Leutenbach

Nach heftigem Gewitterregen im Juni: Leutenbach will Starkregenrisikokarte erarbeiten

hochwasser
Ein Schwerpunkt der Aufräumarbeiten am Tag danach war die Weilerstraße in Nellmersbach. © feuerwehr leutenbach

Die Eiche vor dem Haupteingang des Kindergartens Walzenhalde umgeknickt, ebenso weitere Bäume in der Bachstraße auf der Buchenbachseite, eine „Mauer“ aus angesammeltem Unrat dort, Baum zersplittert und über dem Bach hängend in der Walkmühlenstraße, Wassereinbruch über die WCs im Kindergarten Theodor-Heuss-Straße, Wasser im Keller von Gebäuden im Eichengrund, in der Talstraße, Baum auf parkendes Auto gefallen in der Gartenstraße, Wasser auf der Kreisstraße zwischen Leutenbach und Weiler zum Stein durch den überlaufenden Höllachbach, in den Bach gestürzte Weiden an den Fußwegen zwischen Bach- und Mühlefeldstraße sowie zwischen Walkmühlen- und Talstraße, dadurch blockierter Durchfluss des Bachs, in Nellmersbach über die innenliegenden Dachrinnen in Gebäude eingedrungenes Wasser im Kindergarten Lange Äcker, Wasser in Kellern von Gebäuden am Brücklesbach, an der Blumen-, der Hans-Paul-Kaysser-, der Leutenbacher -, der Weiler-, der Wiesentalstraße, am Schlüssel- und am Schwalbenweg, in Weiler zum Stein über die Lichtschächte eingedrungenes Wasser im Feuerwehrgerätehaus, in Gebäuden im Seidenbäumle, an der Stuttgarter Straße, an der Alten Weinsteige, umgestürzte Bäume an der Gollenhofer Straße und im Gollenhof: So liest sich ein Auszug der Schreckensbilanz nach dem „Ausnahme“-Unwetter in der Nacht vom 28. auf den 29. Juni. Die Feuerwehr hatte da also gut zu tun, auch bei sich selbst. Mindestens die Folgen für den Kindergarten an der Theodor-Heuss-Straße waren, nein, sind gravierend, denn der muss komplett saniert werden, Kinder und Erzieherinnen sind seitdem provisorisch untergebracht.

Rückstauklappen könnten vorbeugen

Die Gemeinde sagt zu dem, was im Sommer geschah, nicht Schwamm drüber, das war ja einmalig, belässt es nicht dabei, zu hoffen, dass sich so etwas so bald nicht wiederholt und zum anderen damit zu rechnen, dass für Schäden ja eh Versicherungen aufkommen werden. Sie geht allerdings davon aus, dass Schäden durch in Keller eindringendes Wasser oft hätten verhindert werden können, wenn die betreffenden Gebäude eine (funktionierende) Rückstausicherung gehabt hätten. Sozusagen als Sofortmaßnahme wurden die betreffenden Eigentümer vom Bauamt dazu in der Folge beraten.

Die Verwaltung hat außerdem anhand des Allgemeinen Kanalisationsplans (AKP) geprüft, ob zum Beispiel im Schwalbenweg in Nellmersbach der Kanal vergrößert werden müsste. Rechnerisch sei dies nicht notwendig, berichtete sie dem Gemeinderat. Sie räumte allerdings auch ein, dass das Kanalsystem nicht auf ein solch seltenes Starkregenereignis hin ausgelegt ist und auch nicht ausgelegt werden kann. Hier stünden die Grundstückseigentümer selbst in der Pflicht, sich vor Rückstau zu sichern.

Zugute kam laut Verwaltung den drei Orten im ganzen Schlamassel, dass rings um sie herum (noch) auf den Feldern überwiegend Getreidesorten angebaut werden. Das verhindert(e), dass von den landwirtschaftlichen Flächen Wasser auf die bei Starkregen häufig betroffenen Gebiete wie die Gollenhofer Straße, die Hasenäckerstraße oder die Schwalbenstraße beziehungsweise in die unmittelbar angrenzenden Gebäude floss. Wobei es zumindest an einem Gebäude an der Hasenäckerstraße eng war. Dort hat mittlerweile der Bauhof einen Entwässerungsgraben angelegt. Außerdem soll ein Einlaufbauwerk am Ende des Grabens erstellt und an den betreffenden Kanalschacht angeschlossen werden, so dass dort künftig das von oben herunterfließende Regenwasser kontrolliert in den Straßenkanal eingeleitet wird, damit die Straße nicht überflutet wird und auf der anderen Seite nicht in die Grundstücke eindringt. Die Kostenschätzung dafür: 15.000 bis 20.000 Euro.

