Plüderhausen

Ein Café von Schülern für Schüler

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Ein gemütliches Plätzchen: Johanna, Marcel und Sebastian haben sich fürs Foto schon mal an einen der Tische im Schülercafé gesetzt. Eigentlich aber sind die Jugendlichen mit den letzten Vorbereitungen beschäftigt. © Zühr / ZVW
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Was kommt alles auf die Preisliste? Marcel, Johanna und Sebastian stellen sie zusammen. © Zühr / ZVW

Plüderhausen. Pfiffige Lampen hängen über den hellen Tischen, um die flotte gelbe und graue Stühle stehen, an der Theke gibt es Hocker, und bald ist auch die Preisliste angeschraubt: An der Hohbergschule laufen die letzten Vorbereitungen für die Eröffnung des Schülercafés am Mittwoch. Die Jugendlichen haben sich hier mit Unterstützung einen ruhigen, schicken Rückzugsort geschaffen, der sich sehen lassen kann.

Richtig schick, das ist der erste Eindruck. Da gibt es einen roten Kühlschrank hinter der grauen Theke, in der Ecke spendet eine Stehlampe weiches Licht, ein gelbes Ledersofa lädt ein, es sich bequem zu machen. Grünpflanzen stehen auf den hellen Tischen, um die sich Stühle in verschiedenen Farben gruppieren. Wer will, kann sich eine der Zeitschriften vom Fensterbrett nehmen, ein bisschen blättern, dabei einen Kaffee trinken und ein wenig abschalten. Micky- Maus-Hefte, aber auch Stern oder Focus liegen zur Lektüre aus.

Schülerfirma erwirtschaftet nicht nur Umsatz, sondern macht Gewinn

Hinter der Theke wird noch fleißig geschafft. Johanna, Marcel und Sebastian stellen gerade die Angebotskarte zusammen, notieren auf einem metallenen Memo-Board, was es im Schülercafé so alles geben wird: Snacks, Gummibärchen, Schokoriegel, Kaffee, Tee und so weiter. Knabbermix? Wäre auch nicht schlecht, aber dafür bräuchte man Schalen, überlegen die Schüler. Zur Eröffnung am Mittwoch, das steht schon fest, backen die Schüler Muffins und bieten Kaffee an, erzählt Lehrer Julian Mihajlovic. Johanna will außerdem ein schwäbisches Gebäck, „Käsfüß“, beisteuern. Johanna engagiert sich in der Schülerfirma der Hohbergschule. Sie kümmert sich um die Getränkeautomaten auf dem „Bildungshügel“, füllt auf, was fehlt, sammelt Flaschen wieder ein und zahlt den Käufern ihr Pfand aus. Wie Johanna engagieren sich weitere Schüler ehrenamtlich in der schuleigenen Firma. Neun Neunt- und Zehntklässler sind’s, weiß Lehrer Julian Mihajlovic. Sie vertreiben die Schulkleidung, sehen nach den Getränkeautomaten, sammeln auch leere Pfandflaschen der Schüler ein und erwirtschaften nicht nur Umsätze, sondern sogar Gewinn. Was so zusammenkam, wurde noch um Spenden ergänzt, so dass die Summe für die Einrichtung des Schülercafés herangezogen werden konnte. Wobei nicht alles neu gekauft wurde. So spendeten etwa die Lehrer Geschirr, Pflanzen, Besteck und sogar ein Sofa.

Als Neuanschaffungen kamen zum Beispiel die Lampen, Tische, Stühle und der rote Kühlschrank ins Haus. Die Kücheneinrichtung wurde in Eigenregie eingebaut. Die Theke haben die Techniklehrer mit einem Schreiner gemacht.

Bereits im vergangenen Jahr haben Schüler in einer Projektwoche kräftig gewerkelt, damit aus den Räumen, früher das Büro des Konrektors mit dem einst dazugehörigen Sekretariat, nun ein Café werden konnte. Da wurden Wände eingeschlagen, Lampen abgebaut, Möbel weggeräumt und der Teppich entfernt (wir haben berichtet).

Fürs Schülercafé wurde ein Projektplan entworfen. Die Schüler sind mit ihm losgegangen und haben bei verschiedenen Handwerkern und Firmen um Hilfe nachgefragt. Nicht umsonst. So haben Handwerker für einen entgegenkommenden Preis gearbeitet, sagt Julian Mihajlovic, die Gemeinde habe den Rest bezahlt. Für eine gemütliche Atmosphäre sorgen auch die Bilder, die Schüler mit dem Kunstlehrer gemalt haben. Die Ersparnisse der Schülerfirma reichten sogar für eine kleine Kaffeemaschine.

Das Schülercafé wird bewirtschaftet, und zwar von den Mitgliedern der Schülerfirma, und das jeweils von 13.15 bis 14.15 Uhr im Anschluss an die sechste Stunde bis zum Anschlussunterricht. Jeweils zwei, drei Schüler haben dann „Dienst“, geben Getränke aus, rechnen ab, räumen auf. „Wir hoffen, dass wir hier auch Einnahmen haben“, schmunzelt Julian Mihajlovic. Denn die Schülerfirma hat schon ein weiteres Projekt. Im Café hängt ein Beamer, für den die Schülerfirma gewissermaßen einen „Kredit“ von der Schule bekommen hat.

Ziel: Selbst verwalten

Erste Überlegungen zum Schülercafé gab es Ende 2014, sagt Lehrer Julian Mihajlovic, der die AG Schülerfirma leitet. Die Schülermitvertretung hatte den Wunsch, der ehemalige Konrektor Peter Beck fand die Idee gut, die Schülerfirma auch. Los ging’s. Am Mittwoch wird das Café eröffnet. „Ziel ist, dass die Schüler sich selbst verwalten“, so der Lehrer.