Leutenbach

Neues Wasserkonzept in Leutenbach

1/2
57fcde40-608d-4428-9901-1e5850dea903.jpg_0
Wasser, wie es aus dem Brunnen auf dem Löwenplatz sprudelt, bedeutet für Neo und Selina (beide 10) jede Menge Spaß. © Gabriel Habermann / ZVW
2/2
24b21857-7c5a-4663-9ff3-f5c912b9c57f.jpg_1
Christoph Raithle und Roland Schippert. © Diana Feuerstein / ZVW

Leutenbach. Die Gemeinde Leutenbach ist bald mit allen Wassern gewaschen. Das neue Wasserkonzept – eine Verbundlösung mit mehreren Kommunen und dem Zweckverband NOW macht es möglich. Ziel ist es, die Wasserversorgung zu verbessern. Dazu gehören zusätzliche Leitungen für den Fall, dass eine einmal ausfällt, aber auch eine bessere Qualität und ein höherer Wasserdruck. 

Man dreht zu Hause den Wasserhahn auf und Wasser fließt – so viel und lange man es möchte. Dass Wasser so einfach aus dem Hahn kommt, ist in Wirklichkeit ein hochkomplexes Thema. Damit das auch in Zukunft so gut und einfach funktioniert, krempelt die Gemeinde Leutenbach ihr eigenes Wasserkonzept angepasst an die Konzeption des Zweckverbands Nordostwürttemberg (NOW) um. Knapp drei Millionen Euro wollen Gemeinderat und Verwaltung dazu in die Hand nehmen. Ziel ist es, die Wasserversorgung von Leutenbach zu verbessern. Alle drei Wohnbezirke sollen in Zukunft durch eine sogenannte Ringleitung miteinander verbunden werden. Weicheres Wasser bedeutet für die Bürger weniger Kalkablagerungen in den Maschinen oder Rohren sowie weniger Rückstände im Badezimmer.

Christoph Raithle greift in seine Mappe und zieht einen großen Plan heraus. Beschäftigt beim Backnanger Ingenieurbüro Frank, hat er sich den Kopf über das neue Wasserkonzept der Gemeinde Leutenbach zerbrochen. Dabei hat er geschaut, welche Betriebsanlagen eingespart werden können, damit die Gemeinde nicht zu viele davon hat und Kosten einsparen kann. Eine Rolle spielte dabei natürlich auch der Zustand der einzelnen Einrichtungen. Der Hochbehälter Birklen bei den Putenställen im Gebiet „Hohes Bild“, von welchem die Gemeinde Eigentümerin ist, soll beispielsweise stillgelegt werden. „Er hätte sonst saniert werden müssen“, sagt der Leutenbacher Bauamtsleiter Roland Schippert.

 

 

Während der Umstellung ist wichtig, dass alle Haushalte ununterbrochen mit Wasser versorgt werden. „Wasser muss für alle immer verfügbar sein!“, betont Christoph Raithle. Wenn einmal das Wasser für einen Zeitraum abgestellt werden muss, um neue Rohre an das Netz anzuschließen, dann soll das möglichst nachts geschehen, damit der Verbraucher nur wenig davon mitbekommt.

Mit der Umstellung soll aber auch der Wasserdruck verbessert werden, was besonders im Wohnbezirk Nellmersbach eine Rolle spielt. Anwohner hatten beim Bauamt beklagt, dass im dritten Stock etwa der Druck, mit dem das Wasser aus dem Hahn kommt, zu gering sei. Der Wasserdruck ist ein Thema, das auch für die Feuerwehr eine wichtige Rolle bei der Brandbekämpfung spielt, weiß Schippert.

Ein Acht-Punkte-Plan gibt die einzelnen Schritte vor. „Wir haben geschaut, dass jede Maßnahme eine Verbesserung für die Bürger bedeutet“, erklärt Christoph Raithle. „Jeder Teilabschnitt hat seine Funktion“, sagt er, „und bedeutet gleichzeitig eine Erhöhung der Versorgungssicherheit“, ergänzt Roland Schippert.

Neue Leitung zum Hochbehälter Rotenbühl für weicheres Wasser

Begonnen wird mit dem Vorhaben, das den beiden Experten und dem Gemeinderat am wichtigsten erscheint: Zwischen dem Hochbehälter Rotenbühl der NOW und dem Hochbehälter Rotenbühl der Gemeinde Leutenbach soll eine Verbindungsleitung geschaffen werden. Die Trasse, die hauptsächlich durch den Wald verläuft, hat Raithle anhand von Luftbildern geplant. Das hat zum Ziel, dass Nellmersbacher als Erste mit NOW-Wasser versorgt werden. Das Wasser im Hochbehälter Rotenbühl unweit des Ortsschildes Nellmersbach enthält zur Zeit noch Wasser aus der Söllbachgruppe (Wasservorkommen im Murrtal). Es soll weicherem Wasser weichen, das aus dem NOW-Hochbehälter stammt – ebenfalls mit dem Namen Rotenbühl. Die Arbeiten zur neuen Leitung sollen im Herbst ausgeschrieben werden, so dass im Frühjahr mit dem Bau begonnen werden kann.

Aktuell ist die Wasserversorgung in Leutenbach in den drei Wohnbezirken unterschiedlich. Früher wurde der Wohnbezirk Leutenbach mit Wasser von der Hungerbergquelle versorgt. Durch den Bau des B-14-Tunnels ist diese versiegt, weil die Wasserführungsschicht unterbrochen wurde, weshalb Leutenbach einen Ausgleichsbrunnen erhalten hat.

Nellmersbach und Weiler zum Stein werden derzeit mit Wasser aus der Söllbachgruppe versorgt. Der Zweckverband, dem sich 1962 die damals selbstständigen Gemeinden Burgstall, Erbstetten, Maubach und Weiler zum Stein angeschlossen hatten (1967 kam Nellmersbach hinzu), wird in absehbarer Zeit aufgelöst.

 

Was ist eigentlich die NOW?

Die NOW (Zweckverband Wasserversorgung Nordostwürttemberg) beliefert nach eigenen Angaben 100 Städte und Gemeinden und damit etwa 60 000 Bürger im Nordosten von Baden-Württemberg. Organisiert ist die NOW als kommunaler Zweckverband. Sitz des Unternehmens ist in Crailsheim. 50 Städte und Gemeinden, 17 Zweckverbände, drei Stadtwerke und vier Landkreise sind NOW-Verbandsmitglied.

Mit dem Ziel, besseres Trinkwasser im Ort zu erhalten, haben mehrere Kommunen und Zweckverbände die NOW beauftragt ein neues Trinkwasserkonzept zu entwickeln. Ein Grund war, dass Quellen mancher Kommunen eine hohe mikrobiologische Belastung aufgewiesen haben (nicht aber in Leutenbach), ein anderer die hohe Wasserhärte. Rohwasser wird künftig zu einem neu geplanten Wasserwerk zwischen Erbstetten und Maubach gefördert, wo es aufbereitet wird. Anschließend geht das Wasser zurück an die Kommunen.