Leutenbach

Zweimal Gold und einmal Silber

downsyndrom
Die Mannschaft von 46 plus Down-Syndrom Stuttgart in Mannheim (Benjamin Lühning zweite Reihe mit Brille 5. v. r.) © privat

Zweimal Gold und einmal Silber bei den Landessommerspielen der Special Olympics in Mannheim für Benjamin Lühning. Der 13-Jährige aus Weiler zum Stein macht beim Presseinterview gar nicht erst den Versuch, seinen Stolz darüber zu verbergen, warum auch. Also wenn es noch eines Beweises bedürfte, dass Sport gut ist für das Selbstbewusstsein, für die Bildung von Selbstwertgefühl, dann wäre er das Paradebeispiel. Aber keine Sorge, die Familie bremst ihren Benjamin da durchaus regelmäßig ein, wenn er es zu bunt treibt, die Eltern wissen seine Erfolge realistisch einzuordnen.

Aber erst mal: Ehre, wem Ehre gebührt. Also er war siegreich im Sprint (50 Meter) und beim Ballweitwurf und sein Team zudem Vize bei der Pendelstaffel über vier mal 50 Meter. Sowohl Benjamin als auch die Staffel treten an für den Verein „46 plus Down-Syndrom Stuttgart“. Die Zahl ist ein Wortspiel, steht dafür, dass es Jugendliche mit der fatalen Chromosomenzahl sind. Sie trainieren bei Salamander Kornwestheim, der Traditionsverein mit ruhmreicher Leichtathletik-Vergangenheit steht für vorbildliche Inklusionsarbeit.

Vier Tage, inklusive Eröffnungsfeier und Qualifikationen, waren sie dort. Benjamins Mutter Bettina relativiert den rein sportlichen Wert gleich von sich aus. Das zeige sich schon darin, dass die Endkämpfe nicht nach Jahrgängen und damit dem Alter sortiert sind, sondern ausschließlich nach der Vorleistung bei der Quali, wobei die sich nicht allzu sehr unterscheiden durfte von der späteren im Finale. Sie spricht deshalb lieber von einem „friedlich-freundlichen Beisammensein“, für das auch typisch war, dass sich alle „Konkurrenten“ stets gegenseitig abklatschten. Ebenfalls bezeichnend: Die 50-Meter-Siegerzeit von Benjamin wissen sie beide nicht mehr und beim Wurfwettbewerb lag sein bester Versuch „irgendwo knapp über 17 Meter“.

Papa Martin und die Schwester kamen am dritten Tag nach. Insgesamt waren es rund 200 Teilnehmer, darunter knapp 20 von Benjamins Verein. Außer Leichtathletik gab es auch Wettbewerbe im Schwimmen, Kraftdreikampf, Boccia, Reiten, Handball. Benjamin ist auch im DLRG Fellbach und, wie sein Vater, selbst ein leidenschaftlicher Langstreckenradler, meint, im Wasser eigentlich noch talentierter, war bei den Bezirksmeisterschaften auch schon erfolgreich. „Der bewegt sich wie ein Fisch im Wasser.“ Vielleicht wächst da also eigentlich ein Mehrkämpfer heran.

Einmal in der Woche Training bei Salamander Kornwestheim

Aus Sicht der Mutter aber geht es ohnehin mehr ums große Ganze, ums Motto „Gemeinsam stark“. Der 13-Jährige besucht die Fröbelförderschule in Fellbach-Schmiden, ist dort in der siebten Klasse. Einmal in der Woche geht es zum Training nach Kornwestheim, auch das zeigt, dass es hier nicht um Hochleistungssport geht. Aber sie sind dort eine verschworene Gemeinschaft, eine zusammengeschweißte Gruppe, deren Mitglieder aus der ganzen Region kommen.

Das Tolle dort sei, dass es eigens ausgebildete Trainer gibt, die mal Leichtathleten waren und die Kinder haben, die eben Trisomie 21 haben. Mittlerweile hat sich das Angebot so weit herumgesprochen, gibt es so viel Nachfrage, dass sie eine Warteliste haben. „Da steckt so viel Herzblut drin“, lobt Bettina Lühning auch das Engagement der jungen Betreuerinnen, „und auch Mannschaftsgeist, man geht immer gemeinsam auf Wettkämpfe und Meisterschaften.“ Es gebe mittlerweile auch Wettkämpfe mit paritätisch gemischten Staffeln, bei denen die (nichtbehinderten) Geschwisterkinder oder Cousins/Cousinen mitmachen. Auch Benjamins Schwester zeige Interesse. 2023, bei den internationalen Special Olympics in Berlin, ist Winnenden „hometown“ für das Team von den Bermudas. Sie haben auch den Kontakt der Stadt zum Verein vermittelt, die Winnender, für die das Neuland ist, wollen sich dort Rat holen, einige von ihnen waren auch bei der Veranstaltung in Mannheim, haben sich in Workshops informiert.

Welchen positiven Effekt sieht sie, als Mutter, beim Sporttreiben des Sohns auf ihn? Teamgeist, -denken, Sicheinfügen in die Gruppe, die Mannschaft, dass sie sich dort gegenseitig ermuntern, anstacheln. Es sei aber auch wichtig, dass dort ihrem Sohnemann, der durchaus bockig sein könne, von den andern mal der Rost runtergelassen werde, „dass die sich gegenseitig auch ein Stück weit erziehen“. Es sei außerdem offensichtlich, dass der Trainer im Sport bei ihrem Sprössling eine ganz andere Autorität habe, als wenn die Mama oder der Papa es zu ihm sagen.

Zweimal Gold und einmal Silber bei den Landessommerspielen der Special Olympics in Mannheim für Benjamin Lühning. Der 13-Jährige aus Weiler zum Stein macht beim Presseinterview gar nicht erst den Versuch, seinen Stolz darüber zu verbergen, warum auch. Also wenn es noch eines Beweises bedürfte, dass Sport gut ist für das Selbstbewusstsein, für die Bildung von Selbstwertgefühl, dann wäre er das Paradebeispiel. Aber keine Sorge, die Familie bremst ihren Benjamin da durchaus regelmäßig ein, wenn

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