Plüderhausen

Absage an Gemeinschaftsbau mit der Urbacher Wehr: Plüderhäuser Feuerwehr bleibt eigenständig

Feuerwehrhaus
Beengte Verhältnisse: Für die Feuerwehr in Plüderhausen müssen räumliche Lösungen gefunden werden. © Gaby Schneider

Sanierung, Neubau oder gar ein Gemeinschaftsbau mit der Urbacher Wehr? Wie es mit dem Plüderhäuser Feuerwehrgerätehaus weitergehen soll, darüber wurde in Plüderhausen schon häufiger diskutiert. Zwei Jahre ist es nun her, dass ein von der Wehr selbst erarbeitetes Brandschutzsicherheitskonzept verabschiedet wurde. Seitdem ist in Sachen Feuerwehr jedoch nicht viel passiert, dabei ist der Handlungsbedarf groß. Vor allem für das mängelbehaftete Feuerwehrgerätehaus ist eine Lösung notwendig. Nur ein Beispiel: Momentan müssen sich die Feuerwehrleute in der Fahrzeughalle umziehen. Aus Gründen des Arbeitsschutzes und der Sicherheit müsste das dringend geändert werden.

Nicht ganz unschuldig daran ist die Idee einer räumlichen Fusion mit der Urbacher Wehr, die FW-FD-Rat Carlo Fritz im März 2020 überraschend ins Spiel brachte. Bei der Sitzung, in der eigentlich die Projektgruppe für die Zukunft der Feuerwehr gebildet werden sollte, trug er diese Idee vor, verbunden mit der Bemerkung, dass er dazu positive Signale aus dem Nachbarort vernommen habe.

Zum Hintergrund: Beide Feuerwehren stehen vor ähnlichen Herausforderungen und müssen in den kommenden Jahren ihre Gerätehäuser neu bauen oder sanieren. Mit einem gemeinsamen Gebäude, so der Gedanke, ließen sich Kosten sparen und Synergieeffekte erzeugen. Beide Gemeinden hätten also etwas davon. Vom Gemeinderat gab es dazu bislang noch keinen Beschluss. Das wollte Bürgermeister Andreas Schaffer, der eine Kooperation mit Urbach klar ablehnt, in der vorletzten Sitzung seiner Amtszeit noch ändern. „Wenn wir das Konzept infrage stellen, dann müssen wir beschließen, mit der Gemeinde Urbach in Verhandlungen zu treten“, stellte er klar. Die Gemeindeverwaltung spreche sich jedenfalls dafür aus, das bestehende Konzept weiterzuverfolgen und nicht weiter das Gespräch mit Urbach zu suchen. „Das ist ein Prozess, der die Feuerwehr aufwühlt und elektrisiert“, meinte Schaffer.

Beim Gerätehaus sei es „fünf nach zwölf“, so Kommandant Angelmahr

Dass man bei der 94 Mitglieder starken Plüderhäuser Wehr alles andere als begeistert von der Idee einer Fusion ist, machte Kommandant Marc Angelmahr in der Sitzung noch einmal deutlich. Bei der Feuerwehr, sagte er, „ist der Lokalpatriotismus nicht zu unterschätzen“. Schließlich gehe das Engagement weit über das Normalmaß hinaus. „Da gibt es kein jetzt kann ich nicht, jetzt will ich nicht, es geht nicht.“

Man müsse, wenn man über Einsparpotenziale spreche, daher auch sehen, was sich die Gemeinde durch die Ehrenamtlichen spart. Hauptamtliche Feuerwehrleute könnte sich Plüderhausen jedenfalls nicht leisten. Was den Zustand des Gerätehauses angeht, sagte Angelmahr, sei es „fünf nach zwölf. Ich hoffe, das ist auch jedem bewusst.“ Im April 2019 habe der Gemeinderat das von der Wehr erarbeitete Brandschutzkonzept verabschiedet. „Jetzt stehen wir hier im Mai 2021, es sind zwei Jahre vergangen, in denen in Bezug auf den Standort nicht viel passiert ist. Die Dinge sind so nicht mehr tragbar“, meinte Angelmahr. „Wir müssen hier am Standort in Plüderhausen weiterkommen.“ Wo dieser schließlich sein werde, „da sind wir offen“.

Reiner Schiek (CDU) sprach sich dafür aus, jetzt noch einmal das Gespräch mit Urbach zu suchen, „bevor wir hier endgültig die Tür zumachen“. Er stellte dazu einen Antrag und wollte darüber abstimmen lassen. „Was wollen Sie mit denen reden, wenn Sie der Meinung sind, das wird nichts?“, entgegnete Bürgermeister Andreas Schaffer. Man müsse jetzt vielmehr den Mut haben, klare Entscheidungen zu treffen.