Höllachbach überflutete die Kreisstraße nach Weiler zum Stein

Beim Lerchengraben und beim Feldweg Sauäcker haben die vertieften Entwässerungsrinnen funktioniert, dort trat also, anders als früher, kein Wasser auf die Kreisstraße zwischen Leutenbach und Weiler zum Stein über. Allerdings war ein paar Meter weiter die Verdolung überlastet, so dass vom Höllachbach her die Kreisstraße überflutet wurde und zeitweise nicht mehr befahrbar war. Für Abhilfe könne auf Dauer dort nur der Bau einer größeren Verdolung oder eines Regenrückhaltebeckens sorgen, nachdem der Rechen bereits erneuert und der Stauraum vergrößert worden sei, so die Verwaltung. Beides wäre sehr teuer und müsse gründlich geplant werden.

Auch im Heidenhof kam Regenwasser von landwirtschaftlichen Flächen über Feldwege in zwei Bereichen in den Weiler, trotz Entwässerungsrinne. Dort sind die Landwirtschaftsflächen in starken Hanglagen und sie würden eben nicht „erosionsschützend“ bewirtschaftet, so die Verwaltung. Sie will dazu Gespräche mit den betreffenden Landwirten führen, wie man das Problem lösen kann. An einem der Bereiche hat der Bauhof inzwischen den bestehenden Entwässerungsgraben gereinigt und das Bankett abgetragen, so dass Regenwasser leichter in den Graben abfließen kann. Außerdem wurde dort, wo zwei Feldwege sich kreuzen, ein zusätzlicher Einlauf angebracht und der Zulauf zum bestehenden Entwässerungsschacht freigelegt.

Ein weiterer Problembereich ist der Bereich Weiler-/Erbstetter Straße in Nellmersbach. Dort drang ebenfalls Regenwasser von den nördlich gelegenen landwirtschaftlichen Flächen her ins Wohngebiet ein, was vor allem in der Weilerstraße zu Schlamm führte. Dort ist laut AKP die Kanalisation überlastet, müsste also gegebenenfalls aufdimensioniert werden.

Für größere Kanäle überall fehlen der Platz und das Geld

Abgesehen von diesen Einzelmaßnahmen hat die Verwaltung ein „Starkregenrisikomanagement“ vorgeschlagen. Das Land fördert das mit 70 Prozent. Hinter dem Begriff verbirgt sich eine Erfassung des Ist-Zustands, nämlich eine hydraulische Berechnung, anhand deren Abflussmodelle und Gefahrenkarten erstellt werden, die gefährdete Gebäude und Einrichtungen ausweisen. Damit sollen zum einen die Bürger umfassend informiert werden, zum anderen Grundstückseigentümer ihr Risiko abschätzen, selbst für Abhilfe sorgen können. Es geht also um eine Karte ähnlich der bestehenden Hochwasserkarten, so dass schon im Zuge der Planung von Bauten auf Gefahren reagiert werden könnte und diese davor bereits bei der Ausweisung von Baugebieten berücksichtigt werden sollen.

Schließlich soll der AKP für den Teilort Leutenbach im kommenden Jahr überarbeitet, aktualisiert werden. Der ist ein Inventar der Kanäle, deren Einzugsbereich und Fassungsvermögen, damit auch ein Verzeichnis drohender Überlastungen, kritischer Punkte im Kanalnetz. Die beiden Kanalisationspläne für Nellmersbach und Weiler zum Stein sind in Arbeit, sollen noch in diesem Jahr fertig erstellt sein. Zur Frage der Aufdimensionierung von Kanälen verwies Bauamtsleiter Johannes Kocher darauf, dass das Kanalnetz ein „normales“ Gewitter aushalte. Es könne aber für so einen Ausnahmefall nicht beliebig vergrößert werden, weil dafür zum einen schlicht der Platz fehle. Zum andern entstünde dadurch ein anderes Problem, nämlich Schmutzablagerungen.

Abwasser-Trennsystem in alten Wohngebieten wäre sehr aufwendig

Den Anregungen aus dem Gremium, ob denn nicht ein Trennsystem beim Abwasser in den „alten“ Wohngebieten ebenfalls zu überlegen sei, hielt Kocher entgegen, dass das sehr aufwendig, teuer wäre, weil dies ja einen zusätzlichen Kanal im Straßenlauf und auch Regenrückhaltebecken erfordere. Bürgermeister Jürgen Kiesl ergänzte, dass beim Thema Rückstauklappen in Gebäuden der Landkreis beziehungsweise das Landratsamt eine Informations- und Förderinitiative plane; von dem Unwetter im Juni sei ja nicht nur Leutenbach betroffen gewesen. Claus Lämmle, FWG, verwies darauf, dass der Höllachbach auch bei normalem Gewitterregen sehr schnell an- und auch wieder abschwelle. Da müsse also auf jeden Fall gehandelt werden.

Die Eiche vor dem Haupteingang des Kindergartens Walzenhalde umgeknickt, ebenso weitere Bäume in der Bachstraße auf der Buchenbachseite, eine „Mauer“ aus angesammeltem Unrat dort, Baum zersplittert und über dem Bach hängend in der Walkmühlenstraße, Wassereinbruch über die WCs im Kindergarten Theodor-Heuss-Straße, Wasser im Keller von Gebäuden im Eichengrund, in der Talstraße, Baum auf parkendes Auto gefallen in der Gartenstraße, Wasser auf der Kreisstraße zwischen Leutenbach und Weiler zum

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