Leutenbach

Treppen könnten einstürzen, bevor Bewohner entkommen: Brandschutzproblem im Leutenbacher Flüchtlingsheim

Leut
Die Flüchtlingsunterkunft an der Ziegeleistraße 1. Da es sich um eine Anschlussunterbringung handelt, ist die Gemeinde zuständig. Insgesamt haben dort 70 Menschen Platz. © Klecker

Seit 2018 steht an der Ziegeleistraße eine Flüchtlingsunterkunft. Durch einen Hinweis einer anderen Gemeinde haben die Mitarbeiter im Rathaus nun erfahren: Im Falle eines Feuers sind dortige Fluchtwege im wahrsten Sinne des Wortes brandgefährlich, denn der Brandschutzaufstrich der Außentreppe ist zu dünn aufgetragen. Die Treppen könnten im Falle eines Feuers in sich zusammenstürzen, bevor die Bewohner entkommen können. Die dafür verantwortliche Firma ist inzwischen insolvent.

Erhöhte Alarmbereitschaft bei der Feuerwehr

„Wir sind im ersten Moment davon ausgegangen, dass wir die Unterkunft sofort räumen müssen“, erzählt Bürgermeister Jürgen Kiesl. Gott sei Dank müsse das Gebäude nicht komplett abgerissen werden, auch die Räumung habe man abwenden können. „Wir haben vernetzte Rauchwarnmelder eingebaut und eine erhöhte Alarmbereitschaft bei der Feuerwehr bewirkt. Daher können die Bewohner im Gebäude bleiben“, erklärt Bauamtsleiter Johannes Kocher. Die erhöhte Alarmbereitschaft bedeute, dass bei einem Alarm nicht nur die Leutenbacher Wehr ausrücke, sondern auch die aus Winnenden samt Drehleiter.

Gemeinderat wundert sich über die Abnahme des Gebäudes

Tragende Teile des Treppenhauses müsse man entfernen, teilweise aus dem Putz holen und neu beschichten. Damit das Gebäude für die Bewohner nutzbar bleibe, werde es wohl in ein Gerüst gehüllt. „Die beauftragte Firma kann allerdings nicht sofort kommen. Wir hoffen, dass der Umbau nach der Sommerpause erfolgt“, sagt Bauamtsleiter Johannes Kocher am Telefon.

FWG-Gemeinderat Peter Hildenbrand zeigte sich in der jüngsten Sitzung des technischen Ausschusses überrascht. „Ich wundere mich, dass das von der Baurechtsbehörde so abgenommen wurde und erst durch einen Hinweis einer anderen Gemeinde herausgekommen ist. Das heißt für mich, dass das Gebäude mit halb geschlossenen Augen abgenommen wurde. Ich würde empfehlen, an den zuständigen Gemeindeverwaltungsverband heranzutreten. Die sollen den Schaden erstatten. Hätten wir davon früher erfahren, hätte die Firma es vor der Insolvenz richten können“, vermutete er. Bürgermeister Jürgen Kiesl nannte den Vorschlag „interessant“ und fragte in die Runde: „Hätte man diese Mängel erkennen können oder vielleicht sogar müssen?“ Dem widersprach CDU-Rat und Architekt Karlheinz Lämmle. Die Behörde könne dies nicht prüfen, bekomme Bescheinigungen über die Einhaltung der Brandschutzverordnung. „Baurechtsbehörden machen ihren Job in der Regel immer ordentlich. Über die Bescheinigungen hinaus zu prüfen, kann man von denen nicht verlangen“, erklärte er.

Daraufhin reagierte Bürgermeister Kiesl, dass es schon richtig gewesen sei, diese Frage zu stellen. „Jetzt wissen wir, dass man sich auf die Abnahmen des Gemeindeverwaltungsverbandes verlassen kann, dass ordentlich geprüft wird.“

Gemeinde Alfdorf prüft rechtliche Schritte

Der Brandschutzanstrich kann nur von speziellen Fachfirmen angebracht werden. Auf die Gemeinde kommen Kosten in Höhe von etwas mehr als 50.000 Euro zu. SPD-Gemeinderat Herbert Krehl hakte nach, ob man das Geld nicht über die Haftpflichtversicherung der Baufirma zurückholen könnte. „Oder erlischt diese nach einer Insolvenz?“, fragte er in der Sitzung. Dem entgegnete Bauamtsleiter Johannes Kocher, dass diese Frage noch nicht ganz geklärt sei. „Die Gemeinde Alfdorf, die uns über den Vorfall informiert hat, befindet sich momentan noch in rechtlichen Beratungen.“ An einen möglichen Rechtsstreit würde man sich anhängen, falls es Erfolgschancen gebe.

„Ich vermute, dass die Versicherung gezahlt hätte, wenn es zu Verletzten gekommen wäre. In diesem Fall bezweifle ich es“, meinte Bürgermeister Kiesl. Die Gemeinde hat in jedem Fall vorgesorgt, sich ein Messgerät zugelegt, mit dem der Schutzaufstrich künftig geprüft werden kann.

Seit 2018 steht an der Ziegeleistraße eine Flüchtlingsunterkunft. Durch einen Hinweis einer anderen Gemeinde haben die Mitarbeiter im Rathaus nun erfahren: Im Falle eines Feuers sind dortige Fluchtwege im wahrsten Sinne des Wortes brandgefährlich, denn der Brandschutzaufstrich der Außentreppe ist zu dünn aufgetragen. Die Treppen könnten im Falle eines Feuers in sich zusammenstürzen, bevor die Bewohner entkommen können. Die dafür verantwortliche Firma ist inzwischen insolvent.

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