Plüderhausen

Bericht legt Schwachstelle bei Bränden offen

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Das Feuerwehrgerätehaus in Plüderhausen ist in die Jahre gekommen, es besteht aus Sicht der Feuerwehr ein dringender Handlungsbedarf für Investitionen. © ZVW/Gaby Schneider
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Ziemlich eng geht es beim Umziehen für die Feuerwehrleute zwischen ihren Umkleideschränken und den geparkten Einsatzfahrzeugen zu.

Plüderhausen. Für die Planung der kommenden zehn Jahre hat die Plüderhäuser Feuerwehr eine Analyse des Ist-Zustands und des Investitionsbedarfs vorgelegt. Ein drängendes Anliegen sticht dabei heraus: Noch in diesem Jahr hätte die Feuerwehr gerne eine Richtungsentscheidung, wie es mit dem mängelbehafteten Gerätehaus weitergeht. Außerdem liegt mit dem Bericht eine Schwachstelle bei Bränden offen.

Der Brand im ehemaligen „Ochsen“ in Urbach vor drei Wochen mit einem Toten war auch für die Plüderhäuser Feuerwehr ein Großeinsatz. Doch nicht nur die Nachbarn kamen zur Unterstützung der Urbacher Kräfte. Enorm wichtig waren neben der Fellbacher Feuerwehr mit ihrer technischen Unterstützung die beiden Drehleiterfahrzeuge, die aus Schorndorf und Welzheim anrückten. Mit ihrer Hilfe konnten die Einsatzkräfte dem außer Kontrolle geratenen Feuer im Dachstuhl des Gebäudes zu Leibe rücken. Bei anderen Einsätzen werden die Drehleitern gebraucht, um Menschen aus hohen Gebäuden zu retten.

Drehleitern brauchen zu lang, bis sie in Plüderhausen sind

Die Drehleiterfahrzeuge sind nur an bestimmten Standorten stationiert, sie sind teuer und brauchen Platz. Wenn in Plüderhausen eins benötigt wird, fährt dieses entweder aus Schorndorf oder Lorch an. Die Plüderhäuser Feuerwehr hat dabei nun ein Problem offengelegt: Die beiden Fahrzeuge brauchen zu lang, bis sie da sind. Zehn Minuten ab Alarmierung beträgt die gesetzliche Hilfsfrist für die Drehleitern, wenn sie zur Menschenrettung bei besonders hohen Gebäuden benötigt werden, bei denen die tragbaren Leitern der Feuerwehr nicht mehr ausreichen. Innerhalb dieser Zeit sollten die Fahrzeuge eigentlich am Einsatzort sein. Wie Marc Angelmahr, der Plüderhäuser Kommandant, kürzlich im Gemeinderat zeigte, brauchen jedoch sowohl das Schorndorfer als auch das Lorcher Drehleiterfahrzeug ab Alarmierung 13 Minuten, um überhaupt die Ortsgrenze von Plüderhausen zu erreichen „Wir sehen es als erforderlich an, dass die Verwaltung und der Kreisbrandmeister sich zusammensetzen und über die Thematik beraten“, so Angelmahr.

Für die meisten Gebäude reichen die Steckleitern der Feuerwehr

Bei den meisten Gebäuden in Plüderhausen kann die Feuerwehr laut Marc Angelmahr die Rettung mit den normalen Steckleitern leisten, allerdings nicht bei besonders hohen, wie es sie zum Beispiel im Drosselweg und in der Rechbergstraße gibt. „Es gibt aber auch weitere Gebäude, bei denen es hilfreich ist, wenn eine Drehleiter zur Menschenrettung vor Ort ist“, sagt der Kommandant.

Das Problem mit den Drehleiterfahrzeugen war nur ein Punkt in einer umfassenden Analyse samt Maßnahmenkatalog, die die Plüderhäuser Feuerwehr jetzt Verwaltung und Gemeinderat vorgelegt hat. Dieses Brandschutzsicherheitskonzept und der Feuerwehrbedarfsplan sollen zeigen, was aus Sicht der Feuerwehr bis 2029 nötig ist, damit sie weiterhin zuverlässig und gut ihre Arbeit tun kann.

