Plüderhausen

Das wünscht sich der Handels- und Gewerbeverein vom neuen Bürgermeister

zukünftige Bürgermeister
Urs Donner, Vorsitzender des Handels- und Gewerbevereins Plüderhausen, vor seinem Laden. © ALEXANDRA PALMIZI

Nach einem langen Corona-Jahr ist der Einzelhandel im Land gebeutelt. Eine kurze Öffnungsphase im März hat den Geschäften im Land wieder Aufschwung gegeben, nun dürfen die Läden aufgrund der hohen Inzidenzzahlen nur noch Click & Collect, also die vorherige Bestellung und Abholung von Waren, anbieten. Das ist natürlich auch in Plüderhausen spürbar. Gleichzeitig geht der Wahlkampf für die Wahl des neuen Bürgermeisters der Gemeinde in den nächsten Wochen in die heiße Phase. Was könnte der neue Rathaus-Chef dazu beitragen, den Einzelhandel in der Kommune wieder zu stärken? Ein Gespräch mit dem HGV-Vorsitzenden Urs Donner und Diane Proschka, Wirtschaftsförderin bei der Gemeinde.

Zunächst zum aktuellen Zustand in der Gemeinde: „Es gab relativ früh eine Schließung in der Gastronomie, das Bistro am Bahnhof“, erinnert sich Urs Donner an das vergangene Corona-Jahr. Alle anderen hielten durch, es habe keine weiteren Geschäftsaufgaben gegeben. Das heißt aber natürlich nicht, dass die Situation bei den Unternehmen rosig ist.

Eine strategische Planung ist momentan unmöglich

„Die Gastro ist schon seit November zu“, sagt Urs Donner. Die Kulturschaffenden können nicht arbeiten, viele Unternehmen machten an Weihnachten wegen des zweiten Lockdowns vor den Feiertagen weniger Geschäft. Zudem ist es für den HGV-Vorsitzenden schwer einzuschätzen, welche Unternehmen staatliche Hilfe beantragen mussten und wer dann auch tatsächlich Unterstützung bekam. Im Gewerbebereich sei es schwer, zu planen, weil unklar ist, wann sich die Situation wieder normalisiert. „Man fährt im Moment auf Sicht und ist froh, wenn man seinen Laden aufmachen darf und Aufträge hat“, so Donner. Strategisches Denken? Schwierig.

Das sind Stellschrauben, an denen ein Bürgermeister nicht viel drehen kann. „Der Bürgermeister hat ja keine große Macht, was die Corona-Regeln angeht“, sagt Urs Donner. Die Umsetzung der Corona-Verordnung vor Ort habe aber gut funktioniert. „Das war eine gute Zusammenarbeit“, meint der Buch- und Schreibwarenhändler. Und genau die erhofft er sich in Form von einer guten und offenen Kommunikation auch vom zukünftigen Rathaus-Chef. Aber auch darüber hinaus stehen noch einige Punkte auf der Wunschliste des HGVs.

Entwicklungsperspektive für den Ort

„Der HGV wünscht sich seit vielen Jahren schon einen Entwicklungsplan für den Ort“, nennt Urs Donner ein Beispiel. Schon bei der letzten Bürgermeister-Wahl warb er dafür. In dem Plan sollte nach Wunsch der Organisation die Entwicklung der Infrastruktur und des Ortes allgemein thematisiert werden, um die Rahmenbedingungen für die Zukunft der Einzelhändler und des Gewerbes aufzuzeigen. Urs Donner fände es sinnvoll, wenn sich alle im Ort relevanten Gruppen bei dem Thema einmal zusammensetzen würden, um zu überlegen, wie Plüderhausen sich in den nächsten 15 bis 20 Jahren weiterentwickeln will.

„In Plüderhausen haben wir ja auch die Sondersituation, dass der Fluss und die Bahnlinie direkt durch den Ort gehen“, sagt er außerdem. „Die Verkaufsinfrastruktur ist im Nordteil des Ortes und die meisten Bürger wohnen im Südteil.“ Beschrankte oder gar gesperrte Übergänge vom einen Ortsteil in den anderen seien beschwerlich, ebenso die nicht barrierefreie Unterführung am Bahnhof.

