den anderen beiden Teilorten. Es sei also Zeit, die Sanierung jetzt anzupacken. Bauamtsleiter Johannes Kocher betonte, es gehe nicht nur um eine Verschönerung, sondern auch um eine energetische Verbesserung, mit Dach- und Außenwanddämmung und neuen Fenstern, und damit ein großes Energiekosteneinsparpotenzial für die Zukunft in Höhe von etwa 15 000 Euro pro Jahr, eine Halbierung der Betriebskosten.

Hildenbrand warnt vor weiteren Schulden

Erneut kritisch äußerte sich Peter Hildenbrand, FWG, der wiederholte, die Sanierung komme aus seiner Sicht zu früh, sei vor allem von der Aussicht auf Zuschüsse getrieben. Hildenbrand bemängelte die mehrfache Kostensteigerung und die Finanzierung des Vorhabens über Kredite, neue Schulden seien also vorprogrammiert. Er warnte vor den erforderlichen Tilgungen und Zinszahlungen über viele Jahre hinweg. Die Gemeinde werde mit der sich anbahnenden Rekordverschuldung ein strukturelles Haushaltsproblem bekommen: „Ein Zuschuss darf nicht zu Ausgaben verleiten, die wir uns nicht leisten können.“

Couzinet: Gemeinde muss ihre Infrastruktur instand halten

Mit diesen Zahlen könne man jedes Jahr argumentieren, warum die Halle nicht saniert werden solle, hielt Dr. Daniel Couzinet, CDU, Hildenbrand entgegen: „Das Nein dazu lässt sich damit auch in fünf oder in zehn Jahren genauso begründen.“ Aber wenn die Gemeinde ihre Infrastruktur nicht instand halte, vernichte sie eben Werte. Die Sanierung der Halle müsse nun mal irgendwann angegangen werden. „Wer Infrastruktur hat, muss auch für deren Erhalt sorgen, das gilt auch für die Kommunen.“ Es sei, nach mehrfachen Vorberatungen, Zeit, Nägel mit Köpfen zu machen. Wenn man es angehen wolle, dann richtig, so dass es auch für die nächsten Jahrzehnte halten solle, bekräftigte Karl-Heinz Lämmle, ebenfalls CDU.

Auch die SPD sei dafür, es sei an der Zeit, so Herbert Krehl. Die Gemeinde solle nicht auf Zuschüsse verzichten, riskiere diese, wenn sie das Vorhaben erneut und damit immer wieder verschiebe. „Außerdem wird es mit der Zeit ganz gewiss nicht billiger.“

Für die Mehrheit der FWG-Fraktion hatte zuvor Erwin Schmidt Zustimmung angekündigt. Auch sie seien mittlerweile nicht mehr dafür, das Vorhaben zu schieben, eben weil es sonst immer teurer werde. Er rate allerdings, mit den Vereinen zu besprechen, was vor allem mit Blick auf die Küche notwendig und sinnvoll ist.


Ein starkes Jahr Bauzeit mit Hallenschließung

Die Gemeinde ist bei der Sanierung, für den Teil der Halle, der entgeltlich genutzt wird, zum einen vorsteuerabzugsberechtigt. Zum anderen liegt die Halle im Sanierungsgebiet, es gibt also Fördermittel, knapp 22 Prozent der förderfähigen Kosten, maximal etwa 690 000 Euro, wobei ein Großteil bereits bewilligt ist.

Der Schuldenstand der Gemeinde wird im laufenden Jahr von 4,2 Millionen auf 7,3 Millionen Euro ansteigen und laut mittelfristiger Finanzplanung im kommenden Jahr um weitere 1,2 Millionen und im Jahr darauf um weitere 1,1 Millionen. Bei vorgesehenen Kredittilgungen für diese beiden Jahre von zusammen rund einer Million Euro wird damit der Schuldenstand Ende 2021 rund acht Millionen Euro betragen.

In der ursprünglichen Planung war vorgesehen, die Halle in vier Bauabschnitten zu sanieren, was entsprechende Beeinträchtigungen der Nutzer bedeutet hätte. Der Gemeinderat drängte darauf, Abschnitte zusammenzulegen, um diese möglichst gering zu halten. Die Sanierung in einem Zug, so wie sie jetzt kommt, hat außerdem den Vorteil, dass Baustellen nicht mehrfach eingerichtet werden müssen, also Kosten gespart werden können.

Aber auch die technischen Abläufe sprechen dafür. Zum Beispiel muss die gesamte Elektrik der Halle aus Sicherheitsgründen erneuert werden. Dies über mehrere Jahre hinweg aufzuteilen, würde laut Verwaltung Provisorien und zusätzliche Kosten bedeuten. Die Küche und die Ausgabe waren bislang nicht in der Sanierung und damit bei den Kosten vorgesehen.

Ende des Jahres sollen die ersten Ausschreibungen erfolgen, das Vorliegen der Baugenehmigung bis dahin vorausgesetzt. Damit wäre der Baubeginn im Juni nächsten Jahres möglich und damit wiederum die Fertigstellung im September 2021, vorausgesetzt, es gibt keinerlei Verzögerungen. In diesem Zeitraum von einem starken Jahr fällt die Halle komplett aus, wobei da auch zweimal Sommer- und Weihnachtsferien drin sind, in denen die Halle eh zu ist.