Leutenbach

Weiterhin Gewitter mit Starkregen erwartet

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Leutenbach: Vollgelaufene Keller beschaeftigen die Feuerwehr
Erst schoss das Wasser über Hänge und dann in die Straßen und anschließend dann in die Keller. Die Leutenbacher Feuerwehr hatte die Lage am Sonntagnachmittag soweit im Griff. Aber in Weiler müssen jetzt einige Anwesen wieder trockengelegt werden. Schon wird über weitere Hochwasserschutzmaßnahmen nachgedacht. © Jamuna Siehler
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Leutenbach: Vollgelaufene Keller beschaeftigen die Feuerwehr
Erst schoss das Wasser über Hänge und dann in die Straßen und anschließend dann in die Keller. Die Leutenbacher Feuerwehr hatte die Lage am Sonntagnachmittag soweit im Griff. Aber in Weiler müssen jetzt einige Anwesen wieder trockengelegt werden. Schon wird über weitere Hochwasserschutzmaßnahmen nachgedacht. © Jamuna Siehler

Waiblingen/Leutenbach. Das gleiche Wetterphänomen wie in Schwäbisch Gmünd. Am Sonntagnachmittag wollte eine Gewitterwolke nördlich von Winnenden nicht weiterziehen und entleerte sich einfach an Ort und Stelle. Speziell Weiler zum Stein bekam einen Vorgeschmack auf das, was da noch auf uns herabregnet. Man spricht jetzt auch von der Gefährdung durch Oberflächenwasser.

Video: So sah es am Sonntagabend in Weiler zum Stein aus

Es ist noch nicht vorbei. Der Deutsche Wetterdienst rechnet für Dienstag wieder mit Gewittern. Wo genau diese sich entladen, kann der Wetterdienst in den meisten Fällen erst eine Stunde vorher genauer lokalisieren. Mit heftigem Starkregen ist wieder zu rechnen, erläutert Clemens Steiner, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst. Seine weitere Prognose: Am Mittwoch drohen flächendeckend anhaltende Niederschläge, am Donnerstag wird’s dann besser. Freitag und Samstag „sieht’s schön aus“, so Steiner – und bereits am Sonntag soll sich das Wetter schon wieder verschlechtern.

Zu dieser Jahreszeit kommen Gewitter naturgemäß viel häufiger vor als im Winter, und eine Wetterlage wie die aktuelle „ist nichts Sensationelles“. Dennoch: Was die Region in den vergangenen zwei Wochen zu verkraften hatte, „das war schon relativ heftig“, sagt der Wetterexperte. Die Gewitteraktivitäten bezeichnet er als „bemerkenswert“, vor allem mit Blick auf den Starkregen.

In Leutenbach, genauer in Weiler zum Stein und in Nellmersbach, gab es darauf am Sonntagnachmittag und -abend einen weiteren Vorgeschmack. Der Leutenbacher Feuerwehrkommandant Jochen Weller möchte sehr wohl von einer „neuen Qualität“ sprechen. Nämlich, dass eine schwarze Wolke dermaßen lange braucht, um weiter zu ziehen, weil sich die Luft oben kaum bewegt.

Ein Platz- und Prasselregen ging über die Weilermer nieder

Ein Platz- und Prasselregen war die Folge, der da über die Weilermer kam. Die genauso viel oder wenig dafür können wie die Gmünder. Die Leutenbacher Wehrmänner hatten überhaupt erst einmal das Problem, zum Einsatzort zu kommen. Das Löschfahrzeug hat ja noch die Bauhöhe, um durch eine Furt zu gelangen. Aber schon der Einsatzleitwagen musste bei der Direktstrecke passen, weil der Höllachbach die Fluten nicht mehr halten konnte und sich über die Straße zum Buchenbach ergoss. Selbst der Weg oben rum über die Schwaikheimer Straße war nicht so schnell zu nehmen. Es stand einfach zu viel Wasser auf der Straße.

Dort wo es abschüssig ist, in Alt- wie in Neuweiler, wälzen sich sofort braune Massen nach unten. Die Kanalisation fasst die Mengen nicht mehr, es laufen Keller voll. Es war freilich noch nicht so schlimm, dass die Leutenbacher über ihre Schatten springen mussten und die Winnender Wehr rufen.

Zweimal fiel in Weiler die Stromversorgung zusammen. Blitzeinschlag. In mindestens einem Haushalt beim Altweiler Friedhof hat es nicht nur elektrische Gerätschaften, sondern auch die Telefonanlage und den Internet-Router lahmgelegt. Die Süwag, der Stromversorger, habe vergleichsweise schnell reagiert, heißt es jetzt von der Feuerwehr und dem Bürgermeisteramt.

In Nellmersbach hatte man es zudem mit einem Spezialphänomen zu tun, das auch noch der Lösung harrt. Man ist im Flecken absolut stolz auf den Spargelanbauer, er hat Kundschaft bis nach Heilbronn. Aber dessen Praxis, die Felder großflächig mit Plastikfolie abzudecken führt jetzt zu einer regelrechten Wasserrutsche, einer Rutsche fürs Wasser, deren Fracht sich auf die Weiler Straße ergoss und anschließend auch einige Keller flutete.

Wieder einmal stellt sich die Frage nach dem Hochwasserschutz, auch in Leutenbach. Es gab vor zehn Jahren einen Vorstoß von Leutenbach und Winnenden, Berglen zu mehr Vorsorge zu bringen, also das Quellgebiet des Buchenbachs. Freilich ist Berglen selbst nicht betroffen und fürchtet, dass die baulichen Maßnahmen die eigene Gemeinde verschandeln, während man weiter unten schön im Trockenen sitzt. Leutenbach, sagt der Bürgermeister Jürgen Kiesl, hat selber mal untersucht, was getan werden müsste, um den Problembach Buchenbach in den Griff zu bekommen. Aber ein bis zwei Meter hohe Mauern flankierend zu setzen, das erscheint auch nicht besonders reizvoll.

Ein bisschen geht es den Verantwortlichen wie dem Hasen gegenüber dem Igel. Kommandant Weller sagt es so: Man könne zwar viel überlegen und tun. Aber erstens komme es dann doch anders als gedacht. Und zweitens fällt mehr runter, als die Vorsorge angenommen hat. Bleibt der allgemeine Appell, nicht weiter dem Wasser die Rückzugsmöglichkeiten zuzubauen.

Kiesl will hörbar betont haben, dass vieles, was in der Vergangenheit geschah, ja schon greift. Man sei ja „absolut glimpflich davongekommen“. Weil auch „viel investiert“ worden sei; die Abflüsse und Kanäle verbessert, Querschnitte geweitet, neuralgische Stellen beseitigt. Das habe sich „absolut bewährt“. Also setzt man weiter darauf, gegen die „Oberflächenwassergefährdung“ Mittel und Abflusswege zu finden. Das Thema Hochwasser bespielt noch viele Kanäle.