Leutenbach

Parzellen für Salat und Gemüse zum Selbstanbauen möchte der Obst- und Gartenbauverein Leutenbach Interessierten anbieten

OGV
Die Wildblumenwiese bleibe, statt des Weizens daneben solle künftig Salat und Gemüse angebaut werden, so Dieter Blessing. © ALEXANDRA PALMIZI

Kleine Parzellen auf dem bisherigen Acker neben dem Vereinsgelände an der Landesstraße Richtung Affalterbach, die an Vereinsmitglieder und weitere Interessierte gegen eine geringe Gebühr verpachtet werden sollen. Das ist der neueste Plan des Obst- und Gartenbauvereins Leutenbach (OGV).

Die bestehende Wildblumenwiese und die Ackerfläche daneben gehören dem OGV. Erste soll bestehen bleiben, die Zweite war früher mal Ausgleichsfläche für die Dachziegelwerke Pfleiderer, erklärt der Vorsitzende Dieter Blessing. Im Zuge der B-14-Flurbereinigung hätte dann ein Feldweg durchführen sollen, der wurde aber 100 Meter weiter hangabwärts gebaut, was dem Verein, der die beiden Flächen 2013 kaufte, eine Erweiterungsmöglichkeit bot.

Die Blühwiese mit rund 500 Quadratmetern Fläche wurde damals schon von ihm eingesät, also lange bevor sie „in Mode“ kamen. Bienen, Hummeln, Schmetterlinge tummeln sich dort, Disteln und Brennnesseln wurden ganz bewusst nicht entfernt. Auf dem Acker, dessen etwa 40 Ar große Fläche der Verein verpachtet hat, wird bislang Weizen angebaut. Den Vertrag hat der Verein für sein Vorhaben gekündigt, der Pächter sei nicht gerade begeistert gewesen darüber, räumt Blessing ein.

Rural Gardening

Laien bekommen Kurs

Vorbild für das Ganze sei ein Projekt des OGV Cottenweiler. „Die sagen dort, es gibt einen solchen Bedarf, dass sie die Nachfrage nicht decken können.“ Wenn überall von „Urban Gardening“ die Rede sei, dann werde es hier eben „Rural Gardening“ geben, so Blessing mit breitestem Schwäbisch und schmunzelnd.

Der Anlass, das Problem, sei ja in beiden Fällen der gleiche: Die Grundstücke in heutigen Baugebieten seien einfach nicht mehr groß genug, um dort vor Ort, am Wohnhaus im eigenen Garten, Salat und Gemüse für den Eigenverzehr anzubauen. Der Gedanke ist also: Wem bislang die Möglichkeit dafür fehlt, dem stellt der OGV eine Parzelle dazu zur Verfügung. Noch ist der Verein dabei, herauszubekommen, ob es dafür genügend Nachfrage gibt. Anfragen gebe es bisher einige, so Blessing. Der Verein werde gegebenenfalls auch Kurse geben, davon ausgehend, dass sich eben beziehungsweise vor allem Laien melden werden, denen man vieles an notwendigem Wissen erst noch vermitteln müsse.

Ohne Spritzen

Dreifelderwirtschaft

Der Verein greife mit seinem Angebot den Trend zum Selbstanbauen auf und auch das Interesse daran, zu wissen, woher die Lebensmittel eigentlich kommen, wo und wie sie angebaut werden. „Wir müssen die Leute ja beraten, was hier, in der Lage und mit dem Boden, geht.“ Salat, Karotten, Fenchel, Gurken, Paprika, Kohlrabi und Chili aber auf jeden Fall, denn all das werde in unmittelbarer Nähe ja bereits von einem Landwirt angebaut. „Letztlich sollen die Leute das selbst entscheiden“, natürlich werde es Dreifelderwirtschaft geben, ohne Spritzen und Düngen.

Die Parzellengrößen seien noch nicht festgelegt, so Blessing auf Nachfrage weiter. Man müsse erst mal das Ergebnis der Abfrage abwarten, dann werde es eine Infoveranstaltung geben, bei der die Wünsche aufgenommen werden. Mindestens 10 bis 15 Leute sollten es schon sein, damit der Verein loslegen werde. Auch die Höhe der Pacht sei noch nicht festgelegt, aber auf jeden Fall werde es nicht so laufen wie in Backnang, wo ein Landwirt aus dem Verpachten von Parzellen auf seinen Äckern geradezu ein Geschäftsmodell gemacht habe, verspricht Blessing, darüber den Kopf schüttelnd.