Barrierefreie Zugangsmöglichkeiten

„Bei der Infrastruktur gibt es noch einiges, das man verbessern kann“, findet Urs Donner deshalb. „Wir sind natürlich an möglichst barrierefreien Zugangsmöglichkeiten von Nord nach Süd und zurück interessiert“, sagt er. „Das ist eine Geschichte, die schon lange ungelöst ist.“ Vor vielen Jahren seien Pläne für eine bessere Verkehrsplanung gemacht worden, die aber nie umgesetzt wurden. Urs Donner findet: Es würde Sinn machen, die alten Pläne noch einmal neu zu überdenken. In den letzten Jahren habe sich einiges geändert. Dabei würde sich der HGV selbstverständlich gerne einbringen. Die Frage sei aber, wie realistisch der Wunsch nach einer besseren Verkehrsführung sei. „Plüderhausen ist nicht auf Rosen gebettet, was das Finanzielle angeht“, so der HGV-Vorsitzende. „Wir müssen schauen, was wir in Zukunft realisieren können.“

Einfacher umsetzbar sind vielleicht die anderen Anliegen des HGV: Der neue Verwaltungschef sollte laut Urs Donner in die Gemeinde „reinhören“, Kontakt mit dem HGV halten, den Handel unterstützen und mit gutem Beispiel als Kunde vorangehen. Auch die Gemeindeverwaltung frage schließlich Leistungen nach. „Das kann man auch vor Ort tun“, sagt Urs Donner. Projekte in diese Richtung gab es auch in der Vergangenheit schon.

Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung läuft weiter

„Vor zwei Jahren haben wir angestoßen, ein jährliches Treffen zu veranstalten, bei dem man den Handwerkern die Bauvorhaben der Gemeinde vorstellen könnte, damit sie wissen, was sich überhaupt tut“, erzählt Urs Donner. Aufgrund der Pandemie kam das Treffen aber schon im zweiten Jahr nicht zustande. Die Zusammenarbeit des HGV mit der Gemeinde ist während der Corona-Zeit aber nicht eingeschlafen. Der Arbeitskreis City Marketing, in dem in der Vergangenheit unter anderem einige Feste organisiert wurden, sei weiterhin aktiv, wenn auch weniger als sonst. Und auch die Zusammenarbeit mit Diane Proschka, Wirtschaftsförderin der Gemeinde, laufe sehr gut.

„Ich denke, in Plüderhausen ist es wie überall“, sagt Diane Proschka, angesprochen auf den Zustand des Einzelhandels in der Gemeinde. „Das Auf- und Zumachen ist sehr schwierig für alle, die betroffen sind.“ Jeder bemühe sich, die verlorenen Umsätze seien inzwischen aber nicht mehr einzuholen. Die große Sorge der Wirtschaftsförderin: Haben die Kunden sich während der Pandemie so sehr an den Internethandel gewöhnt, dass sie auch nach der Corona-Krise weiter auf diesem Wege einkaufen werden, oder kommen sie in die Läden vor Ort zurück, sobald es wieder möglich ist?

In der Krise müssen alle an einem Strang ziehen

„Da muss man etwas machen“, sagt Diane Proschka, die zusammen mit dem AK City Marketing und der Jugendsozialarbeiterin Betty Vollmar erst vor kurzem die Aktion „Jugend meets Einzelhandel“ ins Leben gerufen hat, bei der Jugendliche mit dem traditionellen Einzelhandel in Kontakt kommen.

Generell findet die Wirtschaftsförderin, dass alle an einem Strang ziehen sollten – besonders in Krisenzeiten. Die Gemeinde müsse im engen Austausch mit allen Händlern sein. Den kreativen Handlungsmöglichkeiten eines neuen Bürgermeisters bei neuen Aktionen seien eigentlich keine Grenzen gesetzt. Grenzen setze eher die finanzielle Situation des Ortes.

„Es gibt sicher zahlreiche Ideen“, sagt Diane Proschka auf die Frage, was ein neuer Verwaltungschef umsetzen könnte. Sie will aber nicht zu viel vorweggreifen. Wichtig sei nur der Gleichheitsgrundsatz: „Wenn ich einen fördere, muss ich auch alle anderen fördern“, so Diane Proschka.

Nach einem langen Corona-Jahr ist der Einzelhandel im Land gebeutelt. Eine kurze Öffnungsphase im März hat den Geschäften im Land wieder Aufschwung gegeben, nun dürfen die Läden aufgrund der hohen Inzidenzzahlen nur noch Click & Collect, also die vorherige Bestellung und Abholung von Waren, anbieten. Das ist natürlich auch in Plüderhausen spürbar. Gleichzeitig geht der Wahlkampf für die Wahl des neuen Bürgermeisters der Gemeinde in den nächsten Wochen in die heiße Phase. Was könnte der

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