Leutenbach

So wird der Tee zum Genuss

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Regina Feiling, besser bekannt als Ina, ist seit 21 Jahren Besitzerin von Inas Teekännchen. Den Alltag im Geschäft meistert sie zusammen mit ihrer Mitarbeiterin Heike Savoir. © Schneider / ZVW
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Wasserserietee
So entfaltet sich Tee im Wasser: Gun Powder, Pai Mu Tan und Assam Orangajuli (von links). Die oberen Schälchen zeigen, wie sich die Teeblätter im Aufguss verändern. © Schneider / ZVW
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So entfaltet sich Tee im Wasser: Gun Powder, Pai Mu Tan und Assam Orangajuli (von links). Die oberen Schälchen zeigen, wie sich die Teeblätter im Aufguss verändern. © Gaby Schneider
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Grüner Tee hat eine sehr kurze Ziehzeit. © Gaby Schneider
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Für das Tee-Aroma spielt neben der Ziehzeit auch die Wasserhärte eine Rolle. © Gaby Schneider

Leutenbach. Teesorten mit dem Titel „Fit und schlank“ oder Traumfigur, daneben Himbeertörtchen, Harmonie oder Sweet Unicorn – die Teebranche erlebt Modetrends, weiß Tee-Expertin Regina Feiling. Heutzutage gibt es viele Mischungen. Ein Grund könnte sein, dass der Wohlfühlfaktor mehr an Bedeutung gewinnt.

Wenn man Regina Feiling nach ihrer Lieblingsteesorte fragt, zögert sie nicht lange. „Ich mag am liebsten die reinen Teesorten“, sagt sie. Es darf aber auch mal ein Gebirgskräutertee, Ayurvedische Mischungen sein wie mit Tulsi (eine besondere Art von Basilikum aus Indien), Orange, Ingwer und roten Pfefferkörnern.

„Ich bin schon immer gerne durch Teeläden geschlendert“

„Tee ist etwas sehr Individuelles“, weiß die Besitzerin von Inas Teekännchen. Eben das schätzt sie auch an ihrem Beruf. Während sich das Einhorn als Symbol durch sämtliche Bereiche zieht, macht es auch vor der Teebranche nicht halt. Und siehe da: Neben Einhorn-Tee gibt es auch Tassen oder Teesieb.

Bevor ein Tee ins Verkaufsregal kommt, wird er verkostet. Ihre Kollegin Heike Savoir hat verstärkt ein Augenmerk auf Früchte- und Kräuterteesorten gesetzt. So ergänzen sich die beiden. „Ich bin schon immer gerne durch Teeläden geschlendert“, sagt sie.

Kräuter mit heilender Wirkung

Im Regal hinter der Verkaufstheke verbergen sich weit mehr als 200 Teesorten. Unzählige weitere sind im Lagerraum direkt dahinter. Dort verbirgt sich auch die Box mit Baldrian, der einen sehr penetranten Geruch versprüht, sobald man die Dose öffnet. „Der überdeckt alles“, so Feiling. „Er wird selten verlangt“, sagt sie.

Andere Sorten sind dagegen beliebter. Oft kommt es vor, dass Kunden ihre eigene Mischung herstellen und dafür im Leutenbacher Teeladen die entsprechenden Bestandteile einkaufen. Längst nicht mehr wegzudenken ist der getrocknete Ingwer, den man sich in andere Teesorten mischen kann.

Vielen Kräutern wird eine heilende Wirkung nachgesagt. Für Einzelkräuter haben Regina Feiling und Heike Savoir eine IHK-Prüfung ablegen müssen. Mit Einzelkräutern und Teesorten kennen sie sich daher gut aus.

Nana-Minze, Lindenblüten, Erdbeerblättern und Sonnenblumen

Mate beispielsweise soll eine appetithemmende Wirkung haben. Andere Tees wie Erkältungstee oder Hustentee verkauft sie als fertige Mischungen. Erkältungstee enthält Thymian, Fenchel oder Weidenrinde, was zum Schwitzen anregt, aber auch gut für den Hals ist.

Eine Eigenkomposition ist die Leutenbacher Kräutermischung unter anderem aus Nana-Minze, Kamille, Lindenblüten, Erdbeerblättern und Sonnenblumen. „Die haben wir einmal zusammen ausprobiert“, so Feiling. Jetzt steht sie im Regal im Leutenbacher Spatzenhof.


Damit Teeblätter ihr perfektes Aroma entfalten können, muss man bei der Zubereitung die Ziehzeit beachten. Der Geschmack hängt aber auch von der Wasserhärte ab. „Mit weicherem Wasser schmeckt der Tee besser“, sagt Regina Feiling.

Wasserhärte

Die Tischfilter sind mittlerweile recht gut. Alternativ könnte man auch Plättchen verwenden, die in den Wasserkocher gegeben werden – beides Mittel, wie man Hahnenwasser zu Hause nachträglich entkalken kann. Besonders spielt die Wasserhärte bei der Zubereitung von Grüntee und Schwarztee eine Rolle, erklärt Regina Feiling, die von ihrem Umfeld Ina genannt wird.