Er hoffe natürlich, dass vor allem Vereinsmitglieder selbst mitmachen, das sei aber keine Bedingung, und niemand im Verein müsse. Wahrscheinlich würden die Mitglieder etwas weniger Pacht zahlen als andere: „Wir müssen denen ja etwas anbieten.“ Angesichts der zur Verfügung stehenden Fläche könnte es, je nach Zuschnitt, auf maximal 50 Parzellen hinauslaufen, wobei der Verein im unteren Teil auch an eine weitere Wildblumenwiese denkt.

Die Wasserversorgung vor Ort sei über eine Regenwasserzisterne auf dem Vereinsgelände gesichert, denn ohne regelmäßiges Gießen werde es wohl kaum gehen, so Blessing. Dort werde es wohl auch einen Unterstand für Gerätschaften geben. Er hat selbst viel Erfahrung mit Eigenanbau: „Die Tomaten von dort schmecken doch ganz anders als von weither importierte.“ Bei denen könne man durchaus von „Doping“ oder „Mast“ sprechen: „Wenn die Leute wüssten, was da so alles drin ist an Nährstoffen.“ Alles sei optimiert, bis hin zu computergesteuertem, bis ins Letzte ausgeklügeltem Wachstum, „aber das Einzige, was dann noch fehlt, ist halt der Geschmack“.

Keine Hütten

Auch keine Zäune

Noch eines müsse Interessierten von vornherein klar sein: dass das Gelände im Außenbereich liegt. Hütten auf den Parzellen seien ausgeschlossen, und auch Zäune werden nicht erlaubt sein, allenfalls Wildhecken, aber mit Abständen dazwischen, damit das Gelände für Tiere durchlässig bleibt und sie dort auch Unterschlupf finden können. Das Landwirtschaftsamt habe bereits sein Okay zu dem Vorhaben gegeben, der Gemeindeverwaltungsverband sein Einverständnis signalisiert, unter den genannten Bedingungen, betont Blessing. Noch sei das Ganze allerdings im Verein selbst nicht beschlossene Sache. Nach einem entsprechenden Beschluss des Vorstands werde der Ausschuss darüber entscheiden: „Aber wie gesagt, das hängt vor allem von der Nachfrage ab. Für bloß drei Leute würde sich der Aufwand nicht lohnen.“

Vorrat zu Hause

Blessings Rat

Blessing gehört zu denen, die eine Sicherung der Selbstversorgung landes-, ja bundesweit fordern. Angesichts all der politischen Unwägbarkeiten auf der Welt und damit auch der Unsicherheit der Transportwege für die Importe könne es durchaus auch mal bei Lebensmitteln zu Knappheit kommen.

Die Vorstellung eines „Worst Case“ dort sei keineswegs so abwegig, wie viele angesichts des vermeintlichen Überflusses, ja der Verschwendung hierzulande meinen. Ja, es sei geradezu naiv, vom Gegenteil auszugehen, nämlich, dass da schon nie was passieren werde oder könne und man eben die Sachen dann von woanders herbekomme. Und auf keinen Fall schade es, wenn jede(r) sich zu Hause einen kleinen Vorrat anlege.

Aber zurück vor Ort: Parkplätze stehen zur Verfügung, das Gelände liegt in unmittelbarer Nähe zur Landesstraße 1127, ist also sehr gut erreichbar. Wer Interesse hat, kann sich per Mail an info@ogv-leutenbach.de oder unter Tel. 01 51/65 13 10 16 bei Blessing melden.

Kleine Parzellen auf dem bisherigen Acker neben dem Vereinsgelände an der Landesstraße Richtung Affalterbach, die an Vereinsmitglieder und weitere Interessierte gegen eine geringe Gebühr verpachtet werden sollen. Das ist der neueste Plan des Obst- und Gartenbauvereins Leutenbach (OGV).

Die bestehende Wildblumenwiese und die Ackerfläche daneben gehören dem OGV. Erste soll bestehen bleiben, die Zweite war früher mal Ausgleichsfläche für die Dachziegelwerke Pfleiderer, erklärt der

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