Scheurer: „Gegen den Willen der Feuerwehr ist das nicht stemmbar“

Unterstützung erhielt Schaffer bei diesem Thema von Klaus Harald Kelemen (SPD): „Ich rate dringend davon ab, jetzt noch mal eine Runde zu drehen“, sagte er. Die SPD wolle ausdrücklich keine weiteren Beratungstermine. „Wir wollen die funktionierende Wehr weiterentwickeln, wie im beschlossenen Konzept.“

Ulrich Scheurer (CDU) erinnerte daran, dass man zwei funktionierende, aktive Wehren habe – und ganz klar kein Interesse der Kommandanten an einer Fusion vorhanden sei. „Gegen den Willen der Feuerwehr ist das nicht stemmbar.“

Erich Wägner (GLU), der die Idee eines gemeinsamen Feuerwehrhauses durchaus interessant fand, sah ein, dass die Chance dafür vertan ist. „Der Gedanke ist vorbei, das akzeptieren wir, der Widerstand aus beiden Feuerwehren ist viel zu groß.“

Claudia Jensen (FW-FD) sagte: „Keiner stellt das Ehrenamt infrage, keiner will der Feuerwehr etwas Unmögliches aufdrücken.“ Sie hätte allerdings schon erwartet, dass die Verwaltungsspitzen von Plüderhausen und Urbach sich darüber noch einmal abstimmen, bevor der Gemeinderat entscheidet. Worauf Schaffer antwortete: „Es gab immer eine klare Ansage von mir an Fehrlen, dass ich das Vorhaben nicht unterstütze und alle Bemühungen Ressourcen-Verschwendung sind.“ Es gebe in Baden-Württemberg nur eine Handvoll Wehren, die sich interkommunal zusammengetan hätten. In Plüderhausen geschähe das „ohne Not und mit vielen Bausteinen, die man noch zusammensetzen müsste“.

Schaffer: „Gehe jede Wette ein, dass der Prozess keinen Erfolg hätte“

„Genau da liegt das Problem“, meinte Silvan Vollmar (FW-FD), „dass Sie es nicht unterstützen. Was ich vermisse, ist, dass es mal wirklich eine Diskussion gab.“ Er habe den Eindruck, das Thema werde seitens der Verwaltung schlicht ausgebremst. Es gebe bislang keinen Beschluss des Gemeinderats dazu, entgegnete Schaffer. Er habe zu dem Thema mit Urbach bereits mehrfach gesprochen – bei einer gemeinsamen Gemeinderatssitzung sowie bei einer Sitzung des Gemeindeverwaltungsverbands. „Ich gehe aber jede Wette ein,dass dieser Prozess, wenn er geführt wird, keinen Erfolg hätte.“

Reitler: Zu dem Thema kompetente Hilfe von außen holen

Peik Reitler (FW-FD) bekannte schließlich, die ganze Diskussion sei ihm zu begrenzt, „räumlich wie geistig“. Er sprach sich für einen Standort außerhalb der Ortsmitte aus – und dafür, jetzt zunächst die größte Not der Wehr zu lindern und dann in eine Standortdiskussion einzusteigen. „Dazu brauchen wir kompetente Hilfe von außen, mit einer längerfristigen Begleitung von fünf bis sechs Jahren.“ Außerdem vertrat er die Ansicht, dass die Gemeinde mittelfristig um hauptamtliche Feuerwehrleute nicht herumkommen werde.

Der Antrag von CDU-Rat Schiek, noch einmal das Gespräch mit Urbach zu suchen, wurde schließlich mit einer Stimme Mehrheit abgelehnt. Für die Beibehaltung des Brandschutzkonzepts - und damit gegen die Idee eines gemeinsamen Gerätehauses mit Urbach - stimmte schließlich die große Mehrheit des Gremiums. Damit ist die Idee einer Fusion endgültig vom Tisch.

Sanierung, Neubau oder gar ein Gemeinschaftsbau mit der Urbacher Wehr? Wie es mit dem Plüderhäuser Feuerwehrgerätehaus weitergehen soll, darüber wurde in Plüderhausen schon häufiger diskutiert. Zwei Jahre ist es nun her, dass ein von der Wehr selbst erarbeitetes Brandschutzsicherheitskonzept verabschiedet wurde. Seitdem ist in Sachen Feuerwehr jedoch nicht viel passiert, dabei ist der Handlungsbedarf groß. Vor allem für das mängelbehaftete Feuerwehrgerätehaus ist eine Lösung notwendig. Nur

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