Wassertemperatur

Für den Geschmack spielt aber auch die Wassertemperatur eine Rolle. Generell wird Tee mit kochendem Wasser aufgegossen. Eine Ausnahme bildet Grüner Tee, für welchen sich eine Wassertemperatur von 75 Grad optimal gestaltet. Ist das Wasser zu heiß, könnte es sein, dass das Tee-Getränk bitter schmeckt. Wirkstoffe, die Grünem Tee nachgesagt werden, könnten bei zu heißem Wasser ihre Wirkung verlieren.

Ziehzeit

Die Ziehzeit ist bei den einzelnen Tee-Sorten ganz unterschiedlich. Generell wird empfohlen, dass man sich für ein vollmundiges Aroma an die Ziehzeiten halten sollte. Grüntee hat eine Ziehzeit von zwei Minuten (manchmal reicht auch schon eine Minute aus). Andere koffeinhaltigen Sorten, zu denen beispielsweise auch der Schwarztee gehört, haben eine Ziehzeit von drei Minuten.

Wer seinen Schwarztee fünf Minuten lang ziehen lässt, erwirkt den Effekt, dass der Koffein-Gehalt im Tee abnimmt (anders als bei einer Ziehzeit von drei Minuten), eine beruhigende Wirkung hat er aber deshalb noch nicht. Baldrian-Tee ist das extreme Gegenbeispiel für eine Sorte mit beruhigendem Effekt.

Längere Ziehzeiten haben Kräuter- und Früchtetee. Beim Kräutertee beträgt die Ziehzeit fünf bis sieben Minuten, beim Früchtetee sind es sogar zehn Minuten.

Wachmacher

Viele gehen davon aus, dass nur Schwarztee den Wachmacher Koffein enthält. Der ist aber auch in Grüntee enthalten, macht Regina Feiling deutlich. Viel Koffein sollen demnach die beiden Sorten Matcha-Tee (Japanischer Tee) und Gun Powder (Chinesischer Tee) enthalten.

Bei der Sorte Gun Powder werden Teeblätter gedörrt, gedämpft, gerollt und dann getrocknet. Früher wurde die Sorte von Hand hergestellt. Heutzutage werden die Teeblätter in der Regel maschinell gerollt, nur in den edelsten Sorten steckt noch reine Handarbeit.

Die gerollten Teeblätter sollen weniger anfällig sein, nicht so rasch zerbröseln und so das Aroma länger bewahren. Umso kleiner und fester die Kügelchen sind, desto höher soll die Qualität sein. Übrigens sollen glänzende Kugeln ein Frischehinweis sein.


Tee gibt es in Europa seit dem 17. Jahrhundert. Per Schiff brachte damals die Niederländische Ostindien-Kompanie Grünen Tee in die Niederlande. Sie hatte zu diesem Zeitpunkt das Handelsmonopol mit Asien inne. Im Jahr 1644 wurden die ersten 100 Pfund Tee nach England geliefert.

Am englischen Hof wurde der Tee 1662 durch Katharina Braganza eingeführt. 1717 eröffnete Thomas Twining das erste Teegeschäft in London. Ebenfalls Mitte des 17. Jahrhunderts gelangte der Tee auch nach Deutschland. In Ostfriesland entwickelte sich bald schon eine eigene Teekultur.

Nachdem Großbritannien von 1780 an eine Handelssperre über die Niederlande verhängte und ab 1833 das Monopol innehatte, ließen sich viele niederländische Kaufleute in Ostfriesland nieder. Tee kam in Mode, und man traf sich zu Teegesellschaften.

Heute gelten weltweit als die größten Teeproduzenten China, Indien, Kenia, Sri Lanka, Vietnam, Türkei, Indonesien, Iran, Myanmar und Argentinien. In der Türkei wird die Teepflanze im Wesentlichen entlang der Schwarzmeerküste angebaut, wobei man erste Versuche hierzu auf die 1920er Jahre datiert.

In Europa gibt es Tee auf der Azoreninsel Sao Miguel sowie nahe Truro in Cornwall in England. Die östlichsten Teeplantagen Europas befinden sich nahe Sotschi ebenfalls an der Schwarzmeerküste.


Eine besondere Aufmerksamkeit genießt der japanische Matcha-Tee. Denn nicht nur die Herstellung ist aufwendig, sondern auch die Tee-Zubereitung. Er besteht aus gemahlenen Grünteeblättern. Mit einem kleinen Bambusbesen, der, was die Form betrifft, an einen Rasierpinsel erinnert, wird der Tee in einer Schale aufgeschlagen.

Da die Herstellung des Tees sehr aufwendig ist, gehört der Matcha-Tee zu den teuren Sorten. Teesträucher werden eine Zeit lang vor der Ernte mit schwarzen Netzen oder Bambusmatten überspannt, so dass sie Schatten ausgesetzt sind. Das soll die Anreicherung bestimmter Inhaltsstoffe fördern wie Teein, Chlorophyll oder die Aminosäure Theanin.

Dies soll sich wiederum im Geschmack bemerkbar machen wie auch an der Farbe. Matcha-Tee ist bekannt für seine knallig-grüne Farbe. Geerntete Teeblätter werden mit Wasserdampf behandelt, getrocknet und zu Pulver gemahlen. Nur zarte Blätterteile werden verwendet. Im Laufe der Lagerzeit verliert der Matcha-Tee seinen knalligen Farbton, weshalb er zeitnah getrunken werden sollte.