Leutenbach

Warum der Landwirtschaftsbetrieb Häußermann im Heidenhof umbenannt wird

häußermann
Am Hofladen hängt schon das neue Logo. © Uwe Speiser

Der Name Häußermann ist im Heidenhof verbreitet wie kein anderer. In wenigen Tagen wird es einen weniger davon geben. Der landwirtschaftliche Betrieb von Bernd (57), Petra (56) und Jens Häußermann(24) wird dann Micheleshof heißen. Sie selbst werden natürlich weiter Häußermann heißen. Die Familie nutzt den Einstieg von Jens in den Betrieb, den Generationenwechsel, den dieser bedeutet. Der Sohn ist verantwortlich für den Handel, die Landwirtschaft bleibt weiterhin in der Obhut vom Vater. Handel heißt nicht zuletzt die Direktvermarktung über die zwei Hofläden, der eine im Heidenhof, beim Stammhaus und Firmensitz, der andere, das Marktständle an der Ortsdurchfahrt in Höfen (seit anderthalb Jahren, vorher Luckert), sowie den Verkaufsstand, das „Obstkistle“, im Stöckenhof (seit 2015).

Hofbetreiber hießen immer Michael oder einer ihr Vornamen war Michael

Die Familie will mit dem neuen Namen, wie sie sagt, „einfach Neues probieren“, sich deutlicher positionieren. Die Vielzahl des bisherigen Namens in dem Weiler mache es schwierig für Kunden, den Betrieb zuzuordnen. Sie greift dabei, bei der Suche nach einem „Unterscheidungsmerkmal“, darauf zurück, dass der Hof schon immer, seit Alters her sozusagen, von Häußermännern geführt wurde (bis auf die Zeit der „Regentschaft“ von zwei Frauen), die „Michael“ hießen oder Michael in einem der Vornamen hatten, so wie bei Jens und seinem Vater es jeweils der zweite Vorname ist (der Großvater hieß Otto Michael). Deswegen hieß der Hof im Volksmund traditionell „Micheleshof“.

Die Familie hat Ahnenforschung betrieben, ihrem Stammbaum bis 1676 nachgewiesen gefunden, geht aber davon aus, dass die Wurzeln noch viel weiter zurückreichen. Der Ahnherr kam mit zwei Brüdern nach dem Dreißigjährigen Krieg aus der Schweiz, aus Amriswil im Kanton Thurgau, in die hiesige Gegend, als „Mitarbeiter zu Hofe“, wohl einem Lehnsherrn der württembergischen Prinzessin. Im besagten Jahr kaufte er im Heidenhof ein Haus, ließ sich dort nieder. Sie gehen davon aus, dass alle Häußermanns im Heidenhof von diesem abstammen, also weitestläufig miteinander verwandt sind. Jens ist die zwölfte Generation.

Der launigen Annahme, dass dort eigentlich alle Häußermann (oder Knödler) heißen, widersprechen er und seine Mutter aber nicht minder schmunzelnd. Es gebe schon noch welche, die anders heißen, darunter auch einige Zugezogene. Das mit dem Micheleshof ist also kein Kunstname, nichts, was sie erst erfinden müssen, betonen die beiden, sondern leite sich eben aus ihrer Familiengeschichte ab. Es sei auch ein Zeichen, dass man es geschafft habe, über so lange Zeit den Betrieb immer weiter an ein Familienmitglied zu übergeben und das solle auch in Zukunft so bleiben, betont Jens, selbst das lebende Beispiel dafür.

Im neuen Logo sind ein H und ein M verbaut

Die Umfirmierung bedeutet auch ein neues Logo. Das bisherige mit den vier Kacheln, die das Sortiment symbolisieren (Kartoffeln, Eier, Obst/Gemüse, wobei Erdbeeren, Himbeeren, Kirschen, Rhabarber, Karotten und Ackersalat mittlerweile hinzugekommen sind, plus Hofladen) wird durch eines abgelöst, das, etwas abstrakt, für ihr Wohnhaus, das etwa 200 Jahre alte Fachwerkhaus, und eben „Micheles“ steht. Ein Grafiker, den sie damit beauftragt haben, hat in ihm nämlich die Buchstaben M und H „verbaut“, man muss allerdings genauer hinschauen, um das zu erkennen.