Schimmelproblem im Keller des Feuerwehrgerätehauses

Die Haupt-Baustelle ist dabei das Feuerwehrgerätehaus. „Akuten Handlungsbedarf“ sieht Kommandant Marc Angelmahr im Keller, wo es ein bereits seit längerem bekanntes Schimmelproblem gibt, das die Kleiderkammer der Feuerwehr und die Umkleideräume der Jugendfeuerwehr betrifft. Dem Brandschutzkonzept liegt der konkrete Antrag bei, die Räume des ehemaligen Notariats für Kleiderkammer und Umkleide zu nutzen, um aus dem feuchten Keller herauszukommen.

Ein weiterer kritischer Punkt betrifft die Umkleidesituation für die Einsatzkräfte. Deren Garderobenschränke mit der Einsatzkleidung befinden sich in der Fahrzeughalle. Die Feuerwehrleute müssen sich in sehr engen Zwischenräumen und in den Abgasen der Fahrzeuge umziehen.

Insgesamt ist das Feuerwehrgerätehaus in die Jahre gekommen. Der Gutachterausschuss der Gemeinde hat bereits festgestellt, dass es, je nach Gebäudeteil, noch zwischen fünf und 15 Jahren wirtschaftlich sinnvoll genutzt werden kann. Hier muss Plüderhausen also sehr bald grundlegend investieren.

Feuerwehr drängt auf Klarheit

Wie genau, das ist bisher völlig offen: Die Feuerwehr drängt mit ihrem jetzt vorgelegten Konzept allerdings darauf, bald Klarheit zu schaffen, welcher Weg gegangen wird. Und spricht sich dabei selbst für den Erhalt des derzeitigen Standorts in der Ortsmitte aus. „Wir müssen der Situation ins Auge schauen“, sagte Marc Angelmahr im Gemeinderat. Deswegen sei die Analyse schonungslos und lege alles auf den Tisch, ohne etwas zu beschönigen.

Schaffer: Über alle Maßnahmen einzeln beraten und entscheiden

Aus dem Gemeinderat kamen zu dem Konzept lobende Stimmen für die Arbeit der Feuerwehr, aber auch kritische Töne vor allem, was den Zeitplan der Bedarfsplanung angeht (siehe „Stimmen aus dem Gemeinderat“). Letztendlich gab es eine Enthaltung von Thomas Häußermann (FW-FD), der bei einer Zustimmung eine Verpflichtung zur Umsetzung der Maßnahmen befürchtete. Bürgermeister Andreas Schaffer sagte jedoch: „Ich kann jetzt schon sagen: Das werden wir so nicht abarbeiten in dem Tempo.“ Es sei auch klar, dass aus dem Beschluss des Konzepts keine Verbindlichkeiten abgeleitet werden könnten. Über alle Maßnahmen müsse man einzeln beraten und entscheiden.

Das sieht auch Kommandant Marc Angelmahr so, der im Gespräch mit unserer Zeitung betont: Man sehe das Konzept als Fahrplan. „Es sind unsere Vorschläge aus unserer Sichtweise heraus. Wir haben die Aufgabe, auf Missstände und Defizite hinzuweisen.“ Dabei könne man nur auf die Dringlichkeit hinweisen, wie man sie selbst sehe. Die Entscheidungen lägen dann bei Verwaltung und Gemeinderat. Klar sei, so Angelmahr, dass das, was im Brandschutzkonzept bis 2029 formuliert sei, eine „Riesenaufgabe“ sei, die nicht leicht und im Vorübergehen zu schultern sei.


Stimmen aus dem Gemeinderat

„Wie wichtig die Feuerwehr ist, haben wir leider erfahren müssen in Urbach“, erinnerte Erich Wägner an den Brand dort vor drei Wochen (Grüne Liste Umwelt). Die Zustimmung zum Brandschutzkonzept bedeute jedoch nicht, dass man allem vorbehaltlos zustimme. Man müsse es Punkt für Punkt abarbeiten.

„Wir stellen uns der Diskussion“, sagte Klaus Harald Kelemen (SPD). Wenn man das Konzept so beschließe, vor allem den klaren Antrag zur Nutzung der ehemaligen Notariatsräume für Kleiderkammer und Jugendfeuerwehr, dann „müssen wir uns drum kümmern“.

„Bei der Feuerwehr ist das Steuergeld immer richtig ausgegeben“, befand Ulrich Scheurer (CDU). „Da hat der Bürger kein Verständnis, wenn es um Spardiskussionen geht. Jeden kann es heute oder morgen betreffen.“

Silvan Vollmar (FW-FD) sagte zur Bitte um einen schnellen Grundsatzbeschluss zur Zukunft des Feuerwehrhauses: „Ich würde es gerne ergebnisoffener diskutieren.“