Nachdem schon die Großeltern mit der Selbstvermarktung begonnen hatten, die dann allerdings etwas vernachlässigt worden war, hat Bernd Häußermann, der den Betrieb 1992 übernahm, sie wiederaufgenommen, nämlich die angebauten Kartoffeln, Eier aus der Hühnerhaltung zu den Kunden in Leutenbach und Winnenden an die Haustüre gefahren. Und die, die etwas am Hof kaufen wollten, haben dort einfach geklingelt. Ihr erster, eigentlicher Hofladen, startete 2002, um- beziehungsweise ausgebaut zur heutigen Größe und Gestalt wurde dieser 2014.

Mit dem Ausbau kam auch Zukauf, zum Beispiel von Salat. Sie beliefern direkt Einzelhandel (Rewe in Burgstall, Edeka in Winnenden und Nellmersbach, Märkte, die inhabergeführt sind, aber auch Groß- und Fachhandel in Stuttgart, Lokale und Metzgereien. Der Betrieb vermarktet seine Produkte komplett selbst, ohne Zwischenlager- und -händler. Das Einlagern übernehmen sie selbst. Es steht also überall, bei allen Vermarktungs- und Verteilungswegen ihr Name drauf, sie sind, betonen sie, eine eigene und längst etablierte Marke. „Wir schöpfen die ganze Wertschöpfungskette ab, weil wir nicht sagen, eine Kartoffel ist einfach eine Kartoffel, ein Ei bloß ein Ei“, erklärt Jens.

Ackerland, Streuobstwiesen und Hühnerhaltung

In der Landwirtschaft (etwa 120 Hektar Ackerland mit Kartoffeln, Weizen, Soja, Zuckerrüben und Streuobstwiesen, zwei Hühnermobile mit knapp 1000 Tieren in Freilandhaltung und 4000 Hennen in Bodenhaltung) hat der Betrieb zwei Festangestellte, während der Ernte und der Verarbeitung danach bis zu 20 Saisonkräfte, wobei die mit der Reihenfolge "Erst Erdbeeren, dann Kartoffeln" lange sein kann. In den Hofläden arbeiten während der Saison knapp 20 Verkaufskräfte, teils in Vollzeit, teils in Teilzeit oder als 450-Euro-Minijobber. Das „Obstkistle“ ist von der Spargelsaison bis Ende der Sommerferien geöffnet und liegt an der Landesstraße Richtung Althütte, bei der Anfahrt zum Welzheimer Wald und dessen Naherholungsattraktionen strategisch unschlagbar.

Die Umetikettierung kostet richtig Geld, vor allem bei den Eier-Kartons

Wer weiß eigentlich bereits vom neuen Namen? Nur ihre engere Verwandtschaft, die anderen im Heidenhof noch nicht. Dass dieses Sich- abheben-, unterscheiden-Wollen, zu größeren Diskussionen in dem Weiler führen wird, befürchten und fürchten sie nicht. Das sei ihre eigene, freie Entscheidung. Und wenn zum anderen Fragen kämen, seien sie durchaus bereit, das zu erklären. „Wir machen unser Ding, treten damit doch niemandem auf die Füße“, betont Jens, „wir treffen für uns unsere Entscheidungen, die anderen für sich die ihren.“ Man sei schon öfters Vorreiter gewesen, gerade bei der Vermarktung, ergänzt seine Mutter. Sie nehmen für die Umbenennung ordentlich Geld in die Hand, vor allem fürs Umetikettieren der Eier-Kartons. Und es gibt dazu eigens eine Broschüre, mit einer Auflage von 700 Exemplaren, für die Kundschaft, die Geschäftspartner, als Weihnachtsgeschenk. Der Tag des Namenswechsels am Samstag, 24. September, wird als Tag der offenen Tür in ihren beiden Hofläden gestaltet.

Der Name Häußermann ist im Heidenhof verbreitet wie kein anderer. In wenigen Tagen wird es einen weniger davon geben. Der landwirtschaftliche Betrieb von Bernd (57), Petra (56) und Jens Häußermann(24) wird dann Micheleshof heißen. Sie selbst werden natürlich weiter Häußermann heißen. Die Familie nutzt den Einstieg von Jens in den Betrieb, den Generationenwechsel, den dieser bedeutet. Der Sohn ist verantwortlich für den Handel, die Landwirtschaft bleibt weiterhin in der Obhut vom Vater